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Großanlagenbau

So profitieren deutsche Großanlagenbauer

| Autor/ Redakteur: Anke Geipel-Kern / Dipl.-Medienwirt (FH) Matthias Back

Länder mit sprudelnden Öl- und Gasquellen begnügen sich nicht mehr länger mit der reinen Rohstoffförderung, sondern investieren zunehmend in Petrochemiekomplexe und die Produktion von Basischemikalien. Das bietet Chancen, birgt aber auch Risiken für den Großanlagenbau. PROCESS hat recherchiert: Wer sind die Gewinner und wer die Verlierer?

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Die GROAB-Datenbank von PROCESS bietet einen aktuellen Überblick über Großprojekte im internationalen Anlagenbau.
Die GROAB-Datenbank von PROCESS bietet einen aktuellen Überblick über Großprojekte im internationalen Anlagenbau.
(Screenshot: PROCESS)

Für den Großanlagenbau spielt die Musik schon lange nicht mehr in Europa. Das macht erneut die jüngste Recherche in der PROCESS-Datenbank Großanlagenbau GROAB deutlich die diverse Großprojekte zutage förderte. Allein in den letzten sechs Wochen sind sechs Großprojekte dazugekommen, die einen Projektwert zwischen rund zwei und sechs Milliarden Euro haben. Investitionsschwerpunkt ist eindeutig der Nahe Osten – dominiert von den Riesenprojekten der staatlichen und halbstaatlichen Petrochemieunternehmen.

Peru und Usbekistan im Kommen

Das meiste Geld fließt zurzeit in Raffinerien und in integrierte Petrochemiekomplexe, die Öl und Gas direkt am Ort der Förderung zu Grundchemikalien verarbeiten und damit die Wertschöpfung in Länder verlagert, die lange Jahre lediglich als Rohstofflieferanten dienten. Und das gilt mittlerweile nicht mehr nur für die klassischen Ölländer Saudi Arabien oder Katar, wo derzeit gigantische Komplexe wie Chemaweyaat oder Ras Laffan aus dem Wüstenboden wachsen, sondern auch für Länder wie Peru oder Usbekistan, die (noch) nicht an der vordersten Front der Förderländer stehen.

Der Andenstaat beispielsweise will künftig seine Naturgasreserven stärker nutzen, hat aber momentan noch Probleme mit der mangelhaften Infrastruktur. Eines der Vorzeigeprojekte des peruanischen Unternehmens CF Industries, ein Werk zur Herstellung von Ammoniak und Düngemitteln, stand deshalb eine Zeitlang auf der Kippe, weil unklar war, wie das Gas von den Camisea-Lagerstätten zum Produktionsstandort St. Juan de Marcona transportiert werden sollte.

Was tut sich in Usbekistan?

Spannend sind auch die Entwicklungen in Zentralasien und hier besonders in Usbekistan. Als größtes Einzelprojekt gilt der auf 3,5 Milliarden US-Dollar veranschlagte Bau des Gaschemiekomplexes Ustjurt auf der Basis der Lagerstätte Surgil. Hinter dem Vorhaben steht ein Konsortium der Unternehmen Uzbekneftegaz (50%), Korea Gas (22,5%), Honam (22,5%) und STX Energy (5%). In dem Komplex soll Gas zu Polypropylen und Polyethylen verarbeitet werden.

Das Engineering ist bei diesem Projekt fest in den Händen der Südkoreaner: Mit GS Engineering & Construction, Hyundai Engineering & Construction und Samsung Engineering sind hier gleich drei Kontraktoren mit im Boot, wobei allein Samsung einen mit 630 Millionen Euro dotierten Vertrag erhalten hat. Gut im Geschäft ist hier aber auch das texanische Unternehmen KBR als Lizenzgeber für das im Ethylencracker betriebene Verfahren.

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