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Balanceakt im Sprühturm

So funktioniert Explosionsschutz in der Sprühtrocknung richtig

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Bedingungen in der Sprühtrocknung begünstigen Explosionen

Nur grausilbriger Edelstahl? Nicht ganz, denn rund um den gesamten Turm sind in gleichmäßigem Abstand 24 signalrote Flaschen installiert. Sie sind die Lebensversicherung des Sprühturms. Denn neben verfahrenstechnischen Gesichtspunkten muss besonders auf den Explosionsschutz geachtet werden.

Auf den ersten Blick scheint es verblüffend, dass Lactosepulver eine Explosion auslösen kann. Aber in einem Sprühtrockner herrschen Bedingungen, die Explosionen begünstigen: „Es gibt ein organisches, sehr feines Pulver in einem großen Luftvolumen und hohe Temperaturen. Da fehlt nur noch die dritte Komponente der Explosionsvoraussetzungen – der sprichwörtliche Zündfunke –, damit es zu einer Explosion kommt“, so Speckmaier. Durch die hohen Temperaturen besteht immer die Gefahr, dass es durch Pulverablagerungen zu einer Selbstentzündung kommt.

Aber mit dieser Gefährdung weiß Speckmaier umzugehen. „Für die Errichtung des Turms hat unser Engineering-Team eng mit Fachunternehmen zusammengearbeitet. Sprühtürme gehören aus Explosionsschutzsicht mit zu den anspruchsvollsten Anlagen überhaupt“, sagt Speckmaier. „Das erfordert Know-how von Experten.“

Schon beim Bau des ersten Sprühturms war die Auswahl an Fachunternehmen für den Explosionsschutz nicht besonders groß. Fündig wurde man bei IEP Technologies, die damals noch unter dem Namen Kidde tätig waren. Das Unternehmen, das seit 2015 zu Hoerbiger gehört, ist bei etwa 80 Prozent aller derzeit gebauten Sprühtrockner mit seinen Explosionsschutzkonzepten an Bord. Hintergrund ist, dass es nur wenige Unternehmen gibt, die eine Atex-Zulassung für sehr große Behälter vorweisen können.

Rundherum geschützt

In der Gefährdungsbeurteilung wurden zunächst bestehende Risiken für explosionsgefährdete Bereiche anhand der in Frage kommenden Zündquellen bewertet und die technischen und organisatorischen Schutzmaßnahmen ergriffen. Durch die unmittelbare Nähe zu Wohngebieten kamen andere Explosionsschutzkonzepte, wie etwa die Druckentlastung mit Berstscheiben, nicht in Frage, da Freiflächen zur Entlastung rund um das Gelände rar sind.

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Meggle entschied sich für einen Rundumschutz des Turms mit einer Explosionsunterdrückung von IEP Technologies. Diese besteht aus den schon erwähnten typischen roten Löschmittelbehältern, die in verschiedenen Ebenen rund um den Sprühtrockner, aber auch an anderen Aggregaten installiert werden. Dabei sind die Drucksensoren so konfiguriert, dass sie auf den für eine Explosion typischen Druckanstieg reagieren. Droht eine Explosion, registrieren die Sensoren diesen Anstieg innerhalb von Millisekunden und reagieren blitzschnell, indem sie die Explosion löschen.

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