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Gestaltung von zeit- und ortsflexiblem Arbeiten So flexibel gestalten Sie Arbeiten 4.0

| Autor / Redakteur: Manja Wühr* / Wolfgang Ernhofer

Nachmittags das Fußball-Training vom Junior leiten und abends um 20:00 Uhr im Status-Meeting mit dem Projektpartner aus den USA wichtige Meilensteine überprüfen: Zeit- und ortsflexibles Arbeiten wird sowohl für Arbeitnehmer als auch Arbeitgeber immer wichtiger. Nun sind ungeahnte Möglichkeiten in Sicht.

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(Bild: gemeinfrei / CC0 )

Früher galten geregelte Arbeitszeiten als Garanten für einen Traumjob. Doch mit der Digitalisierung wird der Nine-to-Five-Job zu einem Auslaufmodell. Schließlich machen der Ausbau des Brandband-Internets, Netzwerktechnologien, intelligente Software-Lösungen sowie mobile Endgeräte Arbeitsmittel mobil und Informationen jederzeit verfügbar. Das ermöglicht Arbeitnehmern Privat- und Berufsleben in Einklang zu bringen.

Auch die Arbeitgeber in der Chemieindustrie sehen in dieser Entwicklung Chancen: „So hat die Flexibilisierung den Vorteil, dass anfallende Arbeiten besser kurzfristig erledigt werden können und Reisezeiten durch Arbeit am Laptop effizienter genutzt werden können.“ – So die Stellungnahme des Bundesarbeitgeberverbands Chemie zum Grünbuch Arbeiten 4.0 vom April 2015.

Wahlarbeitszeit

Wie flexible Arbeitszeiten und dezentrale Arbeitsorte in der Arbeitswelt umgesetzt werden können, hängt neben den technischen Möglichkeiten und den spezifischen Anforderungen der jeweiligen Branchen und Tätigkeiten auch von den gesetzlichen Rahmenbedingungen ab. Mit dem Weißbuch Arbeiten 4.0 stellt Arbeitsministerin Andrea Nahles bereits bestehende Instrumente sowie einige neue Lösungsansätze vor, wie das bestehende Arbeitszeitrecht flexibilisiert werden kann. Die Summe all dieser Maßnahmen könnte demnach in einem Wahlarbeitszeitgesetz zusammengefasst werden.

So verweist das Weißbuch auf das Konzept eines Wahlarbeitszeitgesetzes des Deutsche Juristinnenbund (djb). Ziel ist es, allen Beschäftigten – auch denen in Betrieben ohne Mitbestimmung – garantierte Arbeitszeitoptionen zu schaffen. So ist ein individueller Anspruch auf Änderung der vertraglichen Arbeitszeit in Bezug auf Dauer und Lage sowie des Arbeitsortes vorgesehen. Dieser soll nur aus dringenden betrieblichen Gründen abgelehnt werden können. Bei diesen Änderungen haben die Verfasser ausdrücklich nicht nur eine Reduzierung der Arbeitszeit, sondern auch eine Erhöhung im Blick.

Für die Umsetzung sieht das Konzept weder differenzierte Lösungen noch Generalklauseln ohne Rechtssicherheit. Auf Basis einer regulierten Selbstregulierung würde das Gesetz Verfahren, Fristen und Beteiligungsrechte vorgeben. Die konkrete Gestaltung der Wahlarbeitszeit – also die Mitsprache in Bezug auf die Dauer und Lage ihrer Arbeitszeit sowie die Wahl ihres Arbeitsortes – hingegen bleibt den Betriebsparteien überlassen.

Experimentierräume

Das Wahlarbeitszeitgesetz könnte auch Möglichkeiten schaffen, passgenaue Vereinbarungen auszuhandeln, die von bestimmten Regelungen des Arbeitszeitgesetzes abweichen. Die Betriebsparteien könnten in so genannten Experimentierräumen Gestaltungsansätze zu strittigen Fragen der Arbeitsgestaltung in der betrieblichen Praxis für einen begrenzten Zeitraum ergebnisoffen erproben – etwa neue Arbeitszeitmodelle, neue Beteiligungskonzepte im Betrieb oder neue Geschäftsmodelle und Organisationsformen. Diese Möglichkeit will auch die Chemieindustrie nutzen. So fordert BAVC-Präsidentin Margret Suckale: „Für die geplanten Experimentierfelder müssen daher jetzt schnell die gesetzlichen Voraussetzungen geschaffen werden […].“

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