Prozessband/Endlose Stahlbänder So erfüllen endlose Stahlbänder auch höchste Ansprüche in der Prozessindustrie

Redakteur: Dr. Jörg Kempf

„Verlässlichkeit am laufenden Band“, so lautet das Motto von Berndorf Band, einem der weltweit führenden Herstellern von Prozess- und Transportbändern. PROCESS hat das Unternehmen besucht. Tauchen Sie ein in eine faszinierende Welt der endlosen Stahlbändern.

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Stolze zwei Meter in der Breite misst ein typischen Kühlband für Schwefel.
Stolze zwei Meter in der Breite misst ein typischen Kühlband für Schwefel.
(Bild: Berndorf)

„Vorsicht, bitte nicht zu nah an das Band! Immer einen Sicherheitsabstand wahren“, warnt Heinrich Garherr, Regional Director Sales, Marketing & Business Development. Und er weiß, wovon er spricht: Was eben gerade noch – silbern gleißend in der ersten Frühlingssonne – den Besucher blendet, wird, ändert man den Beobachtungswinkel, zur hauchdünnen, nahezu unsichtbaren, Rasiermesser scharfen Gefahr. Schon dieser erste Eindruck macht deutlich: Es ist zwar „nur“ ein Stahlband, aber das Know-how, das dahinter steckt, sucht seinesgleichen.

Wir befinden uns in den Produktionshallen von Berndorf Band im niederösterreichischen Berndorf, idyllisch gelegen am Rand des Wienerwalds. Von hier aus treten die endlosen Stahlbänder als Prozessband und Transportbänder ihren Weg in die ganze Welt an. Dabei gleicht keine Bandanlage der anderen.

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Denn „jede Anlage wird speziell an die Anforderungen des Kunden angepasst“, betont Garherr. Bereits vor dem Fertigungsprozess werden ausführliche Beratungsgespräche mit dem Kunden geführt, um sicherzustellen, dass die Bänder allen Anforderungen gerecht werden. Hier werden die genauen Bandspezifikationen definiert, aufgrund derer dann die Materialauswahl beim Stahlbandhersteller erfolgt.

Rückverfolgbar bis zum Rohmaterial

Das Rohmaterial – kaltgewalzte Metallbänder mit Dicken von 0,3 mm, 3,5 mm bzw. 3,7 mm und einer Rautiefe von 1 µm – wird gemeinsam mit den Lieferanten in vielfältigen Materialklassen entwickelt. Aus dem Materiallager treten die Coils dann den Weg in die Produktion an.

Im ersten Bearbeitungsschritt werden die Bänder vorbereitet und auf ihre Qualität geprüft: Speziell geschulte Experten mit langjähriger Erfahrung klassifizieren das Rohmaterial für das jeweilige kundenspezifische Anwendungsgebiet. Schon hier wird deutlich: Berndorf hat sich höchste Qualitätsansprüche auf die Fahne geschrieben. „Jedes Band, das von uns ausgeliefert wird, ist rückverfolgbar bis zum Rohmaterial“, versichert Garherr.

Mittlerweile klingt ein metallisches Singen durch die Produktionshalle: Auf der Biege-/Streck-Richtmaschine werden die Bänder nach der Inspektion gerichtet, um perfekte Planheit und Geradelauf zu gewährleisten. Auf den gigantischen Maschinen wirken Spannkräfte von bis zu zwei mal 100 Tonnen – ein beeindruckendes Schauspiel!

Die gewünschte Bandbreite entsteht anschließend durch präzises Säumen, bevor ein besonders entscheidender Produktionsschritt folgt: die exakte Bandendenvorbereitung. Sie ist das A und O für die Endlosschweißung auf der inhouse-Laserschweißanlage und bei der Endlosschweißung vor Ort beim Kunden.

Eine Spezialität von Berndorf Band ist die Erzeugung hochglanzpolierter Bänder für die Film- und Folienindustrie. Durch Polieren wird dem, nun Endlosband der letzte Schliff verpasst; selbst geringste Unregelmäßigkeiten werden mit modernster Messtechnik erkannt.

Innovationen, die man nicht sieht

Für besonders breite Bänder, beispielsweise die zwei Meter breiten Kühlbänder für die Pastillierung von Schwefel, kommt zusätzlich zur Endlosschweißung noch eine Längsschweißung hinzu – ein Produktionsschritt, den Berndorf bis zur Perfektion optimiert hat. So wird der Anwender die Längsschweißnaht auf einem polierten Band vergeblich suchen. Ein gutes Beispiel dafür, dass „Berndorf für sehr viele Innovationen steht, die der Anwender gar nicht sieht“, erklärt Garherr. Dazu zählt auch die besondere Wärmebehandlung, welche die Zugfestigkeit und Zähigkeit von Bändern für spezielle Anwendungen deutlich verbessert. Last not least wird jedes Band nach der Endbearbeitung erneut einer akribischen Qualitätsprüfung unterzogen.

Übrigens: Sämtliche Bandproduktionsmaschinen werden bei Berndorf selbst entwickelt. Hierfür zeichnet die Berndorf Band Engineering, eine Tochterfirma von Berndorf Band, verantwortlich – ein weiterer Know-how- und Qualitäts-Garant.

Damit das Band lange hält

Stahlbänder made by Berndorf halten der ständigen dynamischen Beanspruchung durch dauerhaftes Biegen und Strecken sowie Aufheizen und Abkühlen über einen langen Zeitraum hinweg stand. Allerdings sollte der Anwender einige Do’s and Don’ts beachten: Wichtig für den Anwender sei es, betont Garherr, alle bandberührenden Teile im Betrieb stets einer gewissenhaften Sichtkontrolle zu unterziehen. Denn hier lauern erhebliche Gefahren.

So sind bei der Umlenkung über die Trommel an der Außenseite des Bandes erzeugte tiefe Kratzer in Querrichtung die Ursprungsquelle für einen Bandriss. Auch sollte man es tunlichst vermeiden, Dellen ins Band zuschlagen. Im Betrieb führt jede Delle pro Umlauf zu vier zusätzlichen Belastungen, bis sie letztendlich springt. Für den Einsatz als Kühlband hat Garherr folgenden wertvollen Tipp: „Die Kühlung muss immer über die gesamte Breite gleichmäßig erfolgen, sonst verziehen sich die Bänder temperaturbedingt.“ Beachtet man diese Regeln, laufe ein typisches Kühlband problemlos fünf bis zehn Jahre, versichert Garherr.

Wichtig: zuverlässiges Bandlaufregelsystem

Voraussetzung für den störungsfreien Betrieb einer Stahlbandanlage, auch unter stark wechselnden Bedingungen wie Druck und Temperatur, ist zudem ein zuverlässiges Bandlaufregelsystem. Das Bandlaufregelsystem „bernmatic“ von Berndorf arbeitet nach dem Prinzip der Lagerregelung. Kernstück ist die verstellbare Unterstützungsrolle. Durch deren horizontale oder vertikale Verstellung wird der präzise Bandlauf sichergestellt.

Das aktive Bandregelsystem überwacht den Bandlauf kontinuierlich und regelt sowohl schnelle als auch langsame Störeinflüsse zuverlässig aus. Ein grafisches Touch-Panel erleichtert die Bedienung und ermöglicht eine Analyse des Bandlaufs anhand des integrierten Trendschreibers. Verschiedene Schnittstellen ermöglichen die Anbindung an ein übergeordnetes System.

Vom Schwefel bis zur Formel 1

Ob als Prozess- oder Transportbänder, aus Edelstahl, Kohlenstoffstahl oder Titan, ob endlos oder offen, poliert oder geschliffen, ob mit Spur- oder Stauleisten – die Anwendungsgebiete der Berndorf-Bänder sind breit gestreut. In der chemischen Industrie finden die Bänder vor allem bei Bandkühlern und Trocknungsanlagen Verwendung. Wichtig sind hier insbesondere hervorragende mechanische, physikalische und geometrische Eigenschaften wie präziser Lauf, höchste Korrosioinsbeständigkeit und Formstabilität.

Im Lebensmittelbereich werden Endlosbänder hauptsächlich als Backofenbänder eingesetzt, im Transportbereich bei Sortieranlagen verwendet. In der Holz- und Laminatindustrie bilden die Bänder das Herzstück von Doppelbandpressen. Und sogar in der Automobilindustrie haben sie Einzug gehalten: Automobilhersteller nutzen spezielle Band-Anlagen für ihre Tests im Windkanal, um die aerodynamisch optimale Form für die Autos von morgen zu finden.

So breit die Anwendungsgebiete sind, so variabel sind auch die Bandgeschwindigkeiten. Laufen typische Kühlbänder für die Pastillierung von Schwefel beispielsweise mit eher gemütlichen 40 Metern in der Minute, so bringen es die Spezialbänder im Windkanal auf rasante 80 Meter in der Sekunde.

Apropos Automobil: Der Ferrari unter den Stahlbändern sind hochglanzpolierte Edelstahlbänder für Filmgießanlagen. Mit diesen Systemen können lösungsmittelbasierte Produkte wie Filme und Folien hergestellt werden, beispielsweise optische Folien, die zur Herstellung von LCD-TFT-Bildschirmen verwendet werden. Für den Erhalt eines erstklassigen Produktes sind hier perfekte Oberflächen und ruhige Laufeigenschaften entscheidende Faktoren.

Die größte Herausforderung

Die bisher größte Kunden-Herausforderung kommt für Garherr allerdings aus der Chemieindustrie: Für die BASF hat Berndorf ein spezielles gemuldetes Band entwickelt, das für die Herstellung der Veredelungschemikalie Oppanol, einem Polyisobuten mit mittlerem bis hohem Molekulargewicht, zum Einsatz kommt. Bei dem Prozess findet die chemische Reaktion zweier Flüssigkeiten auf dem Band bei einer Temperatur von -100 °C statt. Diese Anwendung belegt, „dass im Chemiebereich die Anwender die Innovationstreiber sind“, so Garherr. Bei Berndorf sind sie da an der richtigen Adresse.

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