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Produktions- und Verpackungslösungen

So bindet die Süßwaren-Industrie mit ressourcenschonender Verpackung die Verbraucher

| Autor / Redakteur: Melanie Streich* / Manja Wühr

(Bild: Interpack)

Süßwarenhersteller suchen auf der Interpack nachhaltige Produktions- und Verpackungslösungen – Alle lieben Süßes. Aber es soll bitte nachhaltig, gesund und lecker sein. Damit Naschkatzen weltweit die Botschaft sehen und verstehen, müssen Produzenten tief in die Trickkisten der Maschinenbauer greifen.

Was tut die Süßwaren-Industrie nicht alles, um Konsumenten von ihren Produkten zu überzeugen? Schokolade und Co. appetitlich zu verpacken und den Geschmack für das Produkt sprechen zu lassen, reicht mittlerweile nicht mehr aus. Um Konsumenten zu ködern, greifen Hersteller heute viel tiefer in Trickkiste: Zu den neuesten Trends zählen kurzweilige Videos und Spots rund um das Produkt, die sich Verbraucher während des Genusses anschauen können. Einer der Vorreiter des sogenannten „Snackertainments“, bei dem reale und digitale Welt verschmelzen, ist Lebensmittelriese Nestlé. Er hat im Rahmen einer Marketingkampagne mit dem Internet-Riesen Google die roten rechteckigen Verpackungen des Pausensnacks KitKat mit QR-Codes bedrucken lassen, die direkt zum eigenen YouTube Channel „YouTube my Break“ führen. Dort werden die User abwechslungsreich unterhalten – und so auf geschickte Weise an das Produkt gebunden.

Das Besondere an der Aktion: Das auffällige, markenstiftende Logo KitKat auf der Mitte der Verpackung wurde für die Sonderedition entfernt, damit YouTube den zentralen Platz einnehmen konnte. Außerdem erhielt Googles Betriebssystem Android nach Cup­cake, Donut, Eclair, Froyo, Gingerbread, Honeycomb, Ice Cream Sandwich und Jelly Bean mit KitKat erstmals in der Geschichte einen Markennamen. Dass Nestlé für dieses Privileg tief in die Tasche gegriffen hat, gilt in der Branche als offenes Geheimnis. Damit unterstreicht der Konzern, was Experten und Untersuchungen zuletzt immer wieder herausgestellt haben: Der Verpackung kommt als Markenbotschafterin heute elementare Bedeutung zu – gerade im Bereich der Süßwaren. „Die Produktvielfalt steigt, der Wettbewerb wird härter. Wer auf dem Süßwarenmarkt Erfolg haben will, muss sein Produkt gut präsentieren“, sagt Torben Erbrath vom Bundesverband der Deutschen Süßwarenindustrie (BDSI).

Angebot an Süßwaren nimmt stetig zu

Das gilt umso mehr, da die Auswahl an Nasch- und Backwerk am Point of Sale stetig wächst. Immer häufiger ergänzen zuckerfreie oder zucker- und fettreduzierte Süßwaren die bereits seit vielen Jahren bestehenden Traditionsprodukte. Auch das Angebot von Süßwaren, die für vegetarische oder vegane Ernährung geeignet sind, nimmt weiter zu. In fast jedem Supermarkt finden sich außerdem Süßwaren, die gluten- oder laktosefrei oder auch halal bzw. koscher sind. Auch im Bereich der Knabberartikel gibt es nach Angaben des BDSI ein immer differenzierteres Angebot und eine große geschmackliche Auswahl – sei es an Nüssen, an frittierten oder auch an gebackenen salzigen Snacks. „Bei dieser großen Vielfalt findet jeder Verbraucher das für ihn passende Produkt“, sagt Erbrath. „Die Verpackung ebnet den Weg in den Einkaufswagen.“ Verpackungsdesigner stehen damit vor einer schwierigen Aufgabe: Sie müssen das Naschwerk mit pfiffigen Slogans nach Möglichkeit multimedial bekannt machen und im Regal mit auffälligen Farben und Formen in Szene setzen.

Allerdings gilt es, beim Ringen um Präsenz nicht zu übertreiben. Denn übermäßiger Einsatz von Material und damit Ressourcen kommen beim Verbraucher nicht gut an. „Die Kunden legen immer mehr Wert darauf, ihren ökologischen Fußabdruck möglichst klein zu halten. Außerdem haben sie einen starken Wunsch nach gesunden, ultra-frischen Lebensmitteln, die gleichzeitig extrem convenient und ästhetisch verpackt sein sollen“, sagt Andreas Steinle vom Zukunftsinstitut, einer Denkfabrik für Trend- und Zukunftsforschung. Doch nicht nur aus ökologischen, sondern auch aus Kostengründen sollte die Industrie auf allzu ausladende und aufwendig produzierte Verpackungen verzichten. Denn einerseits steigen die Preise für Rohstoffe wie Milch, Kakao und Zucker, anderseits werden Energie und Verpackungsmaterialien immer teurer.

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Um Verbraucher, die sich nachhaltig produzierte Waren wünschen, weiter an sich zu binden, und Material- und Fertigungskosten nicht ausufern zu lassen, hat die Industrie keine Alternative: Sie muss Material sparen und vor allem allzu ausladende Verpackungen vermeiden und zudem energiesparender produzieren. Dass das sogenannte Material-Down-Sizing möglich ist, zeigen Untersuchungen des internationalen Beratungsunternehmens pacproject. Es hat beispielhaft die historischen Verpackungen der bekannten Corny-Müsliriegel unter die Lupe genommen und festgestellt, dass die Barriere-Aluminiumfolie der Verpackung des Produkts in den vergangenen 30 Jahren stetig reduziert und schließlich durch einen neuen Barriere-Verbund substituiert wurde – ohne negative Auswirkungen auf das Produkt. „Auch ohne den vollen Barriereschutz befand sich der Corny-Riegel am Ende des Mindesthaltbarkeitsdatums qualitativ im sehr guten Bereich. Dies hat die Frage aufgeworfen, ob nicht auch die aktuellen Folien mehr Schutz und Barrieren bieten, als der Cerealien-Riegel eigentlich benötigt“, sagt pac­project-Verpackungsingenieur Alexander Witt.

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