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Prallplattenwaage So besteht eine Waage in der Salzproduktion

Autor / Redakteur: Ludger Henke, Kerstin Hiller / Sabine Mühlenkamp

Um als Waage in der Salzproduktion zu bestehen, ist besondere Robustheit gefragt. Die Waagen sind rund um die Uhr im Einsatz und werden durch das schleißende Produkt extrem beansprucht. Der Anwender entschied sich für Prallplattenwaagen, die jedoch noch mit einem besonderen Korrosionsschutz versehen wurden.

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Prallplattenwaage mit Ein- und Auslauftrichter und Probeentnahme-Öffnung
Prallplattenwaage mit Ein- und Auslauftrichter und Probeentnahme-Öffnung
(Bilder: MTS)

Salz ist ein wertvoller Rohstoff. In Deutschland wird Salz untertage in Form von Rohsalz gewonnen. Dieses Rohsalz, auch Kalisalz genannt, enthält eine Vielzahl an Mineralien wie Steinsalz, Kaliumchlorid und Magnesiumchlorid oder auch Kieserit. In verschiedenen Verfahren werden die Mineralien aus dem Gemenge heraus getrennt und zu hochwertigen Produkten aufbereitet. Neben dem bekannten Auftausalz werden so natürliche Düngemittel wie Kornkali oder der Golfplatzdünger Gazon gewonnen oder so hochreine Stoffe wie Bittersalz, die sogar den strengen Anforderungen der Pharmazie und der Lebensmittelindustrie gerecht werden. Salz verdient daher auch heute noch den Namen weißes Gold.

Die K+S Kali ist ein traditionsreiches deutsches Kalibergbau-Unternehmen und einer der weltweit führenden Kali- und Salz-Produzenten. Das Verbundwerk Werra mit seinen Standorten in Hessen und Thüringen ist das größte Werk der K+S Kali GmbH. Etwa 45 Prozent der gesamten Produktionskapazität der K+S Kali GmbH entfallen auf dieses Verbundwerk.

Am Standort Heringen werden in den verschiedenen Produktionslinien kontinuierlich arbeitende Waagen, darunter mehrere Prallplattenwaagen, zur Mengenerfassung und Zuordnung eingesetzt. Das Umfeld und auch das Fördergut selbst stellen an die Waagen hohe Anforderungen: Hohe Durchsatzleistungen bis zu 250 t/h, 24 h pro Tag, 7 Tage die Woche, erhöhte Material- und Umgebungstemperaturen sowie die stark schleißende Eigenschaft des Fördergutes beanspruchen Technik und Material in höchstem Maße.

Spezieller Verschleiß- und Korrosionsschutz

Daher stand die Erneuerung der vorhandenen Prallplattenwaagen in zwei Produktionslinien an. Den Zuschlag dafür erhielt die MTS Messtechnik Sauerland GmbH aus Olsberg. Der Auftrag umfasste nicht nur die Lieferung neuer Prallplattenwaagen mit speziellem Verschleiß- und Korrosionsschutz, sondern auch die Erneuerung der notwendigen Übergangstrichter am Ein- und Auslauf sowie die komplette Montage inklusive Demontage des vorhandenen Systems und natürlich die Inbetriebnahme der Waagensysteme.

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Durchlaufwaage als Alternative

Eine Alternative zu Prallplattenwaagen sind die Behälter-Durchlaufwaagen, die dann von Vorteil sind, wenn das Schüttgut relativ leicht ist oder die Verwiegung sehr genau oder sogar eichfähig sein soll, z.B. bei der Getreideannahme. Auch Behälter-Durchlaufwaagen werden so in den Prozessweg integriert, dass das Schüttgut im vertikalen Durchfluss verwogen wird. Allerdings stellt die besondere Konstruktion dieser Waagen sicher, dass das Schüttgut statisch im Wägebehälter verwogen wird. Währenddessen wird das Material kontinuierlich weiter zu gefördert und im Vorbehälter zwischengespeichert, bis der Wägezyklus beendet und der Wägebehälter entleert ist. Behälter-Durchlaufwaagen wie die Jeshopper-Waagen von MTS erzielen Messgenauigkeiten von bis zu 0,1% und sind damit eichfähig (Klassen 0,5 und 0,2 gemäß OIML R 107 für selbsttätige Waagen).

Die MTS-Prallplattenwaagen des Typs IPW wurden für diesen Auftrag noch technisch aufgerüstet. Der Waagen-Einlauf wurde aus verschleißfestem Stahl HB 400 gefertigt. Der sonst üblicherweise eingesetzte Verschleißschutz für die Prallpatte aus einem abriebfesten Kunststoff erwies sich als nicht ausreichend. Daher erhielten die Prallplatten eine Keramikbeschichtung, ebenso die Übergangstrichter. In einer Produktionslinie, der Kieserit-Linie, ist aufgrund des geförderten Materials eine erhöhte Korrosionsbeständigkeit erforderlich, sodass das Gehäuse der Waage wie auch die Übergangstrichter eine Sonderlackierung erhielten. Da die IPW-Prallplatten standardmäßig mit einer Edelstahl-Wägezelle ausgerüstet sind und auch die Wägemechanik komplett aus Edelstahl gefertigt ist, waren hier keine Änderungen notwendig.

Zur einfacheren Kontrolle der Messgenauigkeit wurden die Prallplattenwaagen jedoch zusätzlich mit einer statischen Abgleich-Prüfvorrichtung ausgerüstet. Die komplette Demontage der vorhandenen Prallplattenwaagen sowie die Installation der MTS-Waagen konnten in einer Betriebspause von den MTS-Technikern ausgeführt werden. Das umfasste neben dem sehr aufwändigen mechanischen Part auch den Austausch der bisherigen Wäge-Elektroniken. Jetzt wird das Auswertesystem Modweigh PPW eingesetzt, das über ein eigenes Bedien- und Anzeigemodul verfügt. Somit kann jederzeit direkt auf die Betriebsparameter der Waagen zugegriffen werden. Über die klassische Analogschnittstelle des Modweigh kommuniziert die Prallplattenwaage mit der vorhandenen PLS.

Fazit: Nach nunmehr einem Jahr Betriebszeit haben die Waagen insgesamt schon mehrere 100.000 Tonnen Kalisalz zuverlässig verwogen. Wägetechnik und der spezielle Verschleißschutz aus Keramik haben sich bewährt. Prallplattenwaagen sind ein sehr gut geeignetes Wägesystem, um weißes Gold zu verwiegen.

Schüttgut Dortmund: Halle 4, Stand E 08

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