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TAR-Projekte in der Prozessindustrie

So bereiten Sie komplexe TAR-Projekte richtig vor

| Autor / Redakteur: Dipl.-Ing. Sabine Mühlenkamp / Dr. Jörg Kempf

Bei der Vorbereitung von komplexen TAR-Projekten muss gut geplant, aber auch transparent nachverfolgt werden, wie weit die einzelnen Vorbereitungselemente umgesetzt wurden, um aktiv steuern zu können.
Bei der Vorbereitung von komplexen TAR-Projekten muss gut geplant, aber auch transparent nachverfolgt werden, wie weit die einzelnen Vorbereitungselemente umgesetzt wurden, um aktiv steuern zu können. (Bild: © Andrei Merkulov - stock.adobe.com)

Ein Auftrag, 32 Tage Zeit, 70.000 Vorgänge und fünf Millionen Detailinformationen – dies sind die Eckdaten eines gängigen TAR (Turnaround – Anlagenstillstand – Revision)-Projektes in der Prozessindustrie. Auch wenn sich angesichts der Fülle der Aufgaben der Eindruck aufdrängt, dass dies zwangsläufig mit Terminverzögerungen und Problemen einher geht, gibt es durchaus Methoden, um ein solches Großprojekt zu stemmen.

Gute Planung ist alles. Diese gängige Meinung würde Gert Müller, Partner bei T. A. Cook, keinesfalls so unterschreiben. Vielmehr muss bei der Vorbereitung von komplexen TAR-Projekten gut geplant, aber auch transparent nachverfolgt werden, wie weit die einzelnen Vorbereitungselemente umgesetzt wurden, um aktiv steuern zu können. Und genau damit tun sich viele Unternehmen schwer. „Die Vorbereitung für eine solche Revision, bei der Anlagen meist für mehrere Wochen abgefahren, gereinigt, inspiziert und repariert werden, beginnt in der Regel ein bis zwei Jahre vor der eigentlichen Revisionsdurchführung“, so Müller.

Die meisten Unternehmen sind sich der großen Aufgabe zwar bewusst und fangen früh mit der Vorbereitung an. Jedoch kommt es während der Vorbereitungsphase fast immer zu Verzögerungen. Der Arbeitsumfang wird zu spät erstellt, Vertragspartner werden nicht rechtzeitig vertraglich gebunden, die Arbeitsplanung verzögert sich, sodass die Erstellung eines optimierten Terminplans für die Revisionsdurchführung kaum noch möglich ist. Konsequenzen daraus sind eine unzureichende Vorbereitungsqualität, Überraschungen während der Revisionsdurchführung und ein erhöhtes Risiko, dass die Revision teurer wird und länger dauert als geplant.

„Dazu kommt Zweckoptimismus“, schmunzelt Müller. „Mit anderen Worten, wenn es auf die eigentliche Revision zuläuft, denken viele, dass sie das schon irgendwie hin bekommen.“ So positiv diese Einstellung ist – es erschwert eine reibungslose Durchführung eines Revisionsprojektes. Wenige Wochen vor Beginn des Großprojektes wandelt sich dann die entspannte Stimmung in vielen Abteilungen auf Alarmstufe Rot.

Wie erreicht man eine schnelle, sichere Revision?

Im Kern geht es darum, bei optimierten Kosten die Durchführungsdauer für ein TAR-Projekt so kurz wie möglich zu halten. „Im Zyklus mehrerer Jahre kann eine Anlage für einige Wochen nicht produzieren, das bedeutet – je kürzer eine Revision dauert, umso eher kann die Raffinerie, die Chemieanlage oder das Kraftwerk wieder ans Netz“, verweist Müller auf die Größenordnung. „In einer Raffinerie und in der Chemie ist schnell eine Million Euro Deckungsbeitrag pro Tag verpufft, in Gasaufbereitungsanlagen kommt schnell ein zweistelliger Millionenbetrag pro Tag zusammen.“

Typische Fehler, die später zu Verzögerungen führen, sind z.B. das Fehlen des richtigen Materials an dem Tag, an dem der Handwerker dieses während der Revision einbauen muss oder unvollständige Arbeitsmappen, die normalerweise Zeichnungen, die benötigten Werkzeuge und Dokumente sowie genaue Arbeitsanweisungen enthalten.

Eine weitere Schwachstelle sind zu spät durchgeführte Inspektionen vor Revisionsbeginn, z.B. Röntgenprüfungen von Rohrleitungen. „Solche Versäumnisse lassen sich auch durch ein Ärmel aufkrempeln in letzter Minute nicht mehr ausgleichen“, weiß Müller. Stellt beispielsweise das Inspektionsteam erst wenige Wochen vor der Revision fest, dass die Wanddicke einer Rohrleitung zu dünn ist, und ordnet den Austausch an, ist es fast immer zu spät. Maßgeschneiderte Rohrleitungen – womöglich noch in spezifischen Werkstoffen – liegen nun einmal nicht auf Lager.

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