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LIMS Sind LIM-Systeme zukunftssicher?

| Autor / Redakteur: David Leitham* und Johannes Lämmel** / Marc Platthaus

Die Produkte eines LIMS Anbieters müssen aktuellen Anforderungen entsprechen. Doch woran kann man erkennen, ob die LIM-Systeme auch zukünftigen Anforderungen gewachsen sind? Eine Richtlinie kann dabei helfen.

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Abb. 1 Gerade in der Pharmaindustrie müssen sich LIMS-Anbieter mit schnell wechselnden Unternehmensparametern auseinandersetzen.
Abb. 1 Gerade in der Pharmaindustrie müssen sich LIMS-Anbieter mit schnell wechselnden Unternehmensparametern auseinandersetzen.
( Archiv: Vogel Business Media )

Die meisten Käufer von hochentwickelten Labor-Informations- und Management-Sytemen (LIMS) haben ihre eigenen ausgeklügelten Methoden entwickelt, um zu beurteilen, welches System ihre Ansprüche am besten erfüllt. Hierzu werden die aktuellen Unternehmensanforderungen sorgfältig dokumentiert, gewichtet und mit den Funktionalitäten der heute auf dem Markt erhältlichen Lösungen verglichen. In Anbetracht der hohen Investition für ein LIM-System, und seiner wichtigen Position in den Unternehmensprozessen, muss aber auch berücksichtigt werden, ob sich eine langfristige Partnerschaft mit dem ausgewählten Anbieter rechnet. Dies erfordert nicht nur die Betrachtung der finanziellen Situation des Anbieters, sondern auch die Überlegung, wie gut sich dieser Anbieter auf die zukünftigen Bedürfnisse und Anforderungen des Kunden einstellen kann. Die Einschätzung, ob ein Anbieter den zukünftigen Anforderungen gewachsen ist und die Investition somit „zukunftssicher“ ist, ist leider alles andere als eine exakte Wissenschaft.

Schwere Zeiten für LIMS und Software

Was die reine Software betrifft, waren LIM-Systeme ursprünglich nichts weiter als hoch konfigurierbare Datenspeicher. Auf die Marktanforderung, dass die Systeme an die jeweiligen Prozesse der Käufer angepasst werden sollten, reagierten die Anbieter nicht mit Änderungen an ihrem Kern-Produkt, sondern verließen sich vielmehr auf konfigurierbare Funktionalitäten, die individuelle Einstellungen für kundenspezifische Anforderungen ermöglichten. Dieser Ansatz funktionierte zwar zunächst, brachte aber beträchtliche Nachteile mit sich. Eines der größten Probleme war, dass sich die Upgrades stark konfigurierter Systeme schwierig gestalteten. Infolgedessen waren die Kunden sehr zurückhaltend bei der Implementierung von Upgrades, was wiederum zur Stagnation bei Innovationen und zu hohen Preisen für neue Technologien in der LIMS-Branche beitrug. Dies ändert sich jedoch allmählich. Immer mehr LIMS-Kunden verstehen, dass es bei individuell angepasster Software leicht zu Problemen kommen kann, und sind daran interessiert, standardisierte Commercial-Off-the-Shelf-Produkte (COTS-Lösungen) einzusetzen.

Auf den ersten Blick scheint dies keine großen Auswirkungen für die Anbieter zu haben, da viele einfach eine „standardisierte Version“ ihrer aktuellen Produkte herausgeben können. Einer der Hauptaspekte zunehmender Standardisierung ist jedoch, dass Upgrades und die Integration neuer Innovationen wesentlich vereinfacht werden. Wenn keine benutzerdefinierten Einstellungen vorliegen, lässt sich neue Software leicht installieren. Auch die Validierung geht erheblich schneller vonstatten, da für standardisierte Produkte auch standardisierte Test-Scripts zur Verfügung gestellt werden können. Diese Entwicklungen werden den gesamten LIMS-Sektor völlig umgestalten. Es ist absehbar, dass er bald anderen IT-Bereichen ähneln wird, bei denen Innovationen und Veränderungen die Norm sind. LIMS-Anbieter werden zunehmend aufgrund ihrer Fähigkeit beurteilt, Innovationen zu integrieren und mit den wechselnden Anforderungen der Kundenbranchen Schritt zu halten.

Ein Technologieplan muss vorliegen und angepasst werden

Es ist die Aufgabe eines Anbieters, sich über die Zukunft von IT Gedanken zu machen. Die Hersteller sollten in der Lage sein, ihre Pläne für die Integration neuer Technologien wie .Net von Microsoft oder Java von Sun Microsystems zu erläutern. Er muss also einen Plan vorlegen können, wie die IT des Kunden auf dem neuesten Stand gehalten werden kann. Dieser Plan sollte berücksichtigen, welche Systeme beim Anbieter bereits vorhanden sind (ältere Technologien oder „liebgewonnene Codes“), wie er sich seine Zukunft vorstellt, und wie diese Vorstellung logisch zu realisieren ist. Darüber hinaus muss der Anbieter erklären können, welche Vorteile die angestrebten neuen Technologien für den Kunden haben werden.

Der Technologieplan ist ein wichtiger Faktor, um mit einem sich entwickelnden Umfeld Schritt zu halten. Sicherlich kann mit beinahe jeder Programmierplattform beinahe jedes System programmiert werden, doch bringt jede neue Generation von Programmierplattformen einen sprunghaften Anstieg der Entwickleraktivität mit sich und vereinfacht die Probleme, die die Anpassung komplexer Software birgt. Ein Anbieter, der sich von alten Technologien nicht trennen kann, wird immer im Nachteil gegenüber jenen sein, die neue Technologien anwenden.

Das bedeutet natürlich nicht, dass sich ein Anbieter blind auf jede neue Technologie stürzen sollte. Aber er sollte jede neue Strömung sorgfältig abwägen. Die Anwendung neuer Technologien kann für Anbieter und Kunden große Veränderungen mit sich bringen, daher sollte das Thema pragmatisch angegangen werden. Neue Technologien müssen einen klaren Vorteil für das Unternehmen des Kunden bringen. Überwiegt dieser Vorteil die Kosten der Implementierung, sollte die neue Technologie in den Technologieplan aufgenommen werden. Da sich der IT-Bereich ständig weiter entwickelt, muss auch der Technologieplan stets flexibel sein. Der Anbieter muss seinen Plan also nicht nur darlegen können, sondern er muss auch über die Mitarbeiter und die nötige Infrastruktur verfügen, um neue und sich verändernde Technologien ständig zu überprüfen und mögliche Auswirkungen auf seinen Plan zu erkennen.

Heute schon an die Zukunft des Unternehmens denken

Gute Software-Entwickler haben bei der Entwicklung neuer Software niemals nur die aktuellen Anforderungen im Sinn. Da sie wissen, dass die Anpassung komplexer Software ein großer Stolperstein ihrer Branche ist, überlegen sie bereits im Vorfeld, in welche Richtung sich die Software vermutlich entwickeln wird und integrieren die erforderliche Flexibilität. Diese Flexibilität ist nicht nur im Softwaredesign begründet, sondern bereits in den Prozessen, die zur Softwareentwicklung eingesetzt werden.

Vom designerischen Standpunkt aus gibt es zahlreiche bewährte Best-Practices, angefangen bei der Trennung der Businesslogik von der Benutzerschnittstelle und den Datenzugriffscodes in einem System bis hin zu den neuesten Trends der Software-Architektur. Ebenso wie bei den Technologien sollten Anbieter nicht einfach jeden neuen Ansatz übernehmen, sondern stets die neuesten Entwicklungen im Auge behalten, sie prüfen und gegebenenfalls in ihre Prozesse einfließen lassen.

Ein Designtrend ist das Architekturkonzept „Service Oriented Architecture“ (SOA). Bei diesem Ansatz werden Anwendungen aus lose gekoppelten „Services“ wie mit einem Baukasten zusammengesetzt. Jeder Service stellt eine Einheit der Businesslogik dar. Dies ist der neueste Trend in der Evolution des Distributed Computing, das bereits Technologien wie den „Remote Procedure Call“ (RPC), die „Common Object Request Broker Architecture“ (CORBA) und das „Distributed Common Object Model“ (DCOM) hervorgebracht hat. Das SOA-Konzept verbessert diese früheren Ansätze, indem der Schwerpunkt verstärkt auf Standardisierung und der lockeren Verbindung einzelner Services liegt. Viele große Software-Anbieter unterstützen die SOA, die der Kontrolle des World-Wide-Web-Konsortiums (W3C) unterliegt und sowohl von Sun als auch von Microsoft gefördert wird.

Der SOA-Ansatz stellt nicht nur eine deutliche Verbesserung des „Bauverfahrens“ komplexer Software dar, sondern könnte auch tiefgreifende Auswirkungen auf die Bereitstellung und Implementierung von Software nach sich ziehen. Ziel des SOA-Konzepts ist, dass die Anbieter einzelne Services bereitstellen, die sich leicht in bereits vorhandene Systeme innerhalb eines Unternehmens integrieren lassen. So können die Kunden mithilfe von standardisierten Services ganz genau diejenigen Funktionalitäten zusammenstellen, die sie wirklich benötigen. Dies ermöglicht auch ein selektives Aufrüsten ausgewählter Teile des Kundensystems, um die vorhandenen Anwendungen durch neue Features zu erweitern, ohne dass das gesamte System betroffen ist und neu validiert werden muss. In Anbetracht der Auswirkungen und der allgemeinen Unterstützung dieses Ansatzes sollte der LIMS-Anbieter zumindest in der Lage sein, seine eigene Ansicht hierzu darzulegen. Im Idealfall hätte der Anbieter bereits Pläne für die Übernahme der SOA-Designpraktiken. Zumindest sollten seine Produkte aber eine Schnittstelle für serviceorientiertes Design bieten.

Noch wichtiger als die verwendete Technologie ist bei der Softwareentwicklung der eingesetzte Entwicklungsprozess. Leider werden Innovationen bei den Prozessen zur Softwareentwicklung häufig zugunsten gerade im Trend liegender neuer Entwicklungs-Tools vernachlässigt. Dabei hat es auch in diesem Bereich signifikante Fortschritte gegeben, und der LIMS-Produzent sollte bestrebt sein, seine Prozesse ständig zu optimieren. Das etablierte, schrittweise Wasserfallmodell hat zwar seine Vorteile, ist jedoch notorisch schlecht an wechselnde Anforderungen anzupassen. Aus diesem Grund sind immer mehr iterative Entwicklungsverfahren entstanden.

Eines der vielversprechenderen iterativen Verfahren wird als „agile Softwareentwicklung“ bezeichnet. „Agil“ bezieht sich in diesem Fall auf Flexibilität, nicht notwendigerweise auf Geschwindigkeit, wobei Ergebnisse mit diesem Verfahren häufig auch schneller erzielt werden können. Agile Softwareentwicklung ist ein Oberbegriff für verschiedene Software-Entwicklungsmethoden, bei denen im Allgemeinen Iterationen innerhalb festgelegter Zeitfenster, adaptive Planung und evolutionäre Lieferung zum Einsatz kommen. Was die agile Softwareentwicklung im Vergleich zu anderen Entwicklungsverfahren so besonders macht, sind ständige Tests der Einheiten und der Integration. Bevor eine Codeeinheit geschrieben wird, wird zunächst der Code zum Testen dieser Einheit geschrieben. Das ist zwar zunächst aufwändig, legt aber das Fundament für zukünftige Flexibilität, indem jeder Aspekt des Systems an wechselnde Anforderungen angepasst werden kann. Diese Tests ermöglichen dabei die sofortige Prüfung der Auswirkungen einer Veränderung auf das Gesamtsystem. Ebenso wie bei den Technologien gilt natürlich auch hier, dass ein und derselbe Prozess nicht für alle Bereiche optimal sein kann. Der in Betracht gezogene Anbieter sollte sich jedoch nicht darauf verlassen, dass seine aktuellen Prozesse immer ausreichen werden, um mit den Veränderungen des Marktes Schritt zu halten. Er sollte zumindest in der Lage sein, die neuesten Softwaretrends zu erläutern und belegen können, dass seine Prozesse regelmäßig überprüft und aktualisiert werden. In Anbetracht der immer stärkeren Nachfrage nach standardisierten LIM-Systemen sollte der Anbieter dem Kunden bereits Commercial-off-the-Shelf-Produkte (COTS) bieten können, die seine Bedürfnisse auch ohne umfassende Konfigurationen erfüllen. Je weniger Konfiguration erforderlich ist, desto einfacher wird die Implementierung, Validierung und Aktualisierung des LIM-Systems.

*D. Leitham, Thermo Fisher Scientific, Norfolk/USA**J. Lämmel, Thermo Fisher Scientific, 63303 Dreieich

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