Containerüberwachung in explosionsgefährdeten Bereichen Sie können ihre Augen nicht überall haben: Wie Kameras Gefahrgutlager schützen

Autor / Redakteur: Horst Friedrich / Anke Geipel-Kern

Zwei Industrieunfälle im letzten Jahr haben drastisch vor Augen geführt, was passieren kann, wenn die Überwachung im Containerlager versagt. Der Einsatz von explosionsgeschützter Kameras und Videosystemen hilft auch weiträumige Areale und unzugängliche Ecken im Blick zu behalten. Brände haben so keine Chance sich auszubreiten.

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Im explosionsgefährdeten Bereich bietet R. Stahl für jede Applikation die richtige Kamera und das entsprechende, getestete CCTV-System.
Im explosionsgefährdeten Bereich bietet R. Stahl für jede Applikation die richtige Kamera und das entsprechende, getestete CCTV-System.
(Bild: R. Stahl)

Mit erschreckender Regelmäßigkeit führen eine unsachgemäße Lagerung von gefährlichen Chemikalien und mangelhafte Überwachung von Lagerstätten zu verheerenden Industrieunfällen. Im Juni 2020 verursachte in einer indischen Chemiefabrik die Explosion eines Containers mit giftigen Chemikalien eine Katastrophe, die acht Arbeiter tötete und 74 Menschen teils schwer verletzte. Die Feuerwehr brauchte fünf Stunden, um das Feuer unter Kontrolle zu bekommen.

Seminar: Risikoermittlung in der Anlagensicherheit

In unserem Seminar „Risikoermittlung in der Anlagensicherheit“ lernen Sie mit welchen Methoden die Risiko- und Gefährdungsermittlung bei Prozess- und Chemieanlagen erfolgen kann und welche Tools dazu geeignet sind. Anhand eines konkreten Beispiels der Risikoanalyse einer Betriebsvorlage (Behälter) wird mit den vorgestellten Tools unter Anwendung der Methode PAAG-/LOPA eine Risikoanalyse durchgeführt. Aufgrund der aktuellen Corona-Pandemie ist diese Veranstaltung auch als Live-Webinar buchbar.

Nur zwei Monate später wurde der schwere Unfall von den Ereignissen in Beirut weit übertroffen. Dort verwüstete die Explosion von Ammoniumnitrat-Containern große Teile der libanesischen Hauptstadt. Über 220 Menschen kamen ums Leben, ungezählte Stadtbewohner wurden schwerverletzt.

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Brisante Mischung - Chemikalien, Sauerstoff, Hitze und Funkenschlag

Beispiele die verdeutlichen, wie durch unkontrolliertes Zusammenwirken von Gefahrstoffen, Sauerstoff, Hitze oder Funkenschlag hohe Gefahr für Menschenleben und Assets entstehen. Nicht zuletzt deshalb zählen die Lagerung und Überwachung risikobehafteter Stoffe in explosionsgefährdeten Bereichen zu den wichtigsten Aufgaben der Anlagenbetreiber.

Besondere Vorsicht ist bei der Lagerung von Gefahrstoffen in Containern geboten. Denn Löscharbeiten bei Containerbränden gestalten sich aufgrund oft großer Lagermengen und der erschwerten Zugänglichkeit äußerst problematisch. Zudem ist in vielen Fällen mit einer erhöhten Gefahr von Folgebränden oder Mehrfachexplosionen zu rechnen.

Feuerwehren müssen bei solchen Einsatzfällen nicht nur alle Kapazitäten aufbieten und in hoher Personenanzahl einrücken, sondern auch über dezidierte Spezialkenntnisse für die Chemikalienbrand-Bekämpfung verfügen. Deswegen sind die Feuerwehren international äußerst sensibilisiert, wenn es um Brandeinsätze im Chemieumfeld geht – auch wenn es dort häufig zu Fehlalarmen kommt.

Als führender Hersteller von explosionsgeschützten Schaltgeräten, Überwachungssystemen und Netzwerkkomponenten, engagiert sich R. Stahl in dieser Thematik bereits seit vielen Jahren. Zur Überwachung von Containern, Behältern, Rohrleitungen und anderen potentiellen Brandherden entwickelt der Ex-Schutz-Spezialist kundenindividuelle CCTV-Systeme (Closed Circuit Television = Überwachungskameras), die flexibel an unterschiedliche Rahmenbedingungen und örtliche Gegebenheiten angepasst werden.

Dafür bietet der One-Stop-Supplier neben der Hardware alle Leistungen an, die für die Einrichtung moderner, sicherer Videoüberwachungs-Systeme grundlegend sind: diese reichen von der Konzeption und Projektierung über die Dokumentation, Anwenderschulungen bis hin zu Factory und Site Acceptance Tests (FAT bzw. SAT) sowie der Inbetriebnahme der Überwachungssysteme.

Gefahren erkennen, Fehlalarme vermeiden

Um bei der Containerüberwachung in explosionsgefährdeten Bereichen eine zuverlässige Detektion von Gefahrenquellen zu gewährleisten und zugleich kostenintensive Fehlalarme zu vermeiden, integrieren explosionsgeschützte IP-Thermalkameras jetzt eine getrennte Erkennung von Flammenbewegung und Temperatur.

Durch diese Funktion können die intelligenten Kameras genau unterscheiden, ob es sich „nur“ um eine Flammenbewegung handelt oder ob auch die Temperatur über das vorgegebene Limit steigt. Da herkömmliche Überwachungssysteme nicht diese Funktionalität hatten, musste die Feuerwehr in jedem Fall ausrücken, um vor Ort den Ernst der Lage einzuschätzen.

Pixelgenaue Gefahrenanalyse durch Thermalkameras

Das in den Kameras der Serie EC-840S-TIC verwendete Messmodul unterscheidet in der Videoaufnahme pixelgenau die verschiedenen Temperaturen. Erst bei Überschreitung vordefinierter Temperaturwerte wird der programmierte Alarmablauf ausgelöst. Die zuverlässigen Brand- und Warnmeldungen erhöhen die Überwachungssicherheit für explosionsgefährdete Bereiche – bei einer deutlichen Reduzierung von Fehlalarmen und den damit verbundenen Kosten. Darüber hinaus sind CCTV-Systeme mit Thermalkameras in der Lage, mit entsprechenden Wärmebildern sehr weiträumige Areale zu überwachen: abhängig vom Typ der Thermalkamera lassen sich Bereiche bis zu 650 m2 punktgenau überblicken.

Gesamtkonzept ist ausschlaggebend

Doch auch modernste Wärmebildkameras können alleine noch keine ausreichende Brandverhinderung gewährleisten. Erst das Zusammenspiel von explosionsgeschützten Kameras, ggf. industriellen Kameras und entsprechender Software stellen ein ausreichendes Maß an Prävention sicher. Beispielsweise werden in Chemie- und Pharmazieunternehmen Rohrleitungen, Transportwege sowie Be- und Entladestationen mit schnell schwenkbaren PTZ-Kameras (Pan/Tilt/Zoom) kontrolliert. Diese Ausführungen fahren alle Überwachungspunkte ab, die im Wächterrundgang festgelegt sind und können ausgewählte Orte in 0,2 Sekunden präzise fokussieren.

Werden bei den virtuellen Wächterrundgängen Bereiche erfasst, die für die Öffentlichkeit verborgen bleiben sollen, lassen sich diese mittels der „Dynamic Masking“-Funktion schwärzen. Dieses Unkenntlichmachen funktioniert dynamisch, sodass die festgelegten Bereiche unabhängig von den Dreh- und Fokussierbewegungen der Kamera stets geschwärzt bleiben. Aufgrund ihres großen Funktionsumfangs einschließlich der punktgenauen 360°-Drehung, der schellen präzisen Fokussierung sowie der hochwertigen Bildqualität und elektronischen Bildstabilisierung bewähren sich PTZ-Kameras heute in zahlreichen Anwendungen.

Auch um die Ecke gucken

In chemischen oder pharmazeutischen Anlagen gibt es viele Bereiche, die von Weitem schlecht einsehbar sind. In diesen Fällen eignen sich besonders AFZ-Kameras (Autofocus/Zoom) für die Raumüberwachung. Zur vollständigen Sicht-Abdeckung auch verstellter Zonen, empfiehlt sich eine fokusangrenzende Positionierung mehrerer Kameras, sodass jede Kamera eine Teilfunktion übernimmt und die Kameras in Summe ein vollständiges Gesamtbild der Örtlichkeiten liefern. Zur kontinuierlichen 24/7-Überwachung auch unter extremen Bedingungen sind die AFZ-Modelle – wie viele Kameras von R. Stahl – für den Temperaturbereich von -55° C bis + 65°C ausgelegt. Die nahezu für den weltweiten Einsatz zertifizierten Geräte widerstehen nicht nur starken Temperaturschwankungen, sondern auch Salznebel und Vibrationen.

Blick ins Innere: Schauglas-Kameras

Zur Behälter-Überwachung durch Schaugläser bietet der Hersteller spezielle Schauglas-Kameras, die sich genau auf das Schauglas aufsetzen lassen und mit ihrer hohen Lichtempfindlichkeit alle inneren Vorgänge in lichtstarken, eindeutigen Bildern zeigen. Kommt es im Prozess beispielsweise zum Aufschäumen des Mediums, gestattet die Bildübertragung direkt in den Kontrollraum eine viel schnellere Einleitung entsprechender Gegenmaßnahmen, als dies bei Wächterrundgängen möglich wäre.

Allsehendes Auge für Außenbereiche

Für die weiträumige 360°-Kontrolle explosionsgefährdeter Außenbereiche und kompletter Anlagenteile hat R. STAHL die Dome-Kamera der Baureihe EC-750 entwickelt. Ihr staubdichtes und tauchfähiges Edelstahl-Gehäuse eignet sich mit Schutzart IP68 zum Einsatz in rauen Umgebungen. Unter dem transparenten Dome-Fenster ermöglicht der Schwenk- und Neigekopf mit 18- oder 40-fachem optischen Zoom auch Nahaufnahmen und die Vergrößerung auffälliger bzw. gefahrenträchtiger Orte.

Ebenso lassen sich nicht zugelassene Mitarbeiter oder falsch abgestellte Waren sofort erkennen, um frühzeitig zu reagieren. Alle Informationen laufen in einer Videomanagement-Software wie z.B. Cayuga zusammen, die durch ihren Funktionsumfang hochprofessionelle Überwachungslösungen ermöglicht. Die modular erweiterbare Softwarelösung gestattet die Abbildung aller branchenspezifischen Komplexitäten.

Leistungsfähige Konzepte für die Alarmverwaltung gehören ebenso zum Standard wie einfach bedienbare Videoplayer, Konfigurationsassistenten und Analytics Interface zur Einbindung weiterer Analysesoftware. Ebenso können Drittsysteme für das Physical Security Information Management, Zutrittskontrollen sowie Einbruch- und Brandmeldeanlagen integriert werden.

* Der Autor ist Produktmanager bei R.Stahl

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