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Darf es etwas mehr sein? Sichere XXL-Lösung für die Schüttgutverladung

Autor / Redakteur: Martin Rudolf / Sabine Mühlenkamp

Überall dort, wo große Mengen an Schüttgütern bewegt werden, ist die Wunschliste an die Verladesysteme lang: Beim Fördern, Beladen, Transportieren, Filtern, Mischen soll es möglichst schnell gehen, idealerweise hocheffizient mit maximaler Sicherheit für Prozess und Mitarbeiter und ohne kosten- oder wartungsintensive Technik. Mit der richtigen Auslegung können Verladesysteme diese Anforderungen erfüllen.

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Verladesysteme lassen sich individuell an die spezifischen Anforderungen von Schüttgütern anpassen. Dabei sind Verladeleistungen von bis zu 1800 m³/h möglich.
Verladesysteme lassen sich individuell an die spezifischen Anforderungen von Schüttgütern anpassen. Dabei sind Verladeleistungen von bis zu 1800 m³/h möglich.
(Bild: WAM)

Für das Verladen in Silofahrzeuge, offene Lkw, Transportwagons oder Big Bags steht nur wenig Zeit zur Verfügung, denn Standzeiten kosten Geld. Dabei soll nicht nur schnell, sondern auch sauber verladen werden, ohne Materialverluste über Leckagen, schlechte Positionierung oder das Entweichen von Stäuben. Hier kommen Teleskopverlader oder Verladegarnituren als Schlüsseltechnik ins Spiel, die viele dieser Anforderungen erfüllen.

Stäube sorgen für hohe Kosten

Richtig teuer wird es, wenn Stäube Mitarbeiter, Umwelt oder Anlagen schädigen. Dabei sind sie als Unfallursache auf Gehwegen, Leitersprossen oder Griffen noch das kleinere Übel. Dauerhaft ausgesetzt können Stäube schwere Schäden an Herz- und Atemwegen auslösen. Dringen sie in Maschinen und sensible Technik ein, drohen Defekte bis hin zum Totalausfall. Leitende Stäube, wie sie in Schweißereien entstehen, waren bereits für Kurzschlüsse verantwortlich und sogar ungefährlich erscheinende Mehlstäube können Explosionen auslösen.

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Spagat zwischen sicher und schnell

Der Spagat zwischen einer staubfreien, sicheren Arbeitsumgebung und einer schnellen, effizienten Verladung gelingt, wenn Verladesystem, Schüttgut und Anwendung perfekt aufeinander abgestimmt sind. Der Verlade-Allrounder, der alles kann und immer passt, wird jedoch so gut wie immer eine Idee für den Wunschzettel bleiben. Denn hier sind Spezialisten gefragt. Wie auch schwierige Aufgaben gelöst werden können, zeigen die nachfolgenden Praxisbeispiele.

Premix aus der Kunststoffbranche

Bei der Vormischung eines Kunststoffgranulats handelt es sich um ein trockenes, sehr staubendes und feines pulveriges Material mit einem Schüttgewicht von 650 kg/m³. Es verhält sich nicht abrasiv, backt nicht an und ist somit sehr gut fließend. In dieser Anwendung soll das Produkt aus einem Silo mit einem Auslauf von 300 mm Durchmesser in Tankfahrzeuge und zum Teil auch in Big Bags verladen werden. Wam empfahl in diesem Fall einen Teleskopverlader in der Ausführung ZG mit doppelwandigem Balg, um die Stäube einfach abzuführen. Das Material fällt beim Verladen durch den inneren Balg, während die Stäube im äußeren Balg entweichen können. Für die Entstaubung ist eine zentrale Entstaubungsanlage vorgesehen, weshalb der Teleskopverlader mit einem Aspirationsanschluss ausgestattet ist. Innerer und äußerer Balg bestehen aus hypalonbeschichtetem Neopren, dass nicht nur sehr flexibel, sondern auch robust ist. Da für den Kunden die Produktreinheit von besonderer Bedeutung war und lackierter Normalstahl aus diesem Grund nicht in Frage kam, sind alle produktberührenden Teile in Edelstahl ausgeführt.

Um einen Staubaustritt auch zwischen Verlader und Tankfahrzeug zu unterbinden, besitzt der Teleskopverlader einen Aufsatzkonus, der den Verlader mit dem Dom des Tankfahrzeugs vollständig abschließt. Ist der Behälter vollständig gefüllt, stoppt der integrierte Füllstandsmelder die Verladung. Beim Hochfahren des Verladers über eine Elektrowinde, an der zwei Hubseile den Balg zusammenziehen, verhindert ein Verschlusskegel das Nachrieseln von Material und die Verunreinigung der Umgebung. In dieser Konfiguration ist eine Verladeleistung von bis zu 250 m³/h möglich.

Potentiell explosive Staubwolken bei Hopfenpellets

Die Pellets besitzen ein Schüttgewicht von 600 kg/m³ mit einem Durchmesser von 6−8 mm und einer Länge von 30−50 mm. Das Material ist mäßig abrasiv und leicht staubend. Bei besonders trockenen Chargen besteht immer die Gefahr, dass sich explosive Staubwolken bilden.

Die Hopfenpellets lagern in pneumatisch befüllten Silos, unter denen die Teleskopverlader vom Typ ZA an einem 300 mm Flansch montiert sind. Beladen werden Tankfahrzeuge und geschlossene wie offene Behälter. Mit dem Auslaufadapter, der mit Schnellverschlüssen am Handführungsring des Aufsatzkonus befestigt wird, ist ein Wechsel von geschlossener auf offene Verladung und umgekehrt in kürzester Zeit möglich. Der über fünf Meter lange Verladerüssel enthält neben einem inneren und einem äußeren Balg auch Stahltassen in Normalstahl für eine längere Standzeit. Die Elektrowinde mit 0,55 kW ist mit einem Spindelendschalter ausgestattet, der die Umdrehungen der Seiltrommel misst und den Verlader bei der gewünschten Position stoppt. Zur Sicherheit schaltet ein Schlaffseilkontakt zusätzlich den Motor beim Aufsetzen des Konus ab.

Für die Entstaubung sorgt ein integrierter Filter im Verladerkopf mit 10 qm Patronenfilter, der eine Luftmenge von 2400 m³/h verarbeiten kann. Die integrierte Lösung bietet den Vorteil, dass das abgefilterte Material nach der Abreinigung der Filterelemente wieder in den Balg fällt und im Verladeprozess verbleibt, während bei einem zentralen Entstaubungsanlage das Material an anderer Stelle gesammelt wird.

Die leicht entzündlichen Stäube erfordern eine Atex-Version des Verladeteleskops. Das beinhaltet die explosionsgeschützte Ausführung der Motoren, eine angepasste Steuerung und Bälge in leitfähigem Material.

Stark staubendes und abrasives Glasmehl

Glasmehl zählt wie Sand im Allgemeinen zu den stark staubenden und abrasiven Schüttgütern. Mit einer Korngröße von 0−1 mm und einem Schüttgewicht von 900−1000 kg/m³ handelt es sich hier um ein sehr feines Material, das sehr gute Fließeigenschaften besitzt.

Basis für die kundenspezifische Konfiguration ist ein Teleskopverlader vom Typ ZG zum Verladen freifließender Schüttgüter in Tankfahrzeuge und geschlossene Behälter. Entsprechend erhält der Auslauf einen Aufsatzkonus mit integriertem Verschlusskegel und Füllstandsmelder. Aufgrund der ausgeprägten Abrasivität des Glasmehls riet Wam zu einer Konfiguration mit Tassen aus Hardox im Innenbalg. Auch alle weiteren produktberührenden Teile wurden in Hardox ausgeführt. Bei dem vergleichsweise kurzen Rüssel mit einem Hub von 840 mm entschied sich der Kunde für eine Hubverstellung über eine Handseilwinde und Umlenkrolle. Die Verladeleistung beträgt bis zu 250 m³/h.

Verladung von gefrästem Asphaltbruch

Das Material besitzt eine Korngröße von ca. 100 mm mit einem Schüttgewicht von 1.300−1.800 kg/m³. Asphaltbruch ist abrasiv und mäßig staubend. In der Anwendung ist der Teleskopverlader vom Typ ZX über ein Förderband an einem 500 mm breiten Flansch angebunden. Dieser soll das frei fließende Schüttgut in mitunter sehr viel tiefer liegende Schiffe, offene Lkw oder Behälter befördern. Um diese recht unterschiedlichen Behälter zu bedienen, ist ein langer Balg mit 5.400 mm Hub und einer Gesamtlänge von 8.200 mm nötig. Um die Stäube trotz offener Verladung im Griff zu behalten, wurde neben einer Staubschürze für den Auslauf auch ein Aspirationsstutzen zum Anschluss an eine bauseitige Entstaubungsanlage vorgesehen. Wam tauschte den inneren Balg durch Stahltassen, die eine höhere Verschleißfestigkeit gegenüber dem abrasiven Asphaltbruch besitzen. Der Außenbalg besteht aus langlebigem hypalonbeschichteten Neopren. In dieser Konfiguration gewährleistet Wam eine Verladeleistung von 850m³/h.

Fazit: Dies sind nur einige Beispiel, wie sichere Verladesysteme entwickelt und installiert werden können. Auch für andere Schüttgüter, sind individuelle Lösungen möglich, selbst bei Verladeleistungen von bis zu 1.800 m³/h. Da darf es dann auch gerne mal etwas mehr sein.

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