Ex-Schutz Seminar für Sachverständige: Notwendige Anpassungen im Ex-Schutz

Autor / Redakteur: Dr. Hasso Drathen / Dr. Jörg Kempf

Die neue Atex-Richtlinie stand neben dem Erfahrungsaustausch im Mittelpunkt der Beiträge des Seminars für Sachverständige vom 2. bis 4. November 2011 in Gut Höhne in Mettmann. Seit nunmehr 31 Jahren ist diese Veranstaltung, gesponsert durch Cooper Crouse-Hinds, der Erfahrungsaustausch für Sachverständige auf dem Gebiet des Explosionsschutzes.

Firmen zum Thema

31. Seminar für Sachverständige vom 2. bis 4. November 2011 in Gut Höhne in Mettmann: Die 80 Teilnehmer kamen vor allem aus Deutschland, aber auch aus angrenzenden Ländern wie den Niederlanden, Belgien, Schweiz und aus Slowenien.
31. Seminar für Sachverständige vom 2. bis 4. November 2011 in Gut Höhne in Mettmann: Die 80 Teilnehmer kamen vor allem aus Deutschland, aber auch aus angrenzenden Ländern wie den Niederlanden, Belgien, Schweiz und aus Slowenien.
(Bild: Drathen)

Von Teilnehmern für Teilnehmer: Das Seminar für Sachverständige folgt nicht der für „Seminare“ üblichen Struktur der reinen Vorträge, sondern ist vor allen Dingen ein Erfahrungsaustausch. Das zeigt sich daran, dass umfassende und tagesaktuelle Informationen zum „praktischen“ und „politischen“ Explosionsschutz auf hohem Niveau und aus erster Hand präsentiert werden.

So sind neben praxisbezogenen Beiträgen der Anwender auch Beiträge von Mitarbeitern der Bundesministerien, Überwachungsbehörden und Prüfstellen ein wesentlicher Aspekt. Zusätzlich informieren die Obmänner der in Deutschland relevanten Normenkomitees über laufende Aktivitäten im Explosionsschutz auf nationaler, europäischer und internationaler Ebene.

Bildergalerie
Bildergalerie mit 13 Bildern

Schwerpunkt Atex-Richtlinie: Schon wieder alles ändern?

Schwerpunktthema der diesjährigen Veranstaltung war die neue Atex-Richtlinie. Als Außenstehender fragt man sich: „Muss das denn sein? Schon wieder alles ändern?“ Ja und Nein! Ziel des New Approach ist es, für alle Produkte, die unter die CE-Richtlinie fallen (Maschinenrichtlinie, Niederspannungsrichtlinie, Atex-Richtlinie, u.a.), und dazu zählen auch die Ex-Geräte, grundlegende Sicherheits- und Gesundheitsanforderungen zu formulieren.

Das beginnt mit der Kennzeichnung, beinhaltet die Normung, die Konformitätsbewertung und schließt auch die Marktüberwachung ein. Die Auswirkungen des New Legislative Framework auf den Ex-Schutz sind die Einführung des Ex-Zeichens als ein Europäisches Symbol für explosionsgeschützte Produkte. Bei den Sicherheits- und Gesundheitsanforderungen hat es keine Änderungen gegeben, und auch bei der Akkreditierung ist alles beim Alten geblieben.

Neu ist die Verordnung 765/2008 (EG) „Akkreditierung und Marktüberwachung“, die seit 1.1.2010 in Kraft ist. Für den Anwender beruhigend ist, dass sie auf bestehende Anlagen keine Auswirkungen hat, erfreulich ist, dass die Marktbeobachtung gestärkt wird.

Auch die Normung ist betroffen

Auch die Normung ist betroffen. Normen bilden den Stand der Technik (State of the Art) ab, d.h. die Normen müssen in geeigneten Abständen an den Erkenntnisgewinn angepasst werden. Aber auch hier wird nicht alles so heiß gegessen, wie es gekocht wird. Jede IEC-Norm hat ein „date of stability“. Bis zu diesem Zeitpunkt darf keine neue Norm veröffentlicht werden.

Gerade bei IEC TC31 hat man beschlossen, dass die wesentlichen Änderungen nicht nur benannt, sondern auch bewertet werden müssen: in die drei Kategorien a) kleinere und redaktionelle Änderungen, b) Ergänzungen, c) größere technische Änderungen. Die Geschwindigkeit der Normenänderung reduziert sich damit auf ein vernünftiges Maß.

Erfahrungen der Marktüberwachung

Erfahrungen der Marktüberwachung zeigen, dass bei den untersuchten Produkten erhebliche Mängel zutage getreten sind. So waren in:

  • 29% die Verweise auf Normen nicht korrekt,
  • 25% die Betriebsanleitung nicht in der Landessprache,
  • 13% Mängel bei den Angaben zur Kennzeichnung,
  • 9% Mängel bei der Normenanwendung,
  • 9% mangelhafte Angaben zu Betriebsparametern gemacht,
  • 9% Mängel beim Hinweisen zum Betrieb und
  • 7% die Herstellerangaben mangelhaft.

Das zeigt, dass die Qualität vieler Produkte noch nicht zufriedenstellend ist und dringender Handlungsbedarf besteht. Ziel einer gemeinsamen Aktion der Behörden war es deshalb, die Untersuchung der formalen Übereinstimmung von Atex-„Equipment“ mit den Anforderungen der Richtlinie, ob sie den Sicherheits- und Gesundheitsanforderungen des Anhangs II der Atex-Richtlinie entsprechen und insbesondere, ob die Kennzeichnung der Konformitätserklärung und die Betriebsanweisung ordnungsgemäß ist, auszuweiten.

Die Mitgliedstaaten der Europäischen Gemeinschaft

  • organisieren und führen aus diesem Grunde eine Marktüberwachung im Einklang mit der Verordnung durch,
  • informieren die Öffentlichkeit über die Existenz und Zuständigkeiten,
  • etablieren Strukturen für die Kommunikation zwischen den Marktüberwachungsbehörden,
  • stellen ausreichend qualifiziertes Personal bereit,
  • stellen Marktüberwachungsprogramme auf und
  • gewährleisten eine effiziente Zusammenarbeit auf nationaler und europäischer Ebene

Als Konsequenz der neuen Atex-Richtlinie ist auch das Produktsicherheitsgesetz in Überarbeitung. So wird das Bereitstellen von Einrichtungen deutlicher gefasst, eine Klarstellung des Anwendungsbereichs erfolgen sowie die Marktüberwachung behördlich geregelt, um eine Erhöhung des Sicherheitsniveaus und einen fairen Wettbewerb zu erreichen.

* Der Autor ist freier Mitarbeiter bei PROCESS.

(ID:30440740)