MES Schubert entwickelt neues MES für Pharma- und Foodindustrie

Redakteur: Anke Geipel-Kern

Fortschritt ist beim Verpackungsspezialisten Schubert traditionell softwaregetrieben. Jetzt arbeitet das Unternehmen mit Hochdruck an einem Manufacturing Execution System (MES). PROCESS PharmaTEC sprach mit Diplom-Informatiker und Chefentwickler Ralf Schubert.

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PROCESS PharmaTEC: Herr Schubert, welche Erfahrungen machen Sie als Maschinenbauer: Wie weit ist die Lebensmittel- und Pharmaindustrie mit der horizontalen und vertikalen Integration ihrer Prozesse?

Ralf Schubert: Wir stellen im Jahr rund 150 Anlagen auf. Und dabei sehen wir, was in den Betrieben an MES vorhanden ist, und das ist wenig, auch in der Pharmaindustrie. Es bleibt meistens bei Teilfunktionen, die mal mehr, mal weniger an die ERP oder PPS-Ebene angeschlossen sind. Eine regelrechte Verbindung von der Feldebene zur Unternehmensebene fehlt. Obwohl unsere TLM-Maschinen mit den nötigen Schnittstellen ausgerüstet sind, kommt es nur höchst selten vor, dass sie an ein MES-System angeschlossen werden. Im Food-Bereich gibt es manchmal ein Betriebsdatenerfassungssystem, aber das hat nicht viel mit MES zu tun. Maschinenstillstände werden zwar erfasst, aber mehr als einmal habe ich fehlerhafte Auswertungen erlebt, die dann zu falschen Schlussfolgerungen geführt haben.

PROCESS PharmaTEC: Woran liegt diese Zurückhaltung bei der Umsetzung von MES Ihrer Meinung nach?

Schubert: Je nach Produktionsverfahren ist es aufwendig, alle Komponenten der Anlage unter einem System zusammenzufassen. Selbst als Teillösung ist MES eine Herausforderung. Denn der Kunde muss mitarbeiten. Das ist wie bei ERP, das gibt es nicht als Produkt von der Stange. Weil es keine zwei Firmen gibt, bei denen die Prozesse gleich ablaufen. Beim Thema Softwareausstattung spielen außerdem negative Erfahrungen eine Rolle. Es gibt zu viele schlechte Berater. Also irgendwo sind die Leute vorsichtig.

PROCESS PharmaTEC: Hinter der Entwicklung steckt ein enormer Aufwand. Wie können Sie das stemmen? Und vor allem: Lohnt sich das für Schubert?

Schubert: Diese Frage wurde uns auch gestellt, als wir unsere Steuerung VMS entwickelt haben, es hatte kritische Kommentare gegeben – und siehe da, sie hat uns ganz nach vorne gebracht. Im Grunde ist MES eine Fortsetzung dessen, was wir schon immer machen, nämlich mit Software dafür sorgen, dass Prozesse auf höchstem Qualitätsniveau ablaufen und dabei so einfach und so flexibel wie möglich sind. Der Mensch muss immer seltener eingreifen. Bei unseren TLM-Maschinen steht der automatische Werkzeugwechsel bevor. Diesen Weg setzen wir jetzt bei den Prozessen fort, die unseren Maschinen vor- und nachgelagert sind. Damit sind wir dem Wettbewerb wieder ein Stück voraus.

PROCESS PharmaTEC: Im Pharma-Bereich ist die Bereitschaft für Investitionen in die Qualitätsüberwachung sicherlich gegeben. Aber wie schätzen Sie die Chancen im Foodsektor ein?

Schubert: Tendenz steigend. Das Qualitätsmonitoring ist das Ergebnis einer Studie, die wir für einen Süßwarenhersteller gemacht haben. In der Branche wächst die Erkenntnis, dass es sich lohnt, da etwas zu tun. Denn wie ist es heute? In der Produktion gibt es kaum mehr Leute. Erst an der Verpackungsanlage steht Bedienpersonal. Wenn irgendetwas schief läuft und z.B. die Kekse plötzlich nicht mehr gut sind, dann vergehen vielleicht 20 Minuten bis sie bei der Pickerlinie ankommen und jemand „Alarm schlägt“. Das Monitoring greift früher. Das Zweite ist, die Hersteller wissen oft nicht, wo die Schwachstellen liegen. Der Schichtleiter meldet nur, wie viel am Ende rausfällt. Aber die Information, wie viele Kekse aus welchem Grund verloren gehen, die hat er nicht. Wir können jetzt dank des Anlagenleitstandes sagen: von drei Prozent Verlusten war ein Prozent der Kekse zu groß, zwei Prozent lagen zu dicht zusammen.

PROCESS PharmaTEC: Wie weit sind sie mit diesem Projekt?

Schubert: Wir haben die Softwarearchitektur, das ist die Basis und die steht. Im Datenbankmodell sind alle Funktionen und Elemente abgebildet, die wir als Aufgabe des MES sehen. Wenn die Kundenwünsche kommen, programmieren wir entlang der konkreten Aufträge. Was wir schon fertig gestellt haben, ist unser Leitstand für Verpackungsanlagen. Der war, wenn Sie so wollen, einer der Auslöser für das MES. In der Vergangenheit hatten vor allem immer unsere Pharmaanlagen zu viele Bedienterminals, was die Bediener belastet hat. Unsere Pharmakunden brauchen außerdem immer einen Leitstand. Früher haben wir den zugekauft, jetzt bieten wir ein eigenes Produkt. Eine Besonderheit bei uns ist, dass wir schon ein Qualitätsmonitoring integriert haben, d.h. Daten über den Prozess und die Qualität werden laufend erfasst, ausgewertet und auch archiviert. Wir können z.B. Scanner in der Herstellung aufstellen und sie mit dem Leitstand verbinden. Wenn die Qualität nach unten geht, setzt das System frühzeitig eine Warnung ab. Wenn Sie wollen, auf Ihr Handy. Dabei hatten wir den Vorteil, dass wir für unsere Pickerlinien bereits ein Vision-System haben, das einmalig ist am Markt. Unser Auflichtscanner arbeitet auf einer Breite bis zu 160 Zentimter parallaxenfrei. Die Tiefenschärfe liegt bei 125 Millimeter und die Aufnahmequalität erreicht 2000 Bildpunkte pro 200 Millimeter.

PROCESS PharmaTEC: Und wie geht es weiter mit dem MES-System made by Schubert?

Schubert: Wir entwickeln das System über die Aufgaben, die man uns stellt. Sonst denken wir uns etwas aus, was am Markt nicht gefragt ist. Unser Kunde muss selber mit entwickeln und mitarbeiten. Die Überzeugung muss da sein, dass man viel Geld sparen kann, dass man mehr verdienen kann, wenn man sich gut organisiert. Je besser die Zusammenarbeit Kunde/Schubert ist, umso besser ist das Resultat. Wenn Sie wissen, was Sie wollen, dann ist Schubert der richtige Partner, um ihre Effizienz zu steigern. Wir arbeiten übrigens bereits an konkreten Aufträgen und die erste Verpackungslinie mit Leitstand steht kurz vor der Lieferung. Sie wurde von unserer Tochterfirma IPS projektiert. Der Kunde ist ein Arzneimittelhersteller in den USA. Außerdem haben wir erste Anfragen, bestehende Anlagen nachzurüsten.

PROCESS PharmaTEC: Liefern sie auch MES, wenn keine Schubert-Maschine im Spiel ist?

Schubert: Selbstverständlich. Nur, wenn eine Schubert Maschine im Spiel ist, ist es einfacher, weil unsere Maschine schon die Schnittstelle bietet. Ohne diese Voraussetzung muss man an der Maschine Veränderungen vornehmen, die bei Schubert heute schon längst Standard sind.

Herr Schubert, vielen Dank für das Gespräch.

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