Neue Atex Richtlinie im Fokus Schöne neue Atex-Welt? Was Bringt die Richtlinie 2016/34/EU?

Autor / Redakteur: Dominik Stephan* / Dominik Stephan

Seit April 2016 ist die neue Atex-Richtlinie in Kraft – Doch was bedeutet die neue Regelung konkret für Komponentenhersteller und Anlagenbetreiber? Wer ist von der neuen Richtlinie betroffen und wo können Apparatebauer Unterstützung bei der Umsetzung bekommen? Ein Überblick …

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(Bild: gemeinfrei / CC0 )

Alles neu macht – der April: Seit dem 20. April 2016 ist der Explosionsschutz in Europa neu geregelt. Die Atex-Richtlinie 2016/34/EU soll Schutzmaßnahmen und Regelungen in Europa vereinheitlichen und an andere EU-Harmonisierungsrechtsbeschlüsse angleichen. Dabei wollen die Verantwortlichen aber keine Abstriche in Sachen Sicherheit machen: Die grundlegenden Sicherheits- und Gesundheitsanforderungen der alten Atex-Richtlinie sowie die Anforderungen an Konformitätsbewertungsverfahren blieben unverändert, erklären die Autoren.

Trotzdem ist die existierende Richtlinie 94/9/EG damit unwirksam – Zertifikate entsprechend der Altregelung bleiben jedoch auch in Zukunft gültig (siehe Kasten). Damit können Produkte, die bereits vor April am Markt erhältlich waren auch weiterhin mit der Konformitätserklärung nach Richtlinie 94/9/EG vertrieben werden, so die Bundesanstalt für Materialforschung, was es z.B. erlaubt, Lagerbestände von Altprodukten weiter zu verkaufen.

Wen betreffen die neuen Regelungen?

Eine ähnliche Reglung gilt anlog für Importe: Wurde ein Produkt bereits vor dem 20.04.2016 in die EU importiert, gilt es entsprechend der alten Atex-Richtlinie als eingeführt, auch wenn es noch beim Händler oder Distributor eingelagert ist.

Importe, die nach diesem Stichtag in die EU gebracht werden, müssen hingegen der neu gefassten Regelung entsprechen – das betrifft unter Umständen auch Produkte und Geräte, die noch in Herstellerlager, Häfen oder beim Zoll auf ihre Einfuhr warten.

Daraus wird schnell klar, wer alles von der neuen Atex-Richtlinie betroffen ist: In erster Linie Hersteller in der EU beziehungsweise Importeure von Geräten, Gütern und Maschinen.

Die Richtlinie erfasst dabei folgende für den Anlagenbau relevanten Produktkategorien:

  • Geräte: Maschinen, Betriebsmittel, Vorrichtungen, Steuerungs- und Ausrüstungsteile
  • Schutzsysteme: Explosionsschutz, -unterdrückungs oder- entlastungssysteme sowie andere Komponenten des konstruktiven Ex-Schutzes
  • Komponenten: Für den sicheren Betrieb von Geräten und Schutzsystemen erforderliche Komponenten

Diese müssen so konstruiert sein, dass es nicht zur Zündung einer explosionsfähigen Atmosphäre (durch Stäube oder brennbare Gase) kommen kann oder dass sie die Auswirkungen einer Explosion eindämmen helfen. Ebenfalls neu ist die verpflichtende Risikoanalyse und Zündgefahrenbewertung für Geräte nach der neuer Atex-Richtlinie durch den Hersteller.

Bei der Auslegung solcher Ex-Schutz-Geräte können Kom­ponentenhersteller auf die Hilfe der Zertifizierungsstellen wie der unterschiedlichen TÜV oder Dekra-Gruppen zurückgreifen.

Neue Rollen, neue Pflichten: Vom Betreiber zum Hersteller

Während sich dabei für Hersteller explosionsgeschützter Maschinen und Komponenten (mit Ausnahme der Risikoanlayse) also nur wenig ändert, können Anwender, Importeure und Händler durch die neuen Regelungen von der Richtlinie betroffen sein und entsprechende Pflichten erhalten. So gilt als „Bereitstellung auf dem Markt“ nicht mehr nur der Vertrieb oder die Verwendung neuer Produkte.

Schuld ist der in der neuen Regelung sehr weit gefasste Herstellerbegriff: Hersteller sind im Sinne der Richtlinie nicht nur Firmen und Personen, die Geräte entwickeln und vertreiben, sondern auch Anlagenbetreiber, die Komponenten für den Ex-Schutzbereich im eigenen Betrieb selbst herstellen oder entsprechend modifizieren – auch solche „Eigengewächse“ fallen un­ter die Atex-Richtlinie und müssen entsprechend zertifiziert werden.

Dies gilt ebenfalls, wenn eine Modifikation die Integrität der Zündschutzart betrifft. Da in diesem Fall keine „Markteinführung erfolgt“, gilt als Zeitpunkt des Inverkehrbringens die Inbetriebnahme.

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