MDI-Produktion Schock für Tarragona – Covestro schließt MDI-Anlage

Redakteur: Anke Geipel-Kern

Covestro nimmt seine MDI-Produktionsanlagen unter die Lupe. Was nicht mehr konkurrenzfähig ist, wird geschlossen. Erstes Opfer ist die MDI-Anlage im spanischen Tarragona.

Firma zum Thema

Auch in Krefeld betreibt Covestro eine MDI-Anlage.
Auch in Krefeld betreibt Covestro eine MDI-Anlage.
(Bild: Covestro)

Angesichts der Überkapazitäten auf dem Weltmarkt und neuer asiatischer Wettbewerber hat Covestro seine MDI-Produktionen in Europa einer Standortanalyse unterzogen, die jetzt abgeschlossen ist, wie der Konzern mitteilt. Den jetzt vom Aufsichtsrat genehmigten Schließungsplänen fällt der Standort Tarragona zum Opfer, wodurch 170 000 Tonnen maximale Jahreskapazität wegfallen und vorausichtlich 120 Mitarbeiter ihren Job verlieren.

Als Gründe nennt der Konzern, die nicht mehr wettbewerbsfähigen Produktionskosten. Covestro erwartet, dass die Chlorversorgung am Standort im Vergleich zu anderen Standorten in Zukunft zu teuer wird, um eine konkurrenzfähige Produktion zu ermöglichen. Chlor ist bei der Herstellung von MDI eine wichtige Schlüsselchemikalie und ein Grundstoff, dessen Erzeugung extrem viel Strom verbraucht.

Strategie zur Kostensenkung

Die kontinuierliche Optimierung der Produktion weltweit bezeichnet Covestro als wichtigen Teil seiner Strategie. Ziel sei es, im Vergleich mit dem Wettbewerb die effizientesten Anlagen zu betreiben, was zum Überleben notwendig ist, denn Überkapazitäten und Rohstoffpreise drücken auf die Margen.

Laut Meldung sollen in Tarragona das Polyurethan-Systemhaus, die Salzsäure-Logistik sowie Infrastruktureinrichtungen, bestehen bleiben, die den anderen Firmen im Chemiepark weiterhin zur Verfügung stehen.

Um die Konkurrenzfähigkeit der MDI-Produktion in Europa langfristig sicherzustellen, hat Covestro verschiedene Optionen geprüft und sich dafür entschieden, direkt in seine strategischen Kernprodukte, die Isocyanate, zu investieren und voraussichtlich die Produktion an einem anderen europäischen Standort auszubauen, an dem bereits eine zuverlässige moderne Chlorversorgung besteht.

Schmerzlicher Schritt aber neue Perspektiven

Dr. Joachim Wolff, Leiter der Business Unit Polyurethanes bei Covestro bezeichnet die geplante Schließung der MDI-Anlage in Tarragona als einen schmerzlichen Schritt. Man sehe aber den möglichen Aufbau eines HCl Logistik Hubs – also eines Salzsäure-Logistikzentrums – gute Chancen, die Geschäftsbeziehungen im Salzsäuremarkt Spaniens fortzuführen. Salzsäure kommt beispielsweise bei der Aufarbeitung von Erzen und in der Metallverarbeitung sowie bei der Wasseraufbereitung zum Einsatz.

Die möglichen neuen Perspektiven stellt auch Jesus Loma-Ossorio, Covestro-Landeschef in Spanien und Portugal, in den Vordergrund: „Der Standort Tarragona bleibt erhalten und ist für neue Ansiedlungen attraktiv.

Mit unseren zwei Standorten in Tarragona und Barcelona bleibt Covestro ein wichtiges Unternehmen in der spanischen Chemieindustrie. An erster Stelle steht aber die Aufgabe, den anstehenden Personalabbau im Einklang mit den hierfür vorgesehenen Verfahren so sozialverträglich wie möglich zu gestalten.“

MDI ist eine wichtige Komponente zur Herstellung von Polyurethan-Hartschaum. Dieser wird zur effektiven Wärmedämmung von Gebäuden und in der gesamten Kühlkette eingesetzt. Die erzielten Energieeinsparungen führen zur Senkung der CO2-Emissionen. Ferner sorgen Anwendungen im modernen Fahrzeugbau für mehr Sicherheit.

(ID:43768393)