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Energiewende

Schaden die Energiewendepläne dem Chemiestandort Deutschland?

| Redakteur: Anke Geipel-Kern

Auch die GuD-Anlage im Industriepark Höchst wäre von Gabriels Plänen betroffen.
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Auch die GuD-Anlage im Industriepark Höchst wäre von Gabriels Plänen betroffen. (Bild: Infraserv Höchst)

Die Pläne des neuen Energieministers Sigmar Gabriel versetzen die Chemiebranche in Aufruhr. Sie bangt um die Rentabilität ihrer Kraftwerke und läuft Sturm gegen zusätzliche Kosten in Millionenhöhe. Was ist dran an den Befürchtungen? PROCESS hat nach geforscht.

Es ist nur ein kleiner Absatz ganz am Ende des 13 Seiten umfassenden Eckpunkte-Papiers zur EEG-Reform, das Energieminister Sigmar Gabriel im Januar dem Kabinett vorlegte. Doch dieser reicht aus, um die Verantwortlichen der deutschen Chemie auf die Barrikaden zu bringen. Wird tatsächlich umgesetzt, was hier steht, fällt das Eigenstromprivileg, das für die Stromerzeugung durch Kraft-Wärme-Kopplungs-Anlagen (KWK) gilt und der deutschen Chemie jedes Jahr viele Millionen Euro spart.

Papier ist geduldig

Worum geht es in dem Papier? Bisher galt: Wer Strom erzeugt und diesen dann selbst nutzt, brauchte bislang keine EEG-Umlage bezahlen. Nach dem Willen Gabriels soll sich das jetzt ändern. Die Lasten der Energiewende sollen künftig auf mehr Schultern verteilt werden und deshalb auch die bisher glimpflich davon gekommenen Energieintensiven Industrien stärker mit einbeziehen.

Und was sehen die Pläne vor? Energie aus neuen Anlagen der Industrie soll künftig mit 90 Prozent der Umlage belastet werden. Auf Strom aus Kraftwerken auf Basis erneuerbarer Energien und Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen wird 70 Prozent fällig. KWK-Altanlagen werden mit einem Cent je Kilowattstunde belastet. Altanlagen zur Erzeugung regenerativer Energien bleiben hingegen umlagefrei.

Für die betroffenen Unternehmen könnte das unter Umständen teuer werden, denn Kraft-Wärme-Kopplung ist die bevorzugte Kraftwerkstechnik vor allem an deutschen Chemiestandorten, wie das Beispiel BASF verdeutlicht.

Energiewende kann Wachstum und Arbeitsplätze fördern

IHS-Studie zur Energiewende

Energiewende kann Wachstum und Arbeitsplätze fördern

09.10.13 - Der Verband der Chemischen Industrie (VCI) hat eine neue Weichenstellung in der Energiepolitik gefordert, um die Wettbewerbsfähigkeit des Industrielands Deutschland zu erhalten. VCI-Präsident Karl-Ludwig Kley präsentierte in Berlin eine aktuelle Studie des US-Informationsunternehmens IHS, nach der Deutschland bis 2030 ein massiver Verlust an Wirtschaftskraft und eine negative Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt drohen. Die Studie von IHS ist gemeinsam von mehreren Unternehmen und Verbänden, darunter dem VCI, finanziert worden. lesen

70 % des Strombedarfs deckt der Chemieriese mit Kraft-Wärmekopplungs-Anlagen und erzeugt damit auch seinen Prozessdampf. Laut Standortbericht verbrauchten die Anlagen in Ludwigshafen 8,6 Millionen Tonnen Prozessdampf. Weltweit setzt der Konzern 20 Gas- und Dampfturbinen-Kraftwerke ein, allein am Standort Ludwigshafen stehen zwei dieser Anlagen (Süd und Mitte). Seit der Inbetriebnahme 1997 bzw. 2005, braucht der Verbundstandort in Ludwigshafen so gut wie keinen Strom aus dem öffentlichen Netz abzuzapfen. Und das, trotz des gigantischen Verbrauchs von 6,1 Millionen MWh Strom (2011: 6,3 Millionen MWh) im Jahr 2012.

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