Norddeutschland SPECIAL Runde 130 Jahre

Redakteur: Redaktion PROCESS

Tablettenbruch und Elektronikschrott, Pektin und Ammoniumnitrat – vielfältige Anforderungen stellt die chemische Industrie an die Mahlwerke von Kahl. Dass in der Nähe des Güterumschlagplatzes Hafen aber auch besser duftende Stoffe wie Kaffee dazu gehören, versteht sich fast von selbst. Der folgende Beitrag gibt einen Einblick in das Leistungsspektrum des Traditionsunternehmens.

( Archiv: Vogel Business Media )

Tablettenbruch und Elektronikschrott, Pektin und Ammoniumnitrat – vielfältige Anforderungen stellt die chemische Industrie an die Mahlwerke von Kahl. Dass in der Nähe des Güterumschlagplatzes Hafen aber auch besser duftende Stoffe wie Kaffee dazu gehören, versteht sich fast von selbst. Der folgende Beitrag gibt einen Einblick in das Leistungsspektrum des Traditionsunternehmens.

Mechanische Verfahrenstechnik gehört zu den ältesten Techniken überhaupt. Im Zeitraster von Menschenaltern betrachtet, sind die Anlagen und Maschinen von Amandus Kahl dann doch eher jung. Fokussiert auf die Industrialisierung sind die Norddeutschen allerdings „von der ersten Minute an“ dabei gewesen, wenn es um Mahlen und Konditionieren geht. Schließlich legte das Patent 1876 für eine Müllereimaschine den Grundstein für das Unternehmen.

Heute zählen Extruder für die Nahrungsmittel- und Tierfutterindustrie zu den wichtigen Kompetenzen. Die Pellets können dabei vielfältige Formen und somit unterschiedliche Löse- und Sinkeigenschaften annehmen. Ebenfalls in der Lebensmittelindustrie tummeln sich die beiden Tochterfirmen Schule und Wachtel. Schule baut beispielsweise Reisbearbeitungsanlagen im großen Stil:

Mit 7,5 t/h Eingangsleistung einer Reismühle oder 6 t/h Ausgangsleistung einer Parboilinganlage oder Nebenanlagen wie Vorreinigung, Siloanlagen, Hülsenabtransport, Hülsenverbrennungsanlagen, Dampfanlagen, Schleifmehlabtransport, Verpackung und schließlich Lagerung der Fertigprodukte ist man einer der großen in diesem Markt.

Mahlwerke für die Chemie

Ist von Neuhaus Neotec, einer weiteren Kahl-Tochter, die Rede, steigen den Beteiligten automatisch Kaffee-Gerüche in die Nase: Seit mehr als 40 Jahren liefert dieses Unternehmen Anlagen für das Kaffee-Rohhandling von der Annahme des Rohkaffees, bis zur Förderung, Lagerung, Mischung, Verwiegung und Reinigung. Aber auch in der weniger gut duftenden Chemie werden Mahlwerke aus Reinbek eingesetzt – meist, wenn ein Produkt mit möglichst enger Partikelgrößenverteilung entstehen soll. Staub – und die damit verbundene Absiebung und Wiederaufbereitung – wird weitgehend durch den Einsatz des Chemiemahlwerks WMC vermieden.

Dies wird durch eine kontinuierliche Druck-/Schub-Beanspruchung und dem Zusammenwirken zweier Riffelwalzen mit einem definierten Walzenspalt erreicht. Die steigende Nachfrage nach Holzpellets zur Befeuerung privater und indust-rieller Verbrennungsöfen löste den jüngsten Boom im Hause Amandus Kahl aus: Holz, Stroh, aber auch Alfalfa oder Zuckerrohr lassen sich mit der Flachmatritzenpresse verarbeiten. Dieses System macht auch einen deutlichen Anteil des 20-prozentigen Non-Food-Umsatzbereiches der Firma Kahl aus.

So werden mit den Pressen auf der einen Seite sehr kleine Mengen in der Pharmaindustrie, aber auch große Mengen im Recycling wie Klärschlamm oder Reifen verpresst – und das durchaus allgemein gültig. So kann fast jeder Stoff, der zwischen 40 und 110 °C verarbeitbar ist, in die Pelletform überführt werden. Genauere Auskunft, ob ein Stoff verarbeitet werden kann oder nicht, gibt die Datenbank, in der schon mehr als 500 Produkte samt Testbericht enthalten sind.

Kontinuität ist wichtig

Eine derartige Datenbank aufzubauen, ist nicht selbstverständlich. So sind Forschung, Planung, Entwicklung und Synergien mit Forschungseinrichtungen, Instituten, Universitäten und internationalen Kunden Antrieb und wichtige Bestandteile des Unternehmens, um Qualität zu erzeugen. Übrigens auch ein Grund, warum die Hauptmaschinen und Anlagenkomponenten auch im Zeitalter der Globalisierung in dem nach DIN EN ISO 9001 zertifizierten Zentralwerk in Reinbek bei Hamburg produziert werden, also „Quality made in Germany“.

Für ein Maschinenbauunternehmen wie Kahl ist jedoch auch das Thema Kontinuität wichtig. So fährt die Gruppe seit 1975 unverändert unter dem Ruder zweier Brüder, die in den 90er Jahren die deutlichste Kursrichtung vorgaben: Diese Jahre waren geprägt durch den Erwerb von Neuhaus Neotec und Schule Mühlenbau, der unter sehr starkem Engagement der beiden Inhaber Joachim und Jan Behrmann und mit der Bildung der Kahl Gruppe vollzogen wurde.

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