Auswirkungen der Wirtschaftskrise Rohstoffvorteile für deutsche Chemieunternehmen durch Investoren aus Nahost

Redakteur: Marion Henig

Neue Wettbewerber aus Nahost wittern Chancen, die Schwächen einzelner Marktteilnehmer in der Krise zu nutzen, um Zugang zu westlichen Märkten und Know-how zu gewinnen. Die deutsche Chemielandschaft könnte sich dadurch von Grund auf verändern.

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Dr. Tobias Lewe, Partner bei A.T. Kearney: „Um eine anhaltende Rezession gut zu durchschiffen, kommt es für Unternehmen jetzt darauf an, zwei Stoßrichtungen zu verfolgen: Schnelle, kurzfristige Maßnahmen zur unmittelbaren Verbesserung von Liquidität und Kostensituation müssen mit strategischen Entscheidungen und Investitionen zur langfristigen Erfolgssicherung verbunden werden.“
Dr. Tobias Lewe, Partner bei A.T. Kearney: „Um eine anhaltende Rezession gut zu durchschiffen, kommt es für Unternehmen jetzt darauf an, zwei Stoßrichtungen zu verfolgen: Schnelle, kurzfristige Maßnahmen zur unmittelbaren Verbesserung von Liquidität und Kostensituation müssen mit strategischen Entscheidungen und Investitionen zur langfristigen Erfolgssicherung verbunden werden.“
( Bild: A.T. Kearney )

Düsseldorf – Im ersten Halbjahr 2009 werden sich Gewinnsituation und Liquidität in der Deutschen Chemiebranche wohl weiter verschlechtern. Als Folge ist mittelfristig eine deutliche Zunahme der M&A-Aktivitäten zu erwarten, da viele Unternehmen verstärkt Investoren suchen und auch Bereiche ausgliedern werden, die keinen hinreichenden Wertbeitrag leisten. Ziel der Unternehmen ist es, kurzfristig Liquidität zu generieren. Prädestiniert für einen Einstieg in die deutsche Chemie sind dabei insbesondere Investoren aus dem Nahen Osten.

Bereits von 2007 auf 2008 hatte sich in Europa die Anzahl von Transaktionen in der chemischen Industrie unter Beteiligung von Firmen aus Nahost mehr als verdoppelt. Aus der Kombination von Rohstoffvorteilen im Nahen Osten und Kundenzugang in den etablierten westlichen Märkten kann eine neue Klasse an Chemieunternehmen mit entscheidenden Wettbewerbsvorteilen entstehen. Das geht aus einer aktuellen Studie hervor, in der das Beratungsunternehmen A.T. Kearney die Auswirkungen der Wirtschaftskrise auf die Chemiebranche untersucht hat.

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„Angesichts zunehmender Liquiditätsprobleme, denen sich viele Chemiefirmen gegenübersehen, hat eine kurzfristige Optimierung der Kapitalposition für viele Führungskräfte derzeit oberste Priorität. Da vorerst jedoch mit keiner substanziellen Verbesserung der Ertragslage zu rechnen ist, werden Cash Reserven weiter schrumpfen und die kurzfristig angestrebten Maßnahmen nicht ausreichen, um die Krise zu meistern“, beschreibt Dr. Tobias Lewe, Partner bei A.T. Kearney, den Engpass, auf den die Chemiebranche in Deutschland zusteuert.

Im vierten Quartal 2008 lag beispielsweise der EBIT-Wert definierter Chemieunternehmen in Deutschland bereits um 81 Prozent unter dem Vergleichswert des Vorjahres. Die Liquidität der Unternehmen lag 2008 um 36 Prozent unter Vorjahresniveau. Jüngste Prognosen für 2009 lassen eine weitere Verschlechterung erwarten. Dabei sind viele deutsche Chemieunternehmen im Vergleich zu ihren europäischen Wettbewerbern noch relativ gut aufgestellt.

„Als Konsequenz aus den immer knapper werdenden Finanzmitteln rechnen wir damit, dass Unternehmen verstärkt diejenigen Geschäftsbereiche ausgliedern werden, die nicht die gewünschten Skaleneffekte erbringen und der Wirtschaftlichkeit abträglich sind“, so Lewe. „Wir werden in naher Zukunft eine deutliche Zunahme der M&A-Aktivitäten sehen, die zu einer grundlegenden Veränderung der Wettbewerbslandschaft führen wird.“

Investoren aus Nah-Ost könnten deutsche Chemielandschaft von Grund auf verändern

Der Wettlauf um die Gunst zahlungsfähiger Investoren hat damit begonnen und wird sich beschleunigen, sollte sich die Marktnachfrage nicht kurzfristig erholen. „Angesichts der Dimension der Krise und ihrer Auswirkungen auf die Gewinnsituation vieler Unternehmen gehen wir davon aus, dass nur eine begrenzte Zahl der deutschen Chemiefirmen selbst über die für Akquisitionen notwendigen Mittel verfügt. Im Gegensatz dazu werden Player aus dem Nahen Osten ihren M&A-Anteil deutlich erhöhen“, so Andreas Pohl, Berater bei A.T. Kearney und Verfasser der Studie. Durch den strategisch günstigen Rohstoffzugang, Größen- und Technologievorteile bei den Chemieanlagen und höhere verfügbare finanzielle Mittel sind Investoren aus dieser Region in der Lage, die deutsche Chemielandschaft von Grund auf zu verändern.

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