Suchen

Therapeutische Proteine Roche investiert 158 Mio. Euro in die Entwicklung therapeutischer Proteine

Redakteur: Dr. Ilka Ottleben

Roche weihte am 29.06.2011 in Penzberg das Investitionsprojekt „TP-Expand“ ein, mit dem die eigenen Forschungs- und Entwicklungskapazitäten für therapeutische Proteine deutlich gesteigert werden. Die Kapazitätserweiterung in der frühen Erforschung und technischen Entwicklung therapeutischer Proteine soll deren Bereitstellung für präklinische und klinische Studien stärken.

Firmen zum Thema

Abb. 1: Beim Einweihungsakt "TP-Expand", v.l.: Dr. Wolfgang Heubisch, Bayerischer Staatsminister für Wissenschaft, Forschung und Kunst mit Dr. Severin Schwan, Chief Executive Officer der Roche-Gruppe. (Bild. Roche)
Abb. 1: Beim Einweihungsakt "TP-Expand", v.l.: Dr. Wolfgang Heubisch, Bayerischer Staatsminister für Wissenschaft, Forschung und Kunst mit Dr. Severin Schwan, Chief Executive Officer der Roche-Gruppe. (Bild. Roche)

Penzberg – Dazu investierte der Konzern in den vergangenen zweieinhalb Jahren rund 158 Mio. Euro in Gebäude, hochmoderne Anlagen sowie die Infrastruktur am Standort. In insgesamt fünf Gebäuden wurden auf einer Fläche von knapp 20 000 Quadratmeter Produktions- und Laborflächen für modernste biotechnologische Entwicklungs- und Herstellungsprozesse erweitert und komplett neu gestaltet.

Anlässlich der Einweihung nahmen Dr. Wolfgang Heubisch, Bayerischer Staatsminister für Wissenschaft, Forschung und Kunst, und Dr. Severin Schwan, CEO von Roche, die Gebäude und Anlagen symbolisch in Betrieb.

Bildergalerie

„Wir wollen mit wissenschaftlichen Spitzenleistungen stetig effektivere Wirkstoffe entwickeln, die durch ihren hohen medizinischen Nutzen die Lebensqualität von Patienten deutlich verbessern,“ betonte Severin Schwan. „Unsere Aktivitäten in den Bereichen der biotechnologischen Forschung und der Entwicklung zielgerichteter therapeutischer Proteine sind ein Motor für bahnbrechende neue Therapien. Mit dem Abschluss des ‚TP-Expand‘-Projektes schaffen wir eine grundlegende Voraussetzung, um auch in den nächsten Jahren erfolgreich innovative biopharmazeutische Arzneimittel entwickeln zu können.“

Staatsminister Dr. Wolfgang Heubisch kommentierte: „Roche hat in den letzten Jahren in erheblichem Umfang in den Forschungsstandort Penzberg investiert, was die Bayerische Staatsregierung ausdrücklich begrüßt. Bayern ist sich der großen Bedeutung der Life Sciences bewusst. Das zeigt sich in verschiedenen Initiativen der Staatsregierung, die darauf ausgerichtet sind, hervorragende Standortbedingungen für Life-Science-Unternehmen zu schaffen und so Investitionen in diesem Bereich zu fördern.“

Vervollständigung der Wertschöpfungskette am Standort Deutschland

Die Investition „TP-Expand“ stärkt neben den Produktionskapazitäten für neue Proteinwirkstoffe zur Versorgung präklinischer und klinischer Studien auch die Entwicklung von Herstellungsverfahren therapeutischer Proteine. Thomas Schmid, Sprecher der Geschäftsführung der Roche Diagnostics: „Mit dieser Investition vervollständigen wir die Wertschöpfungskette am Standort Deutschland – von der frühen Erforschung von Proteinwirkstoffkandidaten bis hin zur Produktion von biopharmazeutischen Wirkstoffen für den Markt. Die Penzberger Experten können jetzt pro Jahr doppelt so viele therapeutische Proteinwirkstoffkandidaten wie bisher pro Jahr bis zum Eintritt in die klinische Prüfungsphase I entwickeln. Zudem verdoppelt ‚TP Expand‘ die Labor- und Anlagenkapazitäten, um die Herstellungsverfahren neuer therapeutischer Proteine bis zur Marktreife weiterzuentwickeln.“

Der Standort Penzberg ist das europäische Kompetenzzentrum für die therapeutische Proteinforschung innerhalb der Roche-Gruppe. Hier befinden sich derzeit rund 40 Projekte mit neuen therapeutischen Proteinwirkstoffen in der Forschungs- und Entwicklungspipeline. Zu den zentralen Aufgaben Penzbergs gehört die weltweite Bereitstellung von Proteinwirkstoffen für klinische Studien. Insgesamt stellte Roche im vergangenen Jahr Wirkstoffmaterial für klinische Studien mit etwa 55 000 Patienten in über 70 Ländern zur Verfügung.

Bereits 70 therapeutische Proteine weltweit zugelassen

Therapeutische Proteine, wie zum Beispiel als Arzneimittel eingesetzte Antikörper, besitzen eine große medizinische und wirtschaftliche Bedeutung. Bereits heute profitieren zahlreiche Patienten von rund 70 weltweit zugelassenen therapeutischen Proteinen. Wegen ihrer hohen spezifischen Wirksamkeit bei lang anhaltender Wirkdauer und geringen Nebenwirkungen gelten diese Biopharmazeutika als Medikamente der Zukunft. Sie eröffnen schon heute innovative Behandlungsoptionen bei unterschiedlichen Krankheiten wie beispielsweise Krebs, Autoimmunkrankheiten, Anämie oder Infektionskrankheiten. Die Top-5-Produkte von Roche gehören alle zur Gruppe der therapeutischen Proteine. Im Jahr 2010 erzielten diese Top-Umsatzträger allein knapp 58% des Pharma-Umsatzes.

Präklinische sowie klinische Studien der Phase I

In präklinischen Studien werden sowohl das Sicherheitsprofil als auch die pharmakologischen Wirkungen eines Medikaments im Labor untersucht. Jeder erfolgversprechende neue Wirkstoff muss eine strenge präklinische Prüfung durchlaufen, ehe er an Menschen erprobt werden darf. Dazu gehören sowohl In-vitro-Tests in Zellkulturen, als auch In-vivo-Tests beim Tier. Auch Computermodelle spielen in der präklinischen Entwicklung eine immer wichtigere Rolle. Die aus den präklinischen Studien gewonnenen Daten sind die Grundlage für die Entscheidung, ob ein Arzneimittelkandidat Teilnehmern an klinischen Phase-I-Studien verabreicht werden kann.

In Phase-I-Studien kommen neue Wirkstoffe erstmalig beim Menschen zur Anwendung. Dabei wird die Sicherheit eines neuen Medikaments in verschiedenen Dosierungen getestet. Es wird untersucht, wie das Arzneimittel im Körper aufgenommen, verteilt, verstoffwechselt und ausgeschieden wird, wie viel Zeit diese Prozesse in Anspruch nehmen und ob es unerwünschte Wirkungen gibt. Phase-I-Studien finden in der Regel mit nur wenigen Teilnehmern statt, gewöhnlich mit gesunden Freiwilligen. In einigen Fällen können auch Patienten, deren Krankheit sehr weit fortgeschritten ist, in solche Studien aufgenommen werden – zum Beispiel Krebspatienten.

(ID:27989460)