Zukunft mit Wasserstoff Raffinerie in Schwedt: Weg vom Öl, hin zu Wasserstoff?

Quelle: dpa

Die EU-Kommission will raus aus dem russischen Öl. Doch was wird aus der Raffinerie PCK in Schwedt, wo nur Öl aus Russland ankommt? Wirtschaftsminister Habeck hat schon Pläne für eine „Raffinerie der Zukunft“. In Schwedt herrscht nicht nur Zuversicht.

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Nach den Plänen von Wirtschaftsminister Habeck soll der PCK-Standort in Schwedt zur „Raffinerie der Zukunft“ werden. (Symbolbild)
Nach den Plänen von Wirtschaftsminister Habeck soll der PCK-Standort in Schwedt zur „Raffinerie der Zukunft“ werden. (Symbolbild)
(Bild: gemeinfrei / Unsplash)

Schwedt/Oder - Die Bundesregierung zeigt sich zuversichtlich, die Raffinerie PCK in Schwedt trotz des geplanten Öl-Embargos der EU gegen Russland erhalten zu können. Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) machte vor seinem geplanten Besuch am 09. Mai deutlich, dass er eine Zukunft für das Unternehmen sieht. „Es gibt eine gute Chance, dass die Raffinerie Schwedt erhalten bleibt, dass wir sie versorgen können mit Öl über andere Wege“, sagte Habeck am Tag zuvor dem Fernsehsender Welt. Diese Wege könnten über Rostock und Danzig führen. Er blickt in die Zukunft: In einer Kooperation mit dem Hafen Rostock könnte sich PCK auch weiterentwickeln „weg vom Öl, hin zu Wasserstoff“ und damit eine „Raffinerie der Zukunft“ werden.

Die Pläne wiederholte der Grünen-Politiker am Montag vor Hunderten Mitarbeitern. Auf der Terrasse stieg Habeck mit dem Mikrofon in der Hand auf einen Tisch, um besser gehört zu werden. Er schlug einen verständnisvollen Ton an: „Ich will Sie nicht verkackeiern und Ihnen auch nicht irgendwie den Himmel rosarot malen. Es kann sein, dass es an irgendeiner Stelle hakt, es kann sein, dass irgendwas nicht funktioniert.“ Aber wenn sein Plan aufgehe, dann habe das Werk Zukunft und Perspektive. „Wir brauchen Schwedt.“

Habeck sprach von drei Elementen, die zusammenkommen müssten: Die Vorbereitungen für alternative Öllieferungen über Schiffe via Rostock; Finanzhilfen des Bundes für mögliche Mehrkosten nach der Umstellung – denn das Öl aus anderen Quellen ist teurer; und eine mögliche Treuhandstruktur anstelle des bisherigen Betreibers Rosneft. „Wenn alles drei klappt, dann haben Sie eine Jobsicherheit für die nächste Zeit“, versprach Habeck.

Nach den Vorstellungen des Wirtschaftsministers soll Tankeröl in Rostock und Danzig angelandet und über Pipelines in die riesige Anlage an der deutsch-polnischen Grenze gebracht werden. Langfristig könnte sich PCK dann weiterentwickeln hin zu Wasserstoffen – denn wegen der Klimawende sei ja ohnehin eine Abkehr von fossilen Brennstoffen nötig, sagte Habeck.

Die EU-Kommission plant, russische Rohöllieferungen für Deutschland und die meisten anderen EU-Länder innerhalb von sechs Monaten auslaufen zu lassen. Im brandenburgischen Schwedt endet die Pipeline „Druschba“ (Freundschaft) aus Russland. Das Öl wird bei PCK verarbeitet, wo nach Angaben der Brandenburger Landesregierung etwa 1200 Menschen arbeiten.

Die Raffinerie ist mehrheitlich in Händen des russischen Staatskonzerns Rosneft. Der Bund sucht mit Brandenburg bereits nach Alternativen für russisches Öl, was nach Ansicht der Landesregierung aber nur bis zu 70 % der bisherigen Leistung ausmachen würde. Ob Rosneft bereit wäre, alternatives Öl zu verarbeiten, ist unklar. Mit einer Gesetzesänderung könnte die Bundesregierung die Raffinerie unter staatliche Treuhandverwaltung stellen oder gar enteignen.

Die Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE) fordert, dass die Zahl der Beschäftigten bei PCK mindestens erhalten wird. „Von denen darf definitiv keiner auf der Strecke bleiben“, sagte der Bezirksleiter der IG BCE Berlin-Mark Brandenburg, Rolf Erler, der Deutschen Presse-Agentur. Daran hänge eine ganze Region. „Es geht darum, dass die Leute auch langfristig eine Perspektive haben.“ Er sei aber zuversichtlich, dass man die Raffinerie erhalten könne.

Der Bund sagte kurzfristige Hilfe zu. „Wir wollen mit den Beschäftigten ins Gespräch kommen und deutlich machen, dass wir kurzfristig alle notwendigen Schritte zur Absicherung von Schwedt unternehmen werden“, sagte Habecks Parlamentarischer Staatssekretär Michael Kellner dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND/Montag). Mittelfristig solle die Umstellung auf grünen Wasserstoff, Biochemie und Kreislaufwirtschaft unterstützt werden. Brandenburgs Wirtschaftsminister Jörg Steinbach (SPD) sagte den „Potsdamer Neuesten Nachrichten“ (Montag), er rechne für den Übergang zu Wasserstoff oder Biomaterialien mit bis zu zehn Jahren.

Die Bauindustrie weist auf ein anderes Problem hin: „Ausbleibende Öl-Lieferungen aus Russland werden dazu führen, dass in Deutschland „Bitumen-fähiges“ Öl fehlen wird“, teilte der Hauptverband der Deutschen Bauindustrie mit. „Ohne Bitumen aber kein Asphalt, ohne Asphalt keine Modernisierung von Straßen, Brücken und Hochbauten.“

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