Druckluft–Leckagen vermeiden Quadratisch, praktisch, energieeffizient: Druckluft–Leckagen haben bei der Schokoladenproduktion keinen Platz

Autor / Redakteur: Ulrike Böhm, Marina Griesinger* / Dominik Stephan

Kampf der Leckage: Dank Druckluft-Expertise spart ein Schokoladenriese 200 bis 250 Tonnen CO2 pro Jahr – Die Firma Alfred Ritter, mit ihrer bekanntesten Marke Ritter Sport, arbeitet konsequent an der Reduktion des Energieverbrauchs: Ein Baustein des Energiekonzepts ist der Energieträger Druckluft. Gemeinsam mit dem süddeutschen Druckluft- und Pneumatikspezialisten Mader hat das Waldenbucher Unternehmen Druckluft-Leckagen den Kampf angesagt. Durch regelmäßige Leckageortungen und -beseitigungen konnte die Leckageluft innerhalb von zwei Jahren halbiert werden.

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Im Speicher wird die Schokolade gepuffert und der Verpackungsmaschine gezielt zugeleitet. Druckluft wird auch hier für die Steuerung der Anlage eingesetzt.
Im Speicher wird die Schokolade gepuffert und der Verpackungsmaschine gezielt zugeleitet. Druckluft wird auch hier für die Steuerung der Anlage eingesetzt.
(Bild: Alfred Ritter)

Energie – das ist Benjamin Flaigs Thema. Seit 2018 leitet der Gebäudemanager das „Energieteam“ bei Ritter Sport. In seiner Funktion ist er dafür verantwortlich, die energetische Performance im Werk zu verbessern und so für die konsequente Reduktion des Verbrauchs zu sorgen. Konkret heißt das bei Ritter Sport: mindestens 1,5 Prozent weniger Energieaufwand pro produzierter Tonne Schokolade – jedes Jahr aufs Neue! Ein anspruchsvolles Ziel, das bisher nach eigener Aussage fast jedes Jahr erreicht wurde. „Und das bei dreieinhalb Millionen Tafeln Schokolade, die hier jeden Tag vom Band laufen“, wie Flaig erklärt.

2020 erreichte das Unternehmen das Ziel der „Klimaneutralität“: Eingeschlagen hatte der Waldenbucher Schokoladenhersteller diesen Weg bereits vor 20 Jahren. „Von der Bohne über den Wertschöpfungsprozess bis zur Lieferung ist Nachhaltigkeit ein wichtiger Aspekt bei Ritter Sport“, sagt Benjamin Flaig. Entsprechend vielfältig sind die Maßnahmen, die dazu ergriffen werden: Rund 70 Prozent des eigenen Wärme- und 40 Prozent des Strombedarfs am Standort Waldenbuch deckt das Unternehmen über ein firmen­eigenes Blockheizkraftwerk und Photovoltaik ab, der Rest wird mit „grünem Strom“ aus erneuerbaren Energien ergänzt.

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Darüber hinaus werden Einsparpotenziale konsequent ermittelt und realisiert. Die Herausforderung sei dabei, „richtig gute Schokolade zu machen und gleichzeitig Energie zu sparen“, so Flaig. Neben strategischen Projekten wie dem Austausch der Klimaanlage durch eine effizientere Variante, der Installation von LED-Beleuchtung oder der Erneuerung des in die Jahre gekommenen Blockheizkraftwerks, folgt der 32-Jährige auch bei der Druckluft konsequent der Prämisse „Effizienz erhöhen“.

Druckluft? Unentbehrlich für die Schokoladen-Produktion!

Denn bei der Schokoladenherstellung kann auf Druckluft nicht verzichtet werden: Bereits bei der Warenannahme, wenn die verschiedenen Rohstoffe als Pulver an ihren Bestimmungsort transportiert werden, kommt Druckluft zum Einsatz. Daneben wird Druckluft als Steuerluft eingesetzt, etwa für Weichen. Beim Herstellen der Schokoladentafeln wird der Energieträger für den Antrieb von Ventilen und Zylindern benötigt. Im Verpackungsprozess werden Tafeln, die dem Qualitätsanspruch nicht zu 100 Prozent entsprechen, mithilfe von Druckluft aus dem Prozess genommen. Auch die Reinigung der Schokomasseleitungen erfolgt mit Druckluft: Ein Gummipfropfen, „Molch“ genannt, wird durch die Leitung „geblasen“ um Schokoladenreste zu entfernen.

„Als Lebensmittelbetrieb legen wir sehr großen Wert auf eine extrem gute Druckluftqualität. Dafür haben wir überall Messstellen zur Qualitätsüberwachung “, berichtet der gelernte Mechatroniker und Elektrotechniker. Dieser Anspruch setzt bereits bei der Erzeugung der Druckluft an, die komplett ölfrei erfolgt. Um die pulverförmigen Rohstoffe vor dem Verklumpen zu schützen, ist ein niedriger Druck­taupunkt entscheidend, der über entsprechende Trockner erreicht wird.

Nicht mehr als nötig: Schon der Kompressor sorgt für Effizienz

Verteilt wird die Druckluft aus zwei zentralen, manipulationssicheren Kompressorräumen über ein fest verrohrtes Netz aus Edelstahl. Zahlreiche Filter an kritischen Stellen stellen die Reinheit der Druckluft sicher. Neben der Qualitätsüberwachung spielt Energiemonitoring eine wichtige Rolle: „Wir haben an allen Kompressoren Stromzähler angebracht, um deren Effizienz zu überwachen“, erzählt Benjamin Flaig.

„Die Erfolge zu sehen ist sehr wichtig“, betont Benjamin Flaig. Der Energiemanager informiert sich per LOOXR Leckage-Portal über die beseitigen Druckluft-Leckagen und den damit erzielten Energieeinsparungen.
„Die Erfolge zu sehen ist sehr wichtig“, betont Benjamin Flaig. Der Energiemanager informiert sich per LOOXR Leckage-Portal über die beseitigen Druckluft-Leckagen und den damit erzielten Energieeinsparungen.
(Bild: Alfred Ritter)

Dass die Kompressoren mit Wärmerückgewinnung ausgestattet sind und dank kaskadenförmiger Anordnung, einer übergeordneten Steuerung und Drehzahlregelung bei einem Großteil der Kompressoren nur so viel „arbeiten“, wie es der Druckluftbedarf im Werk gerade erfordert, versteht sich für Flaig fast von selbst. Dank Monitoring kann er zudem genau sagen, wie viel Druckluft tatsächlich für den jeweiligen Prozess benötigt wird und wie viel als „Leckageluft“ im Prozess verloren geht.

50 % weniger Leckageluft innerhalb von zwei Jahren

Bei der gewünschten Reduktion der Leckageluft setzte Ritter Sport zunächst auf eine „Inhouse-Lösung“: Dafür übernahm das fir­meneigene Instandhaltungsteam die Ortung und Beseitigung der Leckagen. Gesteigerte Komplexität und ein wachsender Maschinenpark führten jedoch bald dazu, dass das Unternehmen eine Outsourcing-Lösung für das Thema „Leckage“ suchte.

Seit 2019 ist dafür der süddeutsche Druckluft- und Pneumatikspezialist Mader bei Ritter Sport im Einsatz – zunächst ausschließlich für die Ortung der Leckagen. Nach umfassenden Hygieneschulungen übernimmt seit 2019 ein festes Leckageteam von Mader in den meisten Fällen auch die Beseitigung der Undichtigkeiten. Entscheidend bei der Auswahl des Dienstleistungspartners war für Flaig die räumliche Nähe und das umfassende Serviceangebot von Mader, das auch digitale Dienstleistungen umfasst. „Die Erfolge zu sehen, ist sehr wichtig“, betont Benjamin Flaig und nimmt damit Bezug auf die digitale Leckageanwendung von LOOXR, die Mader seinen Kunden anbietet.

Auch für das einwandfreie Verpacken der bunten Ritter Sport Schokoladenquadrate wird Druckluft benötigt.
Auch für das einwandfreie Verpacken der bunten Ritter Sport Schokoladenquadrate wird Druckluft benötigt.
(Bild: Alfred Ritter)

Darin enthalten: Das Leckage-Portal und die Leckage-App. Damit kann der Energiemanager sich jederzeit informieren, wie viele Leckagen geortet wurden, wo sie sich befinden, wie viel Druckluft verloren geht, wie viele Leckagen beseitigt wurden und welche konkreten Ersparnisse sich daraus ergeben. Und das sowohl monetär als auch in Höhe des eingesparten CO2-Ausstoßes. „Mit dem Tool kann das Instandhaltungsteam sehen, dass seine Arbeit Früchte trägt“, sagt der Energie- und Gebäudemanager.

Vorbeugende Instandhaltung: Daten sorgen für Druckluft-Durchblick

Flaig lobt auch den „sehr guten Support bei der Beseitigung“. Auf Wunsch übernimmt Mader die Beschaffung von Ersatzteilen zur Leckagebeseitigung. Diese werden so gekennzeichnet, dass sie eindeutig der jeweiligen Leckagestelle zugeordnet werden können. Die Leckagestellen sind wiederum durch einen eindeutigen QR-Code markiert, der Leckageort ist sowohl in der App als auch im Portal erfasst und beschrieben. Die Erfolge der Zusammenarbeit und des konsequenten Fokus auf den Baustein „Leckage“ bei der Reduktion des Energiebedarfs können sich sehen lassen: Innerhalb von zwei Jahren wurde der Leckageluftanteil um 50 Prozent reduziert.

Zu diesem Zweck wurde die Leckageortung und -beseitigung in der Instandhaltungsplanung fest einkalkuliert: Zwei bis drei Wochen vor dem geplanten Instandhaltungsfenster ist ein Spezialistenteam vor Ort und führt die Ultraschall-Ortung durch. Im Servicefenster selbst folgt dann die Beseitigung der Undichtigkeiten. Mindestens einmal jährlich werde so jede Produktionslinie einem Leckage-Check unterzogen.

Neben dem Ziel, den Luftverlust und damit den Energieverbrauch zu reduzieren, sieht Flaig in einer konsequenten „Leckage-Strategie“ einen weiteren entscheidenden Vorteil: „Sie hilft, Verschleiß zu erkennen und Stillstand zu vermeiden. Damit sind die Maßnahmen ein Teil der vorbeugenden Instandhaltung“. Anders als etwa große Projekte wie der Austausch der Beleuchtung, sei man mit dem Thema Leckage nie fertig. „Beim Auto steht ja auch ein regelmäßiger Ölwechsel an. Ähnlich ist es bei der Druckluft – auch hier muss ich die Bauteile regelmäßig überprüfen“, erläutert Flaig.

Von Schokoladen- und Druckluft-Experten

Benjamin Flaig jedenfalls zeigt sich überzeugt vom eingeschlagenen Weg: „Das Mader-Team ist ein große Unterstützung, die Abstimmung funktioniert gut und reibungslos“, so der Energiemanager. Der Erfolg bestätigt ihn: Jährlich werden etwa 500 Leckagen geortet und beseitigt, was 200 bis 250 Tonnen CO2 entspricht. „Technisch werden wir die Leckagen nie auf Null senken können, doch wir sind bestrebt, sie durch regelmäßige Einsätze kontinuierlich zu reduzieren“, sagt Flaig.

Er freut sich über den Rundum-Service, der seinen Kolleginnen und Kollegen „Luft lässt“ für andere anspruchsvolle Aufgaben. „Wir sind Schoko-Experten. Um die Druckluft kümmern sich bei uns die Druckluft-Experten von Mader.“ ●

* * M. Griesinger ist Leiterin des Energie­effizienzmanagements, U. Böhm Spezialistin für Public Relations bei Mader.

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