Packaging Valley Premiere des ersten Packaging Valley Days

Redakteur: Anke Geipel-Kern

Die „Packaging Valley Days“ haben mit einem Mix aus Referaten, Podiumsdiskussion sowie Betriebsbesichtigungen Premiere gefeiert.

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Rund 190 Besucher aus 16 Nationen kamen zu den ersten internationalen Packaging Valley Days am 9. und 10. Juni nach Schwäbisch Hall. (Bild: Packaging Valley)
Rund 190 Besucher aus 16 Nationen kamen zu den ersten internationalen Packaging Valley Days am 9. und 10. Juni nach Schwäbisch Hall. (Bild: Packaging Valley)

Schwäbisch Hall – Rund 190 Besucher aus 16 Nationen kamen zu den ersten internationalen Packaging Valley Days am 9. und 10. Juni nach Schwäbisch Hall, berichtet der Veranstalter der Verein Packaging Valley.

„Bislang haben wir den Fokus insbesondere auf unserer Produkte gerichtet. Künftig wollen wir den Verpackungsprozess gleichwertig gewichten. Denn mit der Qualität der Verpackungen präsentieren wir uns schließlich am Point of Sale.“ So äußerte sich eine Kundin aus Schweden, die gemeinsam mit ihrem Kollegen insgesamt vier Unternehmen im Packaging Valley besuchte.

Ganz andere Beweggründe für die Teilnahme nannte der Branchenquereinsteiger Tobias Dworsky (Technischer Projektleiter bei Hartmann, Heidenheim), der vor allem seine Kenntnisse des Verpackungsmaschinenbaus praxisnah weiter vertiefen sowie mehr über die Firmen der Region erfahren wollte.

Zunächst bildeten zwei Referate den Auftakt der Veranstaltung: „Organic and Printed Electronics“ sowie „Risiko Investition – Wie sicher sind die Produktionsprozesse“. Organic and Printed Electronics haben das Potenzial, die Verpackungswelt in absehbarer Zeit zu verändern, berichtete Dr. Klaus Hecker (Geschäftsführer des Verbands OE-A, einer Organisation innerhalb des VDMAs). Diese noch junge Technologie basiert auf Metallen oder chemischen Substanzen, die zu pastösen und damit druckbaren Medien verarbeitet werden können. Aufgrund ihrer leitenden oder halbleitenden Eigenschaften entstehen beispielsweise Sensoren, Speicher, Lichtquellen und Displays, die extrem dünn, leicht und flexibel sind. Auch werden heute bereits flexible Multilayer-Folien hergestellt, die beispielsweise Solarzellen und Akkus miteinander verbinden.

Die kostengünstige Produktion dieser Organic and Printed Electronics erlaubt es, einfache Produkte bis hin zu Einwegprodukten und Verpackungsmaterialien mit Zusatzfunktionen auszustatten. In Hinblick auf die Verpackungsbranche befinden sich Anwendungen in Pilotprojekten, wie etwa neue Sicherheitslabels, die z.B. in einem Speicher festhalten, wann eine Verpackung erstmalig geöffnet wurde. Es existieren temperatur- oder UV-sensitive Indikatoren, die Maximal und Minimal- oder kumulierte Werte angeben.

Gedruckte Elektronik und Mechatronik

Ein Beispiel aus dem pharmazeutisch-medizinischen Bereich sind Packungen, die registrieren, wann eine Pille vom Patienten entnommen wurde. Sogar eine Datenübertragung per Computer an den Arzt ist hier vorgesehen. Beispiele aus dem Marketing sind Faltschachteln, die partiell elektrolumineszent leuchten oder Packungen, die auf „Knopf“-druck ganze Videos abspielen können. Dieser nur kleine Ausschnitt an Anwendungen verdeutlicht, weshalb eines der Fazits von Hecker lautete: „Die Organic and Printed Electronics gelten als einer der bedeutendsten Zukunftsmärkte überhaupt.“

Seit einiger Zeit hat sich die Ansicht durchgesetzt, dass Maschinen mechatronische Systeme sind. Systeme, die erst durch die Synthese von Mechanik, Elektronik und Software ihre Funktionalität erlangen. Rainer Stetter (Geschäftsführer der Beratungsgesellschaft ITQ) stellte jedoch die These auf, dass im Maschinenbau noch nicht überall konsequent in mechatronischen Strukturen gedacht und gearbeitet werde.

Das zeige sich häufig an einer Trennung der Disziplinen, wobei die Software heute nicht den Stellenwert habe, den sie eigentlich verdiene. Stetter untermauerte diese These mit Umfrageergebnissen im Maschinenbau: Software-Ingenieure fühlten sich weit weniger in den gesamten Projektablauf integriert als im Vergleich mechanische Ingenieure. Gleichzeitig seien Software-Ingenieure im Zahlenverhältnis in vielen Unternehmen noch unterrepräsentiert.

Stetter zeigte auf, wie sich die Organisationsstrukturen im Zuge der Mechatronik von einem Nacheinander zu einem Miteinander hin entwickeln müssten. Früher, teils heute noch, wurde die Software an letzter Stelle hinzugezogen. „Übergreifende Workflows sind jedoch wichtig“. Daher, so eine weitere These, werde im Zuge der Mechatronik nicht nur die Informatik zur Kernkompetenz, auch der System-Ingenieur werde in den kommenden Jahren in den Unternehmen zahlenmäßig und inhaltlich eine immer bedeutendere Rolle spielen, um das gesamtheitliche Denken, Koordinieren und Organisieren in Projekten sicherzustellen. Anschließend wies Stetter auf das Forschungsprojekt BESTVOR hin: Im Internet besteht die Möglichkeit, eine Bestandsaufnahme der Mechatronik-Kompetenz kostenlos über interaktive Fragebögen durchführen zu können.

Mit pointierten Fragen leitete Stetter als Moderator, die Podiumsdiskussion ein. „Ist Mechatronik überhaupt wichtig? Oder: Wie wird die Qualität von Software gemessen?“ Eine so einfache wie überzeugende Antwort hatte Werner Gesang (Director of Engineering and Technical Services, Bausch & Lomb, Berlin) parat: „Mechatronik hat drei Buchstaben: OEE“. Und es wurde deutlich, dass ihm diese Overall Equipment Effectiveness nicht immer überzeugen kann. Unterstützt wurde er von Volker Maier (Head of Plant Engineering, Mühlens GmbH & Co. KG, P&G Prestige Products, Köln) mit der Forderung: „Neue Maschinen sollten wie ein Auto auf Knopfdruck starten. Ohne dass dabei Serviceleute im Hintergrund stehen.“ Gerhard Schubert (Geschäftsführender Gesellschafter, Gerhard Schubert, Crailsheim) konterte mit der Anmerkung, dass oftmals die genauen Anforderungen zum Zeitpunkt der Auftragsvergabe beim Kunden noch nicht geklärt seien, was von Bernd Hansen (1. Vorsitzender Packaging Valley Germany e.V. sowie CEO, Hansen Gruppe, Sulzbach Laufen,) bestätigt wurde. Und damit war die anregende und kurzweilige Diskussionsrunde eröffnet.

Im Laufe der Diskussion wurde deutlich, dass dem Software-Engineering tatsächlich eine bedeutende Rolle zukommt. In großer Einigkeit wurde konstatiert, eine Maschine sei umso besser, je mehr Funktionen in die Software verlagert wären. Ein Problem ist, so die Kundenseite selbstkritisch, dass Software-Ingenieure mit späten Änderungswünschen rechnen müssten, woraufhin diese spät in den Entwicklungsprozess einstiegen. Diskutiert wurde zudem die Frage, wie mit betriebsinternen Softwarestandards bei den Kunden und denen der Maschinenhersteller umzugehen sei? Auch Strategien für optimale Softwareupdates wurden behandelt. Ein spannendes Fazit zog Gerhard Schubert, der für möglichst „einfache“ Maschinen mit wenigen Funktionen plädierte. Denn genau darin bestünde die Kunst, die komplexen Dinge einfach zu lösen. Das erfordere viel gedankliche Arbeit im Vorfeld. „Habe ich hingegen 70 bis 80 Funktionen an einer Maschine, habe ich auch 70 bis 80 Störmöglichkeiten.“

Am Nachmittag des ersten Veranstaltungstags sowie den gesamten zweiten Veranstaltungstag über besuchten zahlreiche Gäste die vielen Mitgliedsunternehmen, die ihre Tore öffneten. „Es waren interessante Vorträge, auch die Firmen haben sich wirklich gut präsentiert. Alles in allem habe ich einen sehr positiven Eindruck gewonnen“, berichtete Tobias Dworsky nach der Veranstaltung. Große Zufriedenheit herrschte auch auf Seiten der Veranstalter und Firmenvertreter des Packaging Valleys, deren Erwartungen mit neuen Kontakten und auch konkreten Projektanfragen übertroffen wurden. Bernd Hansen ergänzt: „Wir wurden für unsere Offenheit und Vielseitigkeit gelobt.“ Die erfreuliche Resonanz auch seitens der internationalen Gäste aus Europa, Japan, den USA, Saudi Arabien, Israel, dem Libanon und Indonesien veranlasste den Ersten Vorsitzenden zu der Prognose, dass die Packaging Valley Days in der Tendenz eine Fortsetzung finden werden: „Nicht nächstes Jahr, aber vielleicht übernächstes“.

Dem Packaging Valley Germany e.V. sind derzeit insgesamt 34 Mitgliedsunternehmen angeschlossen, die der Verpackungsbranche zugehörig oder Zulieferer sind. Mehr als 7.000 Mitarbeiter sind in diesem Industriezweig in der Region beschäftigt. Das Packaging Valley befindet sich im Landkreis Schwäbisch Hall (Süddeutschland) mit Anbindung an die Flughäfen Frankfurt und Stuttgart. Zahlreiche Weltmarktführer des Verpackungsmaschinenbaus haben ihren Sitz im Packaging Valley.

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