Forschungspressekonferenz VCI "Politik muss richtigen Kurs aufnehmen und die Segel setzen"

Redakteur: Wolfgang Ernhofer

Andere Branchen bauen ihre Forschungsetats stärker aus, als die chemische Industrie. Nach Meinung des VCI fehlt für Forschung der nötige Rückenwind aus Gesellschaft und Politik. Auf der Forschungspressekonferenz des VCI veröffentlichte Dr. Andreas Kreimeyer Ergebnisse einer aktuellen Umfrage zum Thema Forschung und Entwicklung.

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Bei der Forschungspressekonferenz des VCI mahnten Dr. Gerd Romanowski, Dr. Andreas Kreimeyer und Monika von Zedlitz (v.l.) mangelnde Innovationsfreude von Gesellschaft und Politik und forderten mehr Pioniergeist.
Bei der Forschungspressekonferenz des VCI mahnten Dr. Gerd Romanowski, Dr. Andreas Kreimeyer und Monika von Zedlitz (v.l.) mangelnde Innovationsfreude von Gesellschaft und Politik und forderten mehr Pioniergeist.
(Bild: VCI)

Frankfurt am Main – Für Forschung in der Chemie fehlt laut des Verbandes der Chemischen Industrie (VCI) der politische Rückenwind. Das gehe aus einer aktuellen Umfrage hervor, die der Vorsitzende des Ausschusses Forschung, Wissenschaft und Bildung, Dr. Andreas Kreimeyer, vorgestellt hat.

Die VCI-Umfrage ermittelte das Innovationsverhalten der chemischen Industrie (ohne Pharma). Sie repräsentiert 90 Prozent der Forschungsaufwendungen und 70 Prozent des Umsatzes der deutschen Chemie.

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Forschung wandert ins Ausland ab

Über 60 Prozent der befragten Chemieunternehmen halten das stärkere Wachstum ausländischer Chemiemärkte für einen wichtigen Grund, FuE-Investitionen am Standort Deutschland nur moderat auszubauen und Forschung im Ausland aufzubauen.

Auch die Rahmenbedingungen am Standort Deutschland machen es der Chemieforschung schwer. Zu dieser Einschätzung kommt mehr als die Hälfte der befragten Firmen. Sie begründen dies unter anderem mit einem großen Aufwand an Bürokratie und der zu geringen Förderung von Forschung und Entwicklung. So sei die Projektförderung zu kompliziert und nach wie vor – vor allem für den Mittelstand – zu bürokratisch und langwierig.

Bilder der Pressekonferenz und interessante Grafiken zur VCI-Umfrage finden Sie in der Bildergalerie des Artikels

Finanzierungsschwierigkeiten hemmen FuE-Projekte bei KMUs

Zudem beklagen die Firmen das Fehlen einer steuerlichen Forschungsförderung als Anreiz für verstärkt eigene FuE-Anstrengungen. Kreimeyer mahnte deshalb an, Innovationshemmnisse weiter abzubauen, die Projektförderung zu vereinfachen und steuerliche Anreize für Forschung einzuführen, damit die Chemieunternehmen wieder stärker in Deutschland forschten.

Mit einem besonderen Problem hat der Mittelstand zu kämpfen. Dies geht aus der Umfrage ebenfalls hervor: 65 Prozent der kleinen und mittelständischen Unternehmen (KMU) begründeten ihre verhaltenen FuE-Ausgaben mit Finanzierungsschwierigkeiten. Der Vorsitzende des VCI-Forschungsausschusses plädierte deshalb dafür, den Zugang zu Risikokapital zu erleichtern. „Das ist nach wie vor in Deutschland schwieriger als in anderen Ländern und damit ein Wettbewerbsnachteil für Deutschland.“

Chemie klagt über unzureichende Akzeptanz in der Gesellschaft

Mit einer unzureichenden Akzeptanz von Technik und Wissenschaft in einigen Forschungsbereichen in der Gesellschaft begründeten mehr als die Hälfte der befragten Chemieunternehmen, warum sie sich bei ihren Forschungsaufwendungen in Deutschland zurückhalten. Kreimeyer forderte deshalb ein offenes Klima für Innovationen und Fortschritt in Deutschland. „Entscheidend ist, dass wir eine neue Innovationskultur in Deutschland schaffen, bei der wir Chancen und Risiken objektiv betrachten und die Gesellschaft einbeziehen.“

Hierzu brauche man eine verständliche Kommunikation, mit der man die Vorteile neuer Technologien aufzeige, ohne potenzielle Risiken auszublenden. Dabei sollte man das Schüren von irrationalen Ängsten vermeiden. „Politik, Wissenschaft, Industrie und alle gesellschaftlichen Gruppen sind hier gefordert und sollten an einem Strang ziehen, um die Begeisterung für Neues wieder zu entfachen und den Pioniergeist, den frühere Generationen hatten, zu wecken.“

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