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Deutsch-Chinesische Partnerschaft

Pharmaproduktion: So klappt es mit dem chinesischen Partner

| Redakteur: Anke Geipel-Kern

Mehrere Optima SV125 Linien dosieren bei Haohai Hyaluronsäure. Backstop-Devices werden bei Bedarf automatisch montiert.
Mehrere Optima SV125 Linien dosieren bei Haohai Hyaluronsäure. Backstop-Devices werden bei Bedarf automatisch montiert. (Bild: Optima)

China (Shanghai) und Deutschland sind rund 8500 Kilometer Luftlinie voneinander entfernt – und auch die kulturellen Unterschiede könnten kaum größer sein. „China ist magisch“, sagt Kristian Slavik, der bei Optima den asiatischen Markt als Sales Director betreut. Wie eine enge Zusammenarbeit über alle kulturellen Unterschiede hinweg über Jahre hin bestehen und vertieft werden kann, zeigt das Beispiel Haohai Biological Technology.

Haohai und Optima Pharma verbindet inzwischen eine nahezu zehnjährige Partnerschaft. Das Privatunternehmen ist heute führender Anbieter von medizinischen Produkten auf Basis von Hyaluronsäure. „Für uns Europäer ist in China Vieles wenig transparent, und bei jedem Besuch lerne ich Neues hinzu“, sagt Kristian Slavik. Umso wichtiger findet es der Sales Director Asia, sich gegenseitig zuzuhören und voneinander zu lernen. Genau darauf legten chinesische Unternehmen wie Haohai größten Wert, um zu einer langfristigen, engen Zusammenarbeit zu finden.

Zehn Jahre Partnerschaft

Haohai produziert Arzneimittel und biologische Erzeugnisse nach international gültigen Standards, und dementsprechend unterscheiden sich die von Optima nach China gelieferten Maschinen nicht von denen, die beispielsweise in den USA installiert werden.

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Mehrere Optima SV 125 Maschinen sind bei Haohai für das Abfüllen und die Sekundärverpackung verschiedener Hyaluronsäure-Produkte (HA) im Einsatz. Die Anwendungsgebiete reichen von therapeutischen Arzneimitteln, die beispielsweise bei Arthrose eingesetzt werden, bis hin zu kosmetischer Medizin, etwa um Gesichtsfalten zu glätten oder Gesichtskonturen zu betonen.

Hochviskos: nur mit besonderen Funktionen

Dermalfüller auf Basis von HA sind mitunter extrem viskos, da diese so ihre modellierende Wirkung sehr lange beibehalten können. Um die variierende Viskosität bestmöglich zu beherrschen, sind verschiedene technische Funktionen entscheidend. Für alle Hyaluronsäure-Produkte von Haohai haben sich Rotationskolbenpumpen als überlegene Dosierlösung erwiesen. Als einzige sind diese in der Lage, mit starkem Druck hochviskose Arzneimittel äußerst präzise zu dosieren. Und die Füllgenauigkeit ist ein bedeutendes Kriterium berichtet Slavik. Denn die biopharmazeutisch hergestellten Arzneimittel stellen einen erheblichen Wert dar.

Am wichtigsten ist jedoch das blasenfreie Befüllen der Arzneimittel in die Fertigspritzen – ein absolutes „Muss“ für die sichere Anwendung am Patienten, so Slavik. Blasenfreie Produkte werden über vakuumbeaufschlagte Füll- und Verschließvorgänge erzielt. Spezielle Füllnadeln, die den Produktstrang abschneiden, sorgen für exakte Dosierungen und saubere Maschinen. Bei Haohai sind die Optima Maschinen in mehreren Werken immer in Reinraumklasse B-Umgebung aufgestellt. Mit Open RABS und unter Laminar Flow bestehen in der Maschine an den Füll- und Verschließstationen jeweils Reinraumklasse A-Bedingungen.

Hochviskos und 100 Prozent blasenfrei abgefüllt

Neue Anforderungen Haohais können dank der Modulbauweise der Optima SV 125 in der Regel zeitnah umgesetzt werden. Beispielsweise wurde der Automatisierungsgrad über die Jahre bei Haohai immer höher. Das liegt zum einen an den steigenden Arbeitskosten in China und zum anderen an Qualitätsaspekten. So könnten Etiketten semi-automatisch nie so präzise aufgebracht werden wie mit vollautomatischen Lösungen. Die jüngst gelieferten Anlagen beginnen mit einem automatischen Debagger und Tyvek Removal Roboter, dann folgen Füllen und Verschließen. Das sich anschließende Kolbensetzen wird bei Bedarf mit der Montage von Backstop-Devices ergänzt, und schließlich werden die Fertigspritzen noch mit Etiketten versehen und die Batch-Nummern abgeglichen.

Generell bieten die SV 125 Maschinen eine große Formatbandbreite für Füllmengen von 1 bis 20 Milliliter, die auch bei der Vakuumverarbeitung erhalten bleibt. Verarbeitet werden pro Linie Glas- und Kunststoffspritzen. Formatwechsel werden über das HMI per Knopfdruck eingeleitet. Die Erreichbarkeit der auszubauenden Teile wurde schon in der Konstruktion der Anlagen bestmöglich unterstützt. Sämtliche Arbeiten sind in rund 30 Minuten werkzeuglos erledigt. Die ausgebauten und einfach zerlegbaren Pumpen werden per Trolley zur Waschmaschine transportiert, sämtliche produktberührenden Teile werden gewaschen und anschließend im Autoklaven sterilisiert.

Die maximale Ausbringung ist beim Vakuumfüllen und –stopfensetzen vergleichsweise geringer, da diese Vorgänge Zeit beanspruchen. Bewährt hat sich in der Verarbeitung von Hyaluronsäure auch die Möglichkeit, die Füllnadelbewegung servomotorisch dem Füllstand anpassen zu können.

Die Einführung und das Verarbeiten neuer Hyaluronsäure-Produkte hat Optima für Haohai immer wieder mit Füllversuchen im hauseigenen Technikum begleitet. Wichtige Faktoren wie beispielsweise die ideale Füllnadelform können hier bestmöglich bestimmt werden. Der Service für die Anlagen von Haohai findet hingegen direkt von der Optima Niederlassung in Shanghai aus statt. Damit dies reibungslos gelingt, werden die chinesischen Optima Mitarbeiter intensiv und regelmäßig in Schwäbisch Hall geschult. Zudem sind die Service-Mitarbeiter schon bei der Montage der Anlage in Schwäbisch Hall sowie beim FAT und dann auch wieder beim SAT vor Ort eingebunden. Die chinesischen Optima Mitarbeiter kennen auf diese Weise die in Deutschland hergestellten Maschinen bis ins Detail.

Deutsch-chinesisches Teamwork

Technik und Service – das sind nur zwei Aspekte der erfolgreichen Zusammenarbeit mit Haohai. „Die gegenseitigen Beziehungen und das wachsende Vertrauen bedeutet chinesischen Unternehmen noch sehr viel mehr“, ist Slavik überzeugt. Dass diese anhält, ist keine Selbstverständlichkeit, agieren doch die asiatischen Mitbewerber zunehmend aggressiver, stellt Slavik fest.

Abschließend betont er nochmals, für wie wichtig er den regelmäßigen Austausch mit dem Kunden hält. Gerade auch dann, wenn kein konkretes Projekt ansteht. „Sicher läuft nicht immer alles glatt, auch nicht in einer so engen Kooperation. Gerade in solchen Situationen haben wir uns gemeinsam weiterentwickelt und verbessert. Von den hohen Anforderungen Haohais haben wir immer gelernt und letztlich profitiert. Erst dadurch sind wir starke Partner geworden.“ Eine Überzeugung, die auch Geschäftsführerin Yiyi Chen teilt.

Yiyi Chen (Geschäftsführerin Haohai) im Interview

In elf Jahren zum Marktführer

Wie rasant die chinesische Wirtschaft wächst, ist immer wieder erstaunlich. Besonders spannend ist es, dies an einem einzelnen Unternehmen nachzuvollziehen. Haohai hat den Aufstieg zu einem Marktführer für Produkte auf Basis von Hyaluronsäure in nur elf Jahren geschafft.

Geschäftsführerin Yiyi Chen gibt Einblicke und berichtet auch über die Zusammenarbeit mit Optima:

Yiyi Chen ist Geschäftsführerin der Shanghai Haohai Biological Technology Co.,Ltd. Als eine der ersten Mitarbeiterinnen ist sie schon seit Gründung des Unternehmens dabei. Sie ist für die Augenmedizin-Division, die Investor Relations sowie das Beschaffungswesen verantwortlich. Bei Haohai sind derzeit 1.165 Mitarbeiter beschäftigt, davon 213 im Bereich Forschung und Entwicklung sowie 339 im Verkauf.
Yiyi Chen ist Geschäftsführerin der Shanghai Haohai Biological Technology Co.,Ltd. Als eine der ersten Mitarbeiterinnen ist sie schon seit Gründung des Unternehmens dabei. Sie ist für die Augenmedizin-Division, die Investor Relations sowie das Beschaffungswesen verantwortlich. Bei Haohai sind derzeit 1.165 Mitarbeiter beschäftigt, davon 213 im Bereich Forschung und Entwicklung sowie 339 im Verkauf. (Bild: zhiyi)

Haohai ist eine bedeutende Unternehmengsgruppe. Könnten Sie uns bitte die wichtigsten Aktivitäten kurz skizzieren?

Yiyi Chen: Haohai wurde im Jahr 2007 gegründet. In den vergangenen elf Jahren haben wir uns auf die Forschung und Entwicklung in den Bereichen Orthopädie, Chirurgie, Augenheilkunde, Schönheitsmedizin und Wundheilung konzentriert. Zum Einstieg in das Business mit intraokularen Linsen (IOL) haben wir fünf in- und ausländische Unternehmen akquiriert, die unsere industrielle Fertigungskette im IOL-Bereich komplettieren und uns zu einem international agierenden biopharmazeutischen Unternehmen machen. Zudem verfügen wir über große Forschungs- und Entwicklungskapazitäten in allen Business-Units. Insgesamt – mit dem Biopolymer Chitosan, IOL und unserer vernetzten HA-Technologieplattform – haben wir derzeit 40 Produkte in der Forschungs- und Entwicklungspipeline. Seit 2008 konnten wir den Umsatz sowie den Gewinn durchschnittlich um über 30 Prozent pro Jahr steigern.

Haohai ist als einer der führenden Hersteller für Hyaluronsäure bekannt. Gibt es Zahlen, die dies verdeutlichen?

Yiyi Chen: Unsere Hyaluronsäure wird über vier unserer Business-Units verkauft und hat einen jährlich wachsenden Marktanteil. Laut Analysten haben unsere OVDs (Ophthalmic Viscoelastic Device – Anm.: Augen-Arzneimittel) in China einen Marktanteil von 46 Prozent, die Viscosupplementation (Anm.: Injektionsarzneimittel für Gelenke) einen Anteil von 36 Prozent und die Anti-Adhäsionsprodukte einen Anteil von 49 Prozent. Für die Schönheitsmedizin und die Wundheilung sind keine genauen Zahlen bekannt, da private Kliniken nicht in den Statistiken berücksichtigt werden. Jedoch zählen auch unsere HA-Dermalfüller “Matrifill” and “Janlane” zu den führenden der Branche.

Seit wann arbeiten Sie mit Optima zusammen? Erinnern Sie sich an die ersten Projekte?

Yiyi Chen: Seit Gründung von Haohai sind alle unsere OVD-, Viskosupplemations- und Anti-Adhäsionsarzneimittel in Spritzen vorgefüllte, anwendungsbereite Produkte. Zu Beginn hatten wir an unseren Standorten in Qisheng und Jinhua ausschließlich Equipment von heimischen Herstellern, das überholt und ineffizient war. Also kauften wir drei Vakuum-Füllmaschinen von Optima, und diese Entscheidung wurde mit großer Sorgfalt getroffen. Damals besuchten wir im November 2009 die Optima-Zentrale. Von den Fertigungshallen, den Maschinen, der Professionalität und Sorgfalt waren wir beeindruckt. Als wir wieder zurück waren, unterzeichneten wir den Vertrag. Aus heutiger Sicht eine sinnvolle und vernünftige Entscheidung.

Wie würden Sie die Zusammenarbeit beschreiben?

Yiyi Chen: Haohai startete als ein Unternehmen mit geringer Kapitalisierung. Dennoch war unser Ziel, mit weltweit führenden Herstellern zusammenzuarbeiten und das fortschrittlichste Equipment einzusetzen, um so erstklassige Produkte herstellen zu können. Das war ein großer Schritt in die richtige Richtung. Heute ist Haohai zu einem führenden Hersteller biopharmazeutischer Produkte aufgestiegen. Unser schnelles und solides Wachstum könnte nicht ohne die Unterstützung unserer Partner stattfinden. Im nächsten Jahr sind es zehn Jahre, die wir mit Optima zusammenarbeiten. Ich würde sagen, dass wir bereits den Schritt von der reinen Kunden-/Lieferantenbeziehung hinter uns gelassen haben. Wir haben die Chance genutzt, vom gegenseitigen Austausch zu profitieren und vom Anderen zu lernen. Unsere Kooperation hat zur beiderseitigen Entwicklung beigetragen und eine Win-win-Situation ergeben.

Was sind für Sie die wesentlichen Gründe für die sehr enge Kooperation mit Optima?

Yiyi Chen: Seit Beginn der Kooperation können wir einen enormen Anstieg in der Produktivität verzeichnen und auch unsere Produkte erfahren damit eine Aufwertung. Mit inzwischen kontinuierlicher Kommunikation erhalten wir wichtige Informationen und Anregungen. Als ein in verschiedenen Gebieten führendes Unternehmen ist das ständige Bemühen um technologische und Qualitätsfortschritte für uns essentiell für eine langfristige Kooperation. Wenn sich die eine Seite weiterentwickelt, während die andere stillsteht, könnte eine Partnerschaft nicht funktionieren. Wir möchten die Zusammenarbeit mit Optima gerne noch weiter vertiefen und gedeihen lassen.

Sind Sie der Meinung, dass die Optima Niederlassung in China für Haohai und die Kooperation wichtig ist? Welche Serviceleistungen sind für Sie entscheidend?

Yiyi Chen: Es war eine weise Entscheidung von Optima, sich auf dem chinesischen Markt gut aufzustellen. Die riesige Bevölkerungszahl, das rasante Wachstum des biopharmazeutischen Markts und die starke Unterstützung durch die staatliche Wirtschaftspolitik werden sich am Markt auszahlen. Das lokale Verkaufs- und Serviceteam ist essentiell in unserer Zusammenarbeit. Die Gründung der Niederlassung hat die Problemlösungskompetenz und die Kommunikation mit Ihrer Unternehmenszentrale ganz wesentlich befördert. Die Art wie Probleme wahrgenommen werden, die Antwortzeiten und das Angehen individueller Lösungen sind für uns außerordentlich wichtig. Daher hoffen wir, dass Optima hier noch mehr kundenorientierte Unterstützung leisten wird, was schließlich unsere Partnerschaft nochmals weiter vertieft.

Gegenseitiges Vertrauen ist die Basis einer erfolgreichen Zusammenarbeit. Würden Sie diesem Statement zustimmen?

Yiyi Chen: Vertrauen ist die Basis unserer Kooperation. Unser Vertrauen kommt ursprünglich von dem guten Ruf und dem Ansehen, den das Unternehmen Optima in der Branche genießt. Nach dieser langjährigen Kooperation führt jeder Auftrag, jede Verbesserung der technologischen Fähigkeiten zu einer Vertiefung des Vertrauens, auch indem auftretende Probleme identifiziert und gelöst und neue Erfahrungen gebündelt werden. Diese Art von Vertrauen ist unser wertvollster Besitz.

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