Suchen

Chemie-Tarifrunde 2015

Notwendige Einschränkungen oder „Spiel mit dem Feuer“

| Redakteur: Wolfgang Ernhofer

Keine Einigung in der Chemie-Tarifrunde 2015 in Kassel: Die Chemie-Arbeitgeber kündigen langen Atem an, die Arbeitnehmervertreter der IG BCE signalisieren derweilen schon kampfbereitschaft. Während die Gewerkschaft bereits die Messer wetzt, beharren die Vertreter des BAVC auf fehlendes Wachstum der Chemiebranche und mangelnde Verhandlungsspielräume.

Firmen zum Thema

Liebgewonnenes Ritual zu Beginn der Verhandlungen: Peter Hausmann, Verhandlungsführer der IG BCE, übergibt Hans-Carsten Hansen, Vertreter der Arbeitgeberseite (BAVC), eine "Wunschkonzert"-Schallplatte mit den Forderungen der Gewerkschaft in Dauerschleife.
Liebgewonnenes Ritual zu Beginn der Verhandlungen: Peter Hausmann, Verhandlungsführer der IG BCE, übergibt Hans-Carsten Hansen, Vertreter der Arbeitgeberseite (BAVC), eine "Wunschkonzert"-Schallplatte mit den Forderungen der Gewerkschaft in Dauerschleife.
(Bild: IG BCE/Christian Burkert https://www.flickr.com/photos/igbce/16011360374/in/set-72157651017508365)

Kassel; Würzburg – Déjà-vu in Kassel: Wieder einmal vergeht die erste bundesweite Runde der Tarifverhandlungen für die chemische Industrie ohne jegliche Annäherung. Sowohl Chemie-Arbeitgeber der BAVC, als auch die Arbeitnehmervertreter der IG BCE schieben sich den schwarzen Peter zu. Während die Arbeitgeber der Gewerkschaft Realitätsverlust vorwerfen, kritisieren die Verhandlungsführer der IG BCE die Verweigerungshaltung der Gegenseite.

„Sehr ordentliche Dividenden für Aktionäre, üppige Bonuszahlungen für Manager und ein paar Cents für die Belegschaften – das ist die Wunschvorstellung der Arbeitgeber. Das passt allerdings nicht zusammen. Die Gewinne werden von den Beschäftigten erarbeitet, das sind die Leistungsträger. Und das muss sich im Portemonnaie bemerkbar machen.“, kritisiert Peter Hausmann die Unbeweglichkeit der Arbeitgeber.

Bildergalerie

Bildergalerie mit 6 Bildern

BAVC-Verhandlungsführer Hans-Carsten Hansen dazu: „Die IG BCE verschließt die Augen vor den wirtschaftlichen Realitäten in den 1900 Betrieben unserer Branche. Bislang ist keine Annäherung in Sicht. Wir werden noch viel Kraft investieren müssen, um einen tragfähigen Kompromiss zu finden. Die Chemie-Arbeitgeber haben dafür einen langen Atem. Hoffentlich auch die IG BCE.“

„Die IG BCE ist kampfbereit und hat einen langen Atem.“

Die Chemie-Arbeitgeber fordern eine Rückkehr zu einer produktivitätsorientierten Tarifpolitik. Die Entgelte der Chemie-Beschäftigten seien in den zurückliegenden Jahren weit stärker angestiegen als die Produktivität. Die entstandene Kluft zwischen Produktivität und Entgelt habe die Lohnstückkosten in die Höhe getrieben und dadurch die Wettbewerbsfähigkeit des Chemie-Standorts angegriffen.

IG BCE-Verhandlungsführer Hausmann kritisiert die Blockadehaltung. Die Chemie-Konjunktur laufe stabil und robust auf hohem Niveau, die Arbeitgeber sehen dennoch nur einen minimalen Verteilungsspielraum für Entgelterhöhungen. „Mit Argumenten allein kommen wir jedoch offenkundig nicht weiter. Wir werden deshalb jetzt die Ventile öffnen und unseren Forderungen demonstrativ Nachdruck verleihen. Vor den Toren, auf den Straßen und Plätzen wird die IG BCE Flagge zeigen. Die Arbeitgeber spielen mit dem Feuer. Sie sollten wissen: Die IG BCE ist kampfbereit und hat einen langen Atem.“

Fortsetzung folgt

Die Gespräche für rund 550.000 Beschäftigte der Chemie- und Pharmaindustrie werden am 12. und 13. März in Neuss fortgesetzt. Die IG BCE fordert eine Anhebung der Entgelte um 4,8 % bei einer Vertragslaufzeit von zwölf Monaten. Außerdem will die Gewerkschaft den Tarifvertrag „Demografie und Lebensarbeitszeit“ weiter entwickeln und den Demografiefonds ausbauen.

Bildergalerie

Bildergalerie mit 6 Bildern

Dieser Beitrag ist urheberrechtlich geschützt. Sie wollen ihn für Ihre Zwecke verwenden? Kontaktieren Sie uns über: support.vogel.de (ID: 43227382)

Das könnte Sie auch interessieren SCHLIESSEN ÖFFNEN