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Abfüllen und Verpacken in der Brauerei Schützengarten

Nie mehr Stillstand beim Formatwechsel

| Redakteur: Anke Geipel-Kern

Nach dem Abfüllprozess geht´s mit Gruppieren und Verpackung weiter – bisher mit langen Ein und Auslaufstrecken. Jetzt verschmelzen die Aggregate miteinander zu einer kompakten Blocklösung, die alles kann. KHS und Schubert bieten Getränkeherstellern künftig ein Gesamtpaket für das Abfüllen und Verpacken an. Bei der Brauerei Schützengarten ist die neue Maschine zum ersten Mal im Einsatz. Die Geschäftsleitung ist hoch zufrieden – Formatwechsel wird zum Kinderspiel.

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Produktschonendes Handling ist bei empfindlichen Produkten und Verpackungen Voraussetzung – die Roboter von Schubert sind durch ihre Greiftechnik optimal für diese Aufgaben ausgelegt.
Produktschonendes Handling ist bei empfindlichen Produkten und Verpackungen Voraussetzung – die Roboter von Schubert sind durch ihre Greiftechnik optimal für diese Aufgaben ausgelegt.
( Bild: Frieder Daubenberger Photography )

Die Traditionsbrauerei Schützengarten ist nicht nur in der Schweiz wegen ihrer einfallsreichen Bierspezialitäten beliebt. Neben zahlreichen verschiedenen Gebinden, Gebindegrößen und Verpackungsformen sticht das Unternehmen auch durch Individualflaschen und spezielle Flaschenformen mit Prägung aus der Masse hervor.

Obwohl die 1779 gegründete Brauerei Schützengarten die älteste Brauerei der Schweiz ist, nutzt das Unternehmen modernste Technologie, um charaktervolle Produkte herzustellen, deren Qualität internationales Spitzenniveau hat.

Wachsende Kundenansprüche

Zu diesem Anspruch gehört ein breites Sortiment an vielfältigen Bierspezialitäten: Je nach Biersorte kommen auch exotischere Zutaten zum Einsatz. Dem Brown Ale etwa verleiht Wacholder ein besonderes Aroma. Das Radler erhält durch einen Edelweißextrakt eine feine Kräuterbitternote, die den frischen Zitrusgeschmack des Biermischgetränks komplementiert.

Und für ihr Chocolate Sweet Stout verwenden die Schweizer sogar Kakao aus Trinidad. Den Löwenanteil am Umsatz erzielt nach wie vor das Traditionsbier Schützengarten Lager Hell. Seit der Gründung ist Schützengarten eigenständig und beschäftigt aktuell etwa 220 Mitarbeiter. Die jährlich erzeugten rund 175 000 Hektoliter verschiedener Biersorten fließen zu einem großen Teil ins Gastgewerbe. Hinzu kommen 130 000 Hektoliter an Handels­produkten von Wasser über Qualitätsweine bis hin zu Champagner. Ebenso vielseitig wie das Produktsortiment sind die Endverpackungen: Neben Vierer-, Sechser- und Achterpacks sind auf dem Schweizer Markt 10er- und 18er-Packs gefragt. Für spezielle Aktionen mit einzelnen Handelsketten werden auch Zwölfer- oder 15er-Kartons produziert. Der klassische Bierkasten steht natürlich auch auf dem Programm. „Die Zahl der Verpackungsvarianten ist in den letzten Jahren förmlich explodiert – wir können uns den Zwängen des Marktes nicht entziehen“, erklärt Dr. Martin Ketterer, Technischer Direktor und Mitglied der Geschäftsleitung bei Schützengarten.

Multifunktionales Unikat

Der auf die Abfüllanlage folgende Trockenteil ist von besonderer Bedeutung dafür, derartig komplexe Verpackungsaufgaben erfüllen zu können – hier werden die Flaschen gruppiert und verpackt, hier erhält das besondere Angebot durch die Endverpackung sein individuelles Gesicht. Deshalb investierte das Unternehmen in eine neue Linie mit einem modernen Trockenteil: eine von KHS und Schubert entwickelte, multifunktionale Anlage, die es so auf dem Markt noch nicht gab, bestehend aus einem KHS-Einpacker und einer TLM-Anlage von Schubert.

Der Auftrag der Schweizer Brauerei umfasste neben einem Aus- und Einpacker, einen Binder und Entbinder sowie eine kombinierte Be- und Entpalettierung und einen Neuglasabräumer. Teil der Linie sind außerdem ein Palettenwickler, eine Kastenwaschanlage sowie ein automatisiertes Kastenmagazin zur Pufferung von Kunststoffkästen. Die neue Anlage erreicht eine Leistung von 25 000 bis 35 000 Flaschen in der Stunde. Dabei bleiben bei der Formatvielfalt keine Wünsche offen: Neben sechs verschiedenen Kunststoffkisten für die Mehrwegflaschen verpackt Schützengarten auf der neuen Anlage verschiedene Kartonformate mit Mengen von sechs bis 18 Flaschen.

Bereits in der Vergangenheit hat KHS klassische Produktionslinien zur Verarbeitung von Baskets und/oder Clusterpacks angeboten. Hier wurden einzelne Maschinen durch Transporteure miteinander verbunden. Bei der neuen Blocklösung werden die einzelnen Module ohne zusätzliche Transporteinheiten zusammengefügt und bilden eine kompakte Einheit. „Durch die langjährige Erfahrung von KHS beim Design von Abfüllanlagen und die Kompetenz der Schubert-Gruppe in der Endverpackung unterschiedlichster Produkte, können wir der Getränkeindustrie eine besonders flexible Lösung, bestehend aus bewährten Standardkomponenten beider Unternehmen bieten“, so Kanellos Tzinieris, der Fachmann für die Getränkeindustrie im Vertrieb von Schubert.

Der Verpackungsblock ermöglicht dank seines modularen Aufbaus die hohe Flexibilität, die zur Bewältigung der Produktvielfalt erforderlich ist. „Wir bieten platzsparende Lösungen, die sich flexibel erweitern lassen, wenn die Produktion gesteigert wird oder die Formate und Produktzusammenstellungen sich ändern sollten. Damit können die Kunden schnell auf sich verändernde Anfragen reagieren, ohne gleich in eine neue Linie investieren zu müssen“, erklärt Peter Gabriel, Geschäftsführer der Gerhard Schubert GmbH Verpackungsmaschinen, der für die strategische Planung der Kooperation verantwortlich zeichnet. Derzeit werden auf der geblockten Anlage elf verschiedene Flaschenformate verpackt, davon sieben Mehrweg- und vier Einwegflaschenformate.

Schnelle Schienenverbindung

Die mechanische Verbindung zwischen dem Einpacker von KHS und den Modulen von Schubert wird in diesem Fall über den Transportroboter Transmodul hergestellt. Das Transmodul fährt in die Einpackmaschine von KHS. Dank induktiver Energieversorgung und der Übertragung von Daten und Signalen mittels Funk kann sich das Transmodul frei bewegen. „Ohne das Transmodul wäre das Verschmelzen unserer Anlagen nicht machbar“, erläutert Kanellos Tzinieris. Im ersten TLM-Modul werden die Kartonagen aufgerichtet, verklebt und auf dem Transmodul abgesetzt. Der Transportroboter befördert diese dann in das Packmodul von KHS. Hier werden die Flaschen in der jeweils benötigten Menge automatisch in die Kartons eingesetzt. Anschließend gelangen die befüllten Kartons auf dem Transmodul zu den TLM-Verschließmodulen, in der F2-Roboter sie verschließen.

„Die Verblockung der Komponenten von KHS und Schubert macht lange Transportstrecken und eigene Ein- und Auslaufstrecken überflüssig“, beschreibt Lutz Müller, bei KHS Sales Manager für die Schweiz, die kompakte Bauweise der Maschine und ergänzt: „Dadurch reduzieren sich Wartung, Verschleiß und Energieverbrauch. Außerdem kann ein einzelner Angestellter diese kompakte Anlage bedienen.“ Für einfache Bedienbarkeit sorgen dabei die austauschbaren Formatwerkzeuge, die es ermöglichen, immer mit den gleichen Einstellungen zu produzieren. Das verkürzt die Umstellzeiten auf weniger als 15 Minuten.

Doppelte Linienleistung

Dank dieser Verpackungsblocklösung kann Schützengarten nun bei engsten Raumverhältnissen die volle Kapazität seines Füllers nutzen. Die Linienleistung wurde dadurch im Vergleich zu der bisher eingesetzten Verpackungslösung nahezu verdoppelt. Die Verpackungsanlage kann sowohl Kisten als auch in Zukunft Baskets, Cluster und weitere Kartonage-Varianten packen. „Der Verpackungsblock eröffnet uns viele neue Möglichkeiten. Wir sind für die Zukunft bestens aufgestellt und haben dabei etablierte Partner an Bord“, ist Ketterer überzeugt. Das gemeinsame Projekt mit der Brauerei Schützengarten ist erfolgreich gestartet. Mittlerweile sind drei weitere Aufträge im Haus. Weitere werden folgen, denn das Konzept ist für Abfüller zukunftsweisend und verspricht große Chancen für Getränkehersteller.

* Kontakt zu Gerhard Schubert: Tel. +49-7951-400-201

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