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Bioverfahrenstechnik Neues Science-to-Business-Center bei Degussa für Weiße Biotechnologie

Redakteur: Anke Geipel-Kern

Die industrielle Biotechnologie ist längst ein ernstzunehmender Wirtschaftsfaktor geworden und die Biokatalyse auch für die Chemiebranche eine wichtige Option für neue Verfahren und Prozesse. In seinem neuen Science-to-Business-Center Bio will deshalb Degussa die industrielle Umsetzung vielversprechender Ansätze weiter vorantreiben.

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Die im neuen Center angewendeten Entwicklungsverfahren basieren auf Biokatalyse, Fermentation und Zellkulturprozessen – nutzen also alle drei Säulen der Biotechnologie. Im Bild: Prof. Dr. Andreas Pinkwart, Minister für Forschung und Technologie des Landes Nordrhein-Westfalen.
Die im neuen Center angewendeten Entwicklungsverfahren basieren auf Biokatalyse, Fermentation und Zellkulturprozessen – nutzen also alle drei Säulen der Biotechnologie. Im Bild: Prof. Dr. Andreas Pinkwart, Minister für Forschung und Technologie des Landes Nordrhein-Westfalen.
( Archiv: Vogel Business Media )

Wer noch vor ein paar Jahren Biotechnologie und chemische Syntheseverfahren in einem Atemzug nannte, erntete höchstens Schulterzucken und die Bemerkung: „Biokatalyse sei etwas für die Wirkstoffsysnthese“. Heute hat die industrielle Biotechnologie ihr Nischenimage abgestreift. In der Feinchemie sind etwa bei der Herstellung der Aminosäure Prolin bereits ganze Synthesewege auf biokatalytische Verfahren umgestellt worden. Auch die aktuelle Studie der DB Research sieht die industrielle Biotechnologie in Deutschland auf Wachstumskurs. Bis 2015 rechnen die Experten mit einer Umsatzzunahme von zehn Prozent jährlich, damit liegt die Zuwachsrate deutlich über der für die gesamte Chemieindustrie prognostizierten, die mit drei Prozent veranschlagt wird.

Konsequent seztzt man Degussa auf Biotechnologie

Konsequent wie kaum ein anderes Unternehmen der Branche setzt die RAG-Tochter Degussa auf die industrielle Biotechnologie. „In Weißer Biotechnologie kompetent zu sein, ist heute für uns und für die chemische Industrie ein entscheidender Wettbewerbsfaktor“, erklärt Dr. Alfred Oberholz, Stellvertretender Vorsitzender der Degussa-Geschäftsführung und zuständig für Forschung und Entwicklung. Der Feinchemiekonzern hat sich in den letzten Jahren solide Kompentenzen im Bereich Bioprozesse aufgebaut, u.a. durch die beiden Projekthäuser ProFerm und Biotechnologie. Kürzlich hat das Spezialchemie-Unternehmen im Industriepark Marl das Science-to-Business-Center Bio eröffnet, in dem 60 Mitarbeiter gemeinsam mit Partnern aus der Industrie und der Hochschule neue biotechnologische Prozesse auf Basis nachwachsender Rohstoffe entwickeln werden. 5o Millionen Euro investiert Degussa innerhalb der nächsten fünf Jahre in das Center, das Land Nordrhein-Westfalen schießt noch einmal zwölf Millionen Euro dazu, das BMBF sieben Millionen Euro.

Das Konzept des mittlerweile bereits zweiten Science-to-Business-Centers ist ebenso einfach wie bestechend: Kurze Wege und niedrige Hierachien. Alle Forschungs- und Entwicklungsschritte sind entlang der Wertschöpfungskette unter einem Dach vereint – von der Grundlagenforschung über die Produktentwicklung bis hin zur Pilotproduktion. Aber auch die Konzernvorgaben sind ambitioniert: Bis 2008 müssen Umsätze erkennbar sein. Zwei Jahre später sollen die dazugehörigen Verfahren stehen.

Biotechnologie als Schlüssel für neue Verfahren

Oberholz sieht die Weiße Biotechnologie als eine der Schlüsseltechnologien. Mit ihrem Werkzeugkasten könne man nicht nur klassische petrochemische Verfahren ersetzen, sondern auch Produkte mit völlig neuen Eigenschaften entwickeln. Damit öffne sich für Degussa die Tür zu neuen Geschäften in wichtigen Märkten. Einer ist die Kosmetikindustrie – hier stehen neue Wirk- und Inhaltsstoffe für Cremes im Fokus. Weitere Schwerpunkte sind Oberflächenbeschichtungen und Drug Delivery-Systeme für den Transport von Wirkstoffen. Großes Potenzial sieht Oberholz in der Umstellung erdölbasierter Syntheseverfahren auf nachwachsende Rohstoffe.

Gründe für den Wunsch nach Alternativen gibt es genug: Zum einen macht der schwankende Ölpreis mittlerweile Verfahren wirtschaftlich, die sich bisher nicht rechneten, und zum anderen hat die Chemie erkannt, dass sich mit Verweis auf Ökoeffizienz und Nachhaltigkeit manches besser vermarkten lässt. Aktuelles Beispiel für den Einsatz nachwachsender Rohstoffe bei Degussa ist ein Kraftstoffadditiv, das als Antiklopfmittel Bioethanol beigemischt wird. Seit 2005 entstehen in Marl 250 000 Tonnen pro Jahr.

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