Explosionsschutz Neue Normen für den Explosionsschutz

Autor / Redakteur: Dipl.-Ing. (FH) Dieter Maisch / Anke Geipel-Kern

Zur Angleichung der Rechtsvorschriften der Mitgliedstaaten der EU haben das Europäische Parlament und der Rat der EU für viele Fachgebiete Richtlinien erlassen. Details sind in der Regel in Normen festgelegt. Der Bericht gibt einen Überblick über die neuen Normengenerationen beim Explosionsschutz und wirft einen Blick in die Zukunft.

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( Archiv: Vogel Business Media )

Für Produkte aus der Fluidbranche können z.B. die Maschinen-, die Niederspannungs-, die EMV-, die Druckgeräte- und die Explosionsschutz-Richtlinie (Atex-Richtlinie) relevant sein. Die Atex-Richtlinie sieht vor, dass derjenige, der ein Produkt in den Markt einführt – meist der Hersteller, es kann aber auch ein in der EU ansässiger Bevollmächtigter sein – eine EG-Konformitätserklärung nach Richtlinie 94/9/EG (Atex 95) erstellt. Als äußeres Zeichen hierzu bringt er auf Geräten das CE-Zeichen an, zusammen mit der Kennnummer der benannten Stelle, welche die Qualitätsprüfung durchgeführt hat, quasi wie einen Stempel zur Bestätigung.

Um eine solche Konformitätserklärung erstellen zu können, muss natürlich zuvor eine Risikobewertung und Prüfung samt Dokumentation des Produkts anhand der zutreffenden, vorzugsweise harmonisierten Normen erfolgen. Harmonisierte Normen genießen den Status des anerkannten aktuellen Standes der Technik; ihre Anwendung führt daher direkt zur „Vermutung der Konformität“ mit der Atex-Richtlinie.

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Internationale Normen

Wie andere Normen auch, so werden die Explosionsschutznormen laufend verfeinert, erweitert und dem technischen Fortschritt angepasst. Insbesondere die IEC-Normenorganisation hat hier in den vergangenen Jahren international anerkannte Standards weiterentwickelt. Daraus entstand das IECEx-Scheme mit dem Ziel, weltweit gleiche Anforderungen an die Beschaffenheit von Geräten, Komponenten und Schutzsystemen zu schaffen und so auch weltweit Ex-Zulassungen zu organisieren. In dieser Organisation sind mittlerweile mehr als 30 Prüfstellen aus allen wichtigen Industrieländern akkreditiert. Sie beteiligen sich am Normengebungsverfahren und können IECEx-Zertifikate herausgeben. Auch Norgren hat einige Ventilmagnete bereits nach dem IECEx-Scheme zertifizieren lassen. Diese Zulassungen werden allerdings bisher erst in Australien und Neuseeland anerkannt.

Im Hinblick auf das Ziel, weltweit einheitliche Normen zu schaffen, wurde vereinbart, dass die europäische Normenorganisation für Elektrotechnik Cenelec die IEC-Normen gerade für den Explosionsschutzbereich übernimmt, und zwar sowohl für den Bereich der brennbaren Gase als auch der brennbaren Stäube. Aber auch die Normen für den Explosionsschutzbereich nicht-elektrischer Geräte werden in Angriff genommen.

So entsteht für die EU eine neue Normengeneration, die sich äußerlich schon an der Benummerung erkennen lässt. Die bisherigen Normen für die grundlegenden Anforderungen sowie für die verschiedenen Zündschutzarten waren hauptsächlich im Nummernbereich EN 50 0XX angesiedelt; die neuen Normen werden im Nummernbereich EN 60 079-X für Gase geführt, für Stäube im Bereich EN 61 241-X und sind damit identisch mit der IEC-Benummerung.

Ex-Kennzeichnung

Im Zuge der Normenübernahmen von IEC wird auch die Kennzeichnung der Produkte geändert in „Ex“; bisher „EEx“, wobei das erste E auf den europäischen Explosionsschutz hingewiesen hatte zur Unterscheidung vom amerikanischen Explosionsschutz mit AEx (NEC 505).

Bisher war die Möglichkeit des Einsatzes von Geräten in den verschiedenen Gefahrenzonen bzw. die Gerätekategorie, welche die Risikoklasse bzw. die Anforderungshöhe der Produkte widerspiegelt, aus der Ex-Kennzeichnung nicht direkt ablesbar. Man musste wissen, welche Zündschutzart für welche Zone einsetzbar ist. Das soll zukünftig möglich sein.

Bei der Zündschutzart „Eigensicherheit“ für den Gas-Ex-Schutz gibt es zwar schon lange die Unterscheidung in Ex ia und Ex ib für die Einstufung in Kategorien, die ihrerseits wiederum die Zuordnung zu den Ex-Zonen erkennen lassen, es wird aber künftig noch Ex ic für die Kategorie 3 eingeführt werden. Diese ersetzt dann die heutige Zündschutzart EEx nL aus der alten Norm EN 50 021. Bei der Zündschutzart „Vergusskapselung“ Ex m wurde inzwischen die Unterteilung in Ex ma und Ex mb nach den gleichen Kriterien eingeführt. Bei der neuen Kennzeichnung von Staub-Ex-Geräten wird sogar die Zonen-Nummer direkt ausgewiesen.

Die Zuordnung der Kategorien und Kennbuchstaben ist aus der Tabelle ersichtlich. Für die weitere Zukunft ist die Einführung von Betriebsmittel-Schutzgraden – so genannte EPL (Equipment Protection Level) – geplant, unter Verwendung eben wieder dieser Buchstaben a, b und c.

Kritisch anzumerken ist, dass durch das Paket der Kennzeichnungsänderungen (es werden noch weitere kommen) folgenschwere Verwechslungen nicht auszuschließen sein werden, werden doch einige gleiche Buchstaben – zwar unterschieden in Groß- und Kleinschreibung – verwendet, die dann aber ganz unterschiedliche Bedeutung haben: Es kommt darauf an, an welcher Stelle sie stehen.

Anpassung an neue Normen

Die Atex-Richtlinie sieht vor, dass nach Erscheinen einer neuen Norm ein bereits zertifiziertes Produkt hinsichtlich der Anforderungen der neuen, dann harmonisierten Norm überprüft wird, woraus sich unter Umständen Maßnahmen ergeben können. Nach einer Übergangszeit verliert dann die alte Norm ihre Gültigkeit, und damit entfällt deren Konformitätsvermutung. Experten gehen davon aus, dass neue Ausgaben von Normen alle drei bis fünf Jahre erscheinen werden. Die Verantwortlichkeit für die Überprüfung liegt beim Hersteller.

Dazu gibt es mehrere Szenarien. Im einfachsten Fall haben neue Normenausgaben keine Auswirkung auf das Produkt, abgesehen von der Kennzeichnungsänderung. Im schwierigsten Fall muss das Produkt an neue Anforderungen konstruktiv angepasst werden, was dann auch prüftechnische Nachweise zur Folge haben kann. So wurde z.B. die Energiegröße bei der Schlagprüfung von Kunststoffgehäusen nach der Alterung für Kategorie-3-Geräte heraufgesetzt. Bei Zulassungen von Geräten der Kategorie 1 und 2 ist die Prüfstelle mit einzubeziehen, denn der Hersteller kann seine Konformitätserklärung in diesen Fällen nur auf der Basis einer EG-Baumusterprüfbescheinigung erstellen. Und diese sollte natürlich ebenfalls auf dem neuesten Stand der Vorschriften sein.

Kunden und Anwender von Geräten für den Einsatz in explosionsgefährdeten Bereichen sind darauf angewiesen, diese immer mit aktuellen Zertifikaten geliefert zu bekommen, um sie in ihrem Explosionsschutzdokument, das für jede Ex-Anlage zu erstellen ist, korrekt aufnehmen zu können (Richtlinie 1999/92/EG).

Bereits installierte ältere Geräte in Anlagen müssen jedoch dann nicht ersetzt werden, wenn sie zum Zeitpunkt des Inverkehrbringens den Anforderungen der damaligen harmonisierten Normen entsprochen haben. Nur in ganz seltenen Fällen könnte ein Geräteaustausch notwendig werden, nämlich dann, wenn sich der sicherheitstechnische Erkenntnisstand in einer Normenneuausgabe wesentlich geändert haben sollte.

Der Autor ist Mitarbeiter der Norgren GmbH, Fellbach.

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