Magnetgekuppelte Kreiselpumpen Neue Generation magnetgekuppelter Kreiselpumpen – durchdacht bis ins kleinste Detail

Autor Dr. Jörg Kempf

In der Welt der Prozesstechnik steht das Arbeitstier Pumpe bei manchem im Ruf, nicht unbedingt über das größte Innovationspotenzial zu verfügen. Völlig zu Unrecht! Es ist beeindruckend, an welchen Stellschrauben beispielsweise die Tüftler bei Sondermann gedreht haben, um ihre neue magnetgekuppelte Kreiselpumpe Magson noch sicherer und effizienter beim Fördern hochaggressiver Medien zu machen.

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Die Magson gibt es neben der normalsaugenden Ausführung MA (links) auch in der selbstansaugenden Ausführung MAS mit integriertem Ansaugbehälter.
Die Magson gibt es neben der normalsaugenden Ausführung MA (links) auch in der selbstansaugenden Ausführung MAS mit integriertem Ansaugbehälter.
(Bild: Stefan Mesitschek/Sondermann)

Eine neue dichtungslose, magnetgekuppelte Kreiselpumpe? Das klingt zunächst einmal nicht unbedingt spannend – schließlich ist die Technologie bestens bewährt. Der Innovationsgrad dürfte sich auf einer Skala von 0 bis 10 bestenfalls im Mittelfeld bewegen … Wer so denkt, hat die Rechnung ohne die Spezialisten von Sondermann gemacht. Das Unternehmen bringt in diesem Frühjahr seine neue magnetgekuppelte Kreiselpumpe Magson auf den Markt – Premiere ist auf der Hannover Messe – und hat bei der Entwicklung den Beweis angetreten, was man aus einer mehr oder weniger ausgereizten Technologie noch alles rausholen kann.

Hier haben wir alle Innovationen der neuen Magnetkupplungspumpe für Sie zusammengestellt:

Das Erfolgsrezept verrät Vertriebsleiter Christian Vogt: „Wir haben jedes, wirklich jedes einzelne Teil genau unter die Lupe genommen und analysiert, wie wir es im Sinne des Anwendernutzens verbessern können.“ Dabei konnten die Kölner Pumpenexperten aus ihrem reichhaltigen Erfahrungsschatz schöpfen – die erste magnetgekuppelte Kreiselpumpe der Marke Sondermann wurde bereits 1961 auf den Markt gebracht. „Nicht zuletzt aus den unzähligen Reparaturfällen kennen wir die Schwachstellen genau. Wir wissen, was an einer Magnetkupplungspumpe häufig kaputt geht, darauf konnten wir aufsetzen“, erklärt Vogt.

Im Fokus standen die Kriterien Sicherheit, Zuverlässigkeit, Effizienz und Flexibilität sowie die Life-Cycle-Kosten, angefangen bei den Lagerhaltungskosten bis hin zu den Reparaturkosten im Schadensfall. Ergebnis der akribischen Entwicklungsarbeit von gerade einmal einem knappen Jahr ist ­eine Reihe intelligenter Detail­lösungen, die in Summe „neue Maßstäbe beim Fördern hochaggressiver Medien bei kritischen Betriebs­zuständen setzen“, ist Vogt überzeugt (eine Übersicht aller Detailverbesserungen bietet die Bildergalerie oben).

Maximale Sicherheit und Zuverlässigkeit

Für maximale Sicherheit hat Sondermann zusätzlich zu den bisherigen Werkstoffen PP (Polypropylen) und PVDF (Polyvinylidenfluorid) jetzt auch ETFE (Ethylen-Tetrafluorethylen) für alle medienberührten Teile (Gehäuse, Spalttopf und Laufrad-Magneteinheit) im Programm. ETFE zeichnet sich durch seine universelle chemische Beständigkeit aus. So lassen sich jetzt z.B. Schwefelsäure und Natronlauge mit ein und derselben Pumpe fördern – ein K.-o.-Kriterium für PP und PVDF.

Ein Motorwechsel im Schadensfall ist jetzt bei geschlossenem System möglich (ab Baugruppe 4). Bei den Wechselstrommotoren verhindert standardmäßig ein Thermoschutz Schäden bei Motorüberlastung. Optional schützt ein elektronisches Überwachungssystem die Pumpe vor Trocken- und Heißlauf sowie vor Überlast.

In Sachen Zuverlässigkeit ist insbesondere die Kunststoffummantelung des Innenmagneten (dem teuersten Bauteil einer Magnetkupplungspumpe) ohne Glasfaserverstärkung zu nennen. Dies erhöht die Beständigkeit deutlich, da die Glasfasern Keimzellen für chemische Angriffe und damit die Zerstörung des Innenmagenten sind.

Austauschbare Einzelteile wie das Gleitlager mit Kunststoffummantelung und die Achsaufnahme mit spezieller Flüssigkeitsführung zur Kühlung der Gleitlagerung (beides ab Baugruppe 4) minimieren die Schäden im Falle einer Mangelschmierung und senken die Reparaturkosten.

Wie Sie vom Baukastenprinzip der Magson profitieren, erfahren Sie auf der nächsten Seite.

Maximale Flexibilität und Effizienz

Für flexible Anschlussmöglichkeiten stehen Gewindeadapter und Losflansche zur Verfügung, während IEC-Normmotoren eine weltweit schnelle Verfügbarkeit gewährleisten. Auch für den Frequenz­umrichterbetrieb sind die Pumpen gerüstet: So sind die Drehstrommotoren standardmäßig mit Kaltleiter ausgestattet.

Bildergalerie

Um den Wirkungsgrad zu verbessern und den Energieverbrauch zu senken, haben sich die Entwickler Großpumpen im Abwasserbereich als Vorbild genommen und die hier eingesetzten strömungstechnisch optimierten Spiralgehäuse jetzt auch erfolgreich auf die Magnetkupplungspumpen angewandt. Eine optimierte saugseitige Flüssigkeitsführung wirkt der Kavitation entgegen.

In Verbindung mit Frequenzumrichtern, die wahlweise auf dem Motor oder an der Wand montiert werden können, lässt sich die Effizienz nochmals steigern.

Einfacher Aufbau im Baukastenprinzip

Das Baukastenprinzip der Magson (siehe Bildergalerie oben, Bild 3) verschlankt nicht nur die Produktion, sondern vereinfacht und beschleunigt auch die Ersatzteilversorgung: Im Bedarfsfall lassen sich viele Teile leicht austauschen, die Ausfallzeiten sinken. Weiterer Vorteil: „Bisher war die Variantenzahl sehr hoch“, weiß Vogt, „für jede Motorleistung benötigte man z.B. einen anderen Antriebsmagneten. Nun gibt es nur noch einen Antriebsmagnet für alle Baugrößen mit gleichem Motor.“ Des Weiteren umfasst der Baukasten die gleiche Achse und das gleiche Lager für alle Pumpen der Baugruppe 4 bis 6 und den gleichen Spalttopf bei gleicher Baugruppe. „Dies reduziert die Lagerhaltungskosten beim Kunden erheblich“, so Vogt.

Normalansaugend und selbstansaugend

Die normalsaugende Magson MA ist in fünf Baugruppen (BG) erhältlich:

  • MA BG2: Volumenstrom bis 80 l/min, Förderhöhe bis 8 mWS
  • MA BG3: Volumenstrom bis 100 l/min, Förderhöhe bis 15 mWS
  • MA BG4: Volumenstrom bis 220 l/min, Förderhöhe bis 14 mWS
  • MA BG5: Volumenstrom bis 320 l/min, Förderhöhe bis 18 mWS
  • MA BG6: Volumenstrom bis 510 l/min, Förderhöhe bis 30 mWS

Ergänzt wird die neue Produktlinie durch die selbstansaugende Variante MAS zum Fördern besonders kritischer Medien, beispielsweise aus doppelwandigen Tanks von oben. Die MAS ist zudem für eine begrenzte Zeit trockenlaufgeeignet und kann daher auch zum restlosen Entleeren von Tanks verwendet werden.

Besonderer Clou: Die Magson MA und MAS sind bis auf das Gehäuse identisch aufgebaut. Daher lässt sich jede MA (ab Baugruppe 4) mithilfe des Pumpengehäuses mit integriertem Ansaugbehälter in eine selbstansaugende Kreiselpumpe verwandeln (siehe Bildergalerie, Bild 4).

Wo kommen die neuen magnetgekuppelten Kreiselpumpen Magson zum Einsatz? Das erfahren Sie auf der nächsten Seite.

Von der Galvanik bis zum Blockheizkraftwerk

Zum Einsatz kommen die Pumpen überall dort, wo hochaggressive, ätzende und korrosive Medien, insbesondere Säuren und Laugen, gefördert werden müssen: in den Entfettungsbädern der Galvanotechnik sowie im Solar- und Leiterplattenbau, bei der Abfüllung und Formulierung von Chemikalien sowie bei Reinigungsprozessen in der Lebensmittelindustrie.

Ein weiteres wichtiges Anwendungsfeld sind Prozesse in denen die hermetische Dichtheit ausschlaggebend ist. Dies ist in geschlossenen Systemen der Fall, wo mit Über- oder Unterdruck gearbeitet wird. Ein Beispiel sind Energierückgewinnungsanlagen, die angesichts der aktuellen Energiediskussionen zunehmend an Bedeutung gewinnen. Auch Medien, die zur Kristallisation neigen, sind das Metier der leckfreien Magnetkupplungspumpen. Bei Pumpen mit Gleitringdichtungen, die per se eine geringe – für die Schmierung wichtige – Leckage aufweisen, sind hier Schäden vorprogrammiert.

Last but not least eröffnet ihre Wartungsfreiheit den magnetgekuppelten Pumpen wichtige Einsatzgebiete, so beispielsweise in Blockheizkraftwerken, wo – direkt vom Verbrennungsmotor angetrieben – die verschleißfreien Pumpen als Dauerläufer gefragt sind.

Sie möchten sich selbst von den technischen Neuerungen der neuen Magnetkupplungspumpe überzeugen? Auf der Hannover Messe 2017 (24.–28. April) bietet sich die Gelegenheit dafür: Halle 6, Stand B40.

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