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Großanlagenbau Neue Anbieter aus Schwellenländern erhöhen den Wettbewerbsdruck im Großanlagenbau

| Redakteur: Anke Geipel-Kern

Der Wettbewerb im Großanlagenbau verschärft sich, denn die asiatischen Schwellenländer bedrängen die etablierten Unternehmen. Außerdem müssen weniger Projekte künftig auf mehr Unternehmen verteilt werden.

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China ist für deutsche Chemieunternehmen, wie die BASF, nicht nur ein wichtiger Investitionsstandort, sondern zunehmend auch ein Konkurrent für den deutschen Großanlagenbau. Chinesische Anlagenbauer drängen auf den Weltmarkt vor. (Bild: BASF)
China ist für deutsche Chemieunternehmen, wie die BASF, nicht nur ein wichtiger Investitionsstandort, sondern zunehmend auch ein Konkurrent für den deutschen Großanlagenbau. Chinesische Anlagenbauer drängen auf den Weltmarkt vor. (Bild: BASF)

Die etablierten Großanlagenbauer – Unternehmen aus den USA, Australien, Japan und Westeuropa (u.a. Deutschland, Frankreich, Italien und Skandinavien) sehen sich einer neuen Situation gegenüber: Neue Wettbewerber aus asiatischen Schwellenländern wie China und Südkorea, die vorher überwiegend national oder gar in völlig anderen Segmenten tätig waren, haben die Phase knapper Ingenieurkapazitäten genutzt, um sich im internationalen Anlagenbaumarkt zu etablieren. Noch decken Großanlagenbauer der genannten Länder rund 75 Prozent des weltweiten, am Markt zugänglichen Bedarfs an Anlagen für die Grundstoffproduktion sowie an Kraftwerken ab, doch die Marktanteile schrumpfen.

China holt auf

Anlagenbauer aus der Volksrepublik China drängen bereits seit der Jahrtausendwende verstärkt auf den Weltmarkt und konnten ihre Position in den vergangenen Jahren spürbar ausbauen. Regional betrachtet sind sie in Südost- und Südasien (z.B. Pakistan, Vietnam), in Afrika (z.B. Angola, Libyen, Nigeria, Sudan), Südamerika (z.B. Brasilien) und den Golfstaaten (z.B. Iran) präsent, zunehmend auch in Russland und in ersten Ansätzen sogar in den USA. Chinesische Firmen bieten dabei immer häufiger auch schlüsselfertige Anlagen an: Beispiele sind Kohlevergasungs- und -verflüssigungsanlagen, Kokereien und selbst Raffinerien. Diese Anlagen arbeiten in Bezug auf Energieverbrauch und Ressourceneinsatz zwar deutlich weniger effizient als ihre westlichen Gegenstücke. Aber dennoch werden sie v.a. von finanzschwachen Kunden bestellt, deren Kaufentscheidung überwiegend durch die anfänglichen Investitionskosten (Capex) und nicht durch die Betriebskosten (Opex) beeinflusst wird.

Die Erfahrungen mit chinesischen Anlagenbauern sind allerdings gemischt, wie ein aktuelles Beispiel aus Brasilien zeigt. Dort gelang es dem chinesischen Mischkonzern Citic nicht, eine Kokerei termin- und qualitätsgerecht an den Kunden zu übergeben. Mittlerweile wird das Projekt von einem deutschen Wettbewerber zu Ende gebracht.

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Deshalb ist China so erfolgreich

China verfügt über ein leistungsfähiges staatliches System der Exportkreditversicherung, das bezüglich Länderrisiken, Laufzeiten und Umweltstandards nicht an den OECD-Konsensus gebunden ist und heimischen Firmen somit günstigere Konditionen anbieten kann. Solange es nicht gelingt, China in die bewährte Disziplin des Konsensus einzubinden, wird der Wettbewerb auch dadurch zukünftig verzerrt bleiben. Da der Industrieanlagenbau für China eine strategische Schlüsselindustrie ist, erhält die Branche politische Unterstützung durch Steuer-, Zoll- und Kreditprivilegien. Hinter dieser Subventionierung steht das 2002 in der „Nationalen Strategie für Industrietechnologie“ formulierte Ziel, sich im Sektor der großen technischen Anlagen dem fortschrittlichsten Technologieniveau im Ausland anzunähern oder dieses zu erreichen. Es ist daher nicht davon auszugehen, dass chinesische Anlagenbauer infolge von Fehlleistungen aus dem Markt ausscheiden müssen. Vielmehr werden sie in den kommenden Jahren dank fortgesetzter staatlicher Förderung und mit verbesserter Abwicklungskompetenz zu weiterhin günstigen Konditionen anbieten können und den Preisdruck damit verstärken.

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