Sicherheitsschrank Neu entwickelter Fass-Schrank für die aktive Lagerung brennbarer Flüssigkeiten

Autor / Redakteur: Christan Völk / Anke Geipel-Kern

Suchen Sie ein Lagersystem, in dem Sie am Arbeitsplatz auf brennbare Flüssigkeiten Zugriff haben? Ein neuer, belüfteter Sicherheitsschrank nimmt ein 200-Liter-Fass auf und ermöglicht die permanente Entnahme.

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Die Abluftüberwachung mit integriertem Lüfter ist einfach zu installieren.
Die Abluftüberwachung mit integriertem Lüfter ist einfach zu installieren.
( Bild: Düperthal )

Frage: Wie kann ein Sicherheitsschrank Karriere machen? Antwort: durch den Einbau eines Lüftungssystems und ein paar zusätzliche technische Finessen. Dann nämlich wird ein Schrank, in dem fest verschlossene Gebinde lagern, zu einem System, das geeignet ist, als Entnahme- und Sammelstation für Lösemittel und andere brennbare Chemikalien zu dienen. Wie das geht, hat Düperthal gemeinsam mit den Sachverständigen des TÜV Süd vorgemacht. Im ersten Schritt stand dabei ein Sicherheitsschrank nach EN 14470-1 im Fokus, der bereits für die passive Lagerung von einem 200-Liter-Fass zugelassen war.

Wie wird aber aus einem passiven Sicherheitsschrank ein Schrank, der für die aktive Lagerung zugelassen ist? Ein wichtiger Aspekt bei der aktiven Lagerung ist die durchgängige Erdung gemäß den Anforderungen der TRbF 30 für „Füllstellen“ und der Richtlinien der Berufsgenossenschaften BGR 132 „Vermeidung von Zündgefahren“. Diese Anforderung ist folgendermaßen gelöst: Alle metallenen Bauteile im Schrankinnenbereich, z.B. Auffangwannen und Gitterrost sind leitfähig miteinander verbunden. Der Sicherheitsschrank verfügt darüber hinaus über zwei Erdungsklemmen, je eine für das Fass bzw. für die Fass-Pumpe. Auf dem Schrankdach sind Erdungsanschlüsse vorbereitet, die es dem Anwender ermöglichen, das System an die Erdung anzuschließen und so eine statische Aufladung zu verhindern.

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Lüftung und Ex-Zonen

Sicherheitsschränke für passive Lagerung müssen gemäß TRbF 20 Anhang L nicht zwingend an die Lüftung angeschlossen werden. Ein wesentlicher Grund hierfür ist, dass in herkömmlichen Sicherheitsschränken nur geschlossene Gefäße eingelagert werden dürfen. Bei der aktiven Lagerung hingegen treten durch die offenen Gebinde kritischere Ex-Zonen gemäß TRbF 30 auf. Das hat zur Folge, dass der Fass-Schrank mit mindestens zehnfachem Luftwechsel je Stunde belüftet werden muss. Ferner muss die Lüftung in jeder Schrankebene aktiv werden, weshalb in jeder Ebene Ab- und Zuluftrosetten in jeder Schrankebene installiert sind. Auch müssen die Lüftung überwacht und die gesetzlichen Vorgaben für Ventilatoren eingehalten werden.

Daher bietet Düperthal eine steckfertige Lüftungseinheit mit integrierter, Atex-konformer Abluftüberwachungseinheit an. Die Türen von Sicherheitsschränken nach EN 14470-1 bzw. TRbF 20 Anhang L sind im Brandfall selbstschließend. Das hat bei der aktiven Lagerung mit Fass-Pumpen aber zur Folge, dass die Medien und Energieleitung nicht „einfach“ durch die offenen Türen geführt werden können. Die Ideallösung ist eine geprüfte und zugelassene Rohrdurchführung für Edelstahlrohre. Bei Einsatz dieser Rohrdurchführung können bis zu vier Edelstahlrohre mit einem maximalen Durchmesser von 20 mm oder wahlweise einmal 28 mm aus der Seitenwand oder Schrankdecke geführt werden.

Die Rohrdurchführung wurde von einer unabhängigen Materialprüfanstalt in einem Brandkammertest mit dem Fass-Schrank erfolgreich geprüft. Der Sicherheitsschrank wurde mit Typ 90 (= Feuerwiderstandsfähigkeit mindestens 90 Minuten) klassifiziert. Somit ist sichergestellt, dass eine explosionsgeschützte Druckluft-Fasspumpe ohne Risiko im Schrankinneren angeschlossen werden kann.

Komplette Produktlinie

Mittlerweile ist aus dem neuen Konzept „aktiver Fass-Schrank“ eine komplette Produktlinie entstanden. Dazu gehören neben dem Fass-Schrank die Fass-Station XXL. Die Ab- und Umfüllstation ist geeignet für 200-Liter-Fässer mit brennbaren und wassergefährdenden Flüssigkeiten. Die Fass-Station besteht aus zwei Typ 90 klassifizierten Sicherheitsschränken, inklusive selbstschließender Zapfstelle mit Objektabsaugung, ex-geschützter Druckluftpumpe mit automatischem Not-Aus im Brandfall, Auffangvolumen von 2 x 220 Litern und Atex-konformer Abluftüberwachungseinheit mit Ventilator. Und auch ein Kanisterschrank zur Lagerung von Kanistern nach ADR/RID und zum sicheren Abfüllen von Gefahrstoffen in kleinere Gebinde und Atex-konformer Abluftüberwachungseinheit mit Ventilator gehört zur Produktlinie.

Praxistest bestanden

Einen ersten Praxistext hat das neue Konzept auch schon bestanden: Global Research, das europäische Forschungszentrum von General Electric, setzt das System im Labor ein. Dabei geht es darum, das Lösemittel aus einem 200-Liter-Fass zu entnehmen, in einen Versuchsaufbau zu integrieren und danach wieder sicher zu sammeln. Die Lösung besteht aus zwei Fass-Schränken mit Rohrdurchführung nach DIN EN 14470-1 mit TÜV GS-Zulassung. Ein Sicherheitsschrank dient dabei als Versorgungseinheit. Aus diesem Schrank wird aus einem 200-Liter-Fass das Medium mit einer explosionsgeschützten Druckluftpumpe über die Rohrdurchführung in den Versuchsaufbau eingepumpt. Im zweiten Sicherheitsschrank ist ein weiterer Auffangbehälter integriert, in dem das Lösemittel nach Verwendung über Schwerkraftzuführung gesammelt wird.

Der Autor ist Marketingleiter bei der Düperthal Sicherheitstechnik GmbH & Co. KG, Kleinostheim.

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