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Digitaler Wandel im Anlagenbau

Netzwerk hui, Technologiekompetenz pfui? – Deutschlands Anlagenbauer auf digitaler Aufholjagd

| Redakteur: Dominik Stephan

(Bild: ©Pugun & Photo Studio - stock.adobe.com)

Ade, schlüsselfertiges Anlagenkomplettpaket: Das Projekt der Zukunft ist vernetzt, kooperativ und transparent. Das will zumindest eine neue Benchmark-Studie des VDMA in Zusammenarbeit mit PWC herausgefunden haben. Das erfordert ein ganz neues Arbeiten von den technologieverliebten deutschen Anlagenbauern. Die Aufholjagd um Köpfe und Kompetenzen ist in vollem Gange….

Umdenken im Anlagenbau: Bestimmen derzeit technologieorientierte Geschäftsmodelle die Arbeit der EPC-Unternehmen, sind digitale und datengesteuerte Dienste und Serviceleistungen auf dem Vormarsch. Bis 2025 sollen die Projekte neuen Typs ihren Marktanteil verdreifachen, ergab eine Benchmark-Studie der VDMA Arbeitsgemeinschaft Großanlagenbau (AGAB) und der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PWC. Anlagenbauer müssen demzufolge umdenken, betonte Dr. Hannes Storch, Mitglied der Geschäftsleitung der Outotec und stellvertretender Sprecher der AGAB: „In diesem veränderten Umfeld werden Fähigkeiten wie Agilität und Flexibilität immer wichtiger.“

Jetzt sind die Unternehmen gefordert, sich rasch auf die veränderte Marktsituation und die neuen Kundenbedürfnisse einzustellen: Auf Basis eines digitalen Referenzmodells identifiziert die Studie 18 für den Großanlagenbau spezifische Fähigkeiten, die notwendig sind, um die Marktpotenziale im Jahr 2025 umfassend nutzen zu können. Dazu zählen z.B. Kenntnisse im Changemanagement, die Beherrschung agiler Methoden im Projektmanagement, die Förderung einer Gründermentalität und die Entwicklung intelligenter Logistikkonzepte, mit deren Hilfe vor allem Baustellenabläufe optimiert werden können.

Großanlagenbau: Agil und nachhaltig zurück an die Spitze?

VDMA Arbeitsgemeinschaft Großanlagenbau

Großanlagenbau: Agil und nachhaltig zurück an die Spitze?

27.03.19 - Haben Deutschlands Großanlagenbauer den gigantischen Umsatzeinbruch der letzten zehn Jahre stoppen können? Das Jahr 2018 brachte der Königsdisziplin der Chemie- und Verfahrenstechnik wieder einen Umsatzzuwachs von drei Prozent. Ist das Tal durchschritten und die Trendwende erreicht? Von Krise bei der deutschen Engineering-Kompetenz jedenfalls keine Spur. Im Gegenteil: Mit Nachhaltigkeit und Agilität will man zurück an die Spitze. lesen

Wie bereit ist der Anlagenbau für die digitale Zukunft?

Doch wie stets es um die Befähigung der Anlagenbauer? Digitalisierung wird gemeinhin nicht als Kernkompetenz der eher konservativen Branche verstanden. Dabei gäbe es durchaus Bereiche, in denen deutsche Unternehmen punkten könnten: „Der deutsche Großanlagenbau hat beim Aufbau der für die Digitalisierung benötigten Fähigkeiten bereits bemerkenswerte Erfolge erzielen können und liegt in einigen Bereichen sogar deutlich vor seinen Wettbewerbern“, erklärt Christian Elsholz, Experte für den Anlagenbau bei PWC und Projektleiter der Studie.

Dies sei z.B. in den Bereichen Cybersicherheit und virtuelle Realität der Fall, die von 94 % der deutschen Anlagenbauer als entscheidende zukünftige Fähigkeiten eingestuft werden. „Vor dem Hintergrund radikaler technologischer Umbrüche und sich rapide verändernder Kundenanforderungen ist es allerdings wichtig, dass die Unternehmen ihre digitale Transformation weiter konsequent vorantreiben“, erläutert Elsholz. „Transparenz über Prozesse und eine enge Zusammenarbeit mit Partnern innerhalb der Wertschöpfungskette, etwa im Rahmen integrierter Plattformen, werden zu zentralen Erfolgsfaktoren“ – umso mehr, wenn man den Wandel der Geschäftsmodelle betrachtet.

Kompetenzen aufbauen – aber wie?

Also digitale Kompetenzen als Services auf dem Markt zukaufen und integrieren? Damit tut sich der deutsche Anlagenbau mit seinem Selbstverständnis als Spezialisten für die Verfahrenstechnik schwer. Interne Fähigkeiten sind gefragt – und Mitarbeiter mit den entsprechenden Kenntnissen heißbegehrt. Im Wettbewerb um die Köpfe ist es nicht mehr der lange befürchtete Ingenieurmangel sondern die Frage, wie man digital-affine Experten ins Boot holt. Denn da konkurrieren die Anlagenbauer nicht mehr nur untereinander, sondern auch mit der gesamten Digitalwirtschaft.

„Um den digitalen Wandel erfolgreich zu meistern, muss die Branche sich stärker öffnen und mehr Experten mit hoher Digitalkompetenz an sich binden“, so PWC-Experte Elsholz. Doch wie lockt man die „Digitalos“ von hippen Start-Ups oder großen IT-Unternehmen? Fast die Hälfte der Anlagenbauer fürchten, hier nicht ausreichend attraktiv für die Professionals von morgen zu sein. Elsholz: „Eigene Entscheidungsspielräume für die Mitarbeiter, attraktive Entwicklungsmöglichkeiten und zeitgemäße Arbeitszeitmodelle sind Instrumente, die sich in diesem Zusammenhang als hilfreich erwiesen haben.“

Studium Generale für den Ingenieur 4.0: VDMA sieht „gewaltigen“ Changeprozess für Unis und FHs

Ingenieure für das Industrie-4.0-Zeitalter

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22.01.19 - Alles Neu macht die Industrie 4.0: Von der Vernetzung der Produktion bis zum industriellen Internet der Dinge soll die Digitalisierung industrielle Prozesse umkrempeln. Doch wie sieht der Bewohner dieser schönen neuen Welt aus? Der VDMA hat seinen Think-Tank auf das Problem angesetzt – Ergebnis: Ein Steckbrief für Ingenieurinnen und Ingenieure der Industrie 4.0. Und ein dringender Appell an Politik und Hochschullandschaft. lesen

Chancen ja, Pauschallösung nein: Die digitale Richtschnur

Trotzdem biete die Digitalisierung auch Chancen, sich in einem veränderlichen Marktumfeld zu positionieren. Und: Genau diese Transparenz und Vernetztheit würde auch zunehmend vom Kunden gefordert, erklären die Studienmacher. Jetzt seien allerdings erhebliche Anstrengungen gefragt, um die erwarteten Veränderungen im Markt bis 2025 erfüllen zu können. „Pauschallösungen hierfür gibt es nicht. Die Studie bietet jedoch eine Richtschnur, die jedes Unternehmen individuell nutzen kann, um die wesentlichen Schritte zum digitalen Erfolg selbst zu definieren“, lautet das Resümee von AGAB-Sprecher Storch.

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