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Biobased World auf der Achema

Nachhaltigkeit ist die treibende Kraft der biobasierten Wirtschaft

| Redakteur: Matthias Back

Die grünen Bodenfliesen weisen den Weg zu den Ausstellern der Biobased World.
Die grünen Bodenfliesen weisen den Weg zu den Ausstellern der Biobased World. (Bild: Dechema)

Nachhaltigkeit ist einer der globalen Megatrends und eine treibende Kraft der biobasierten Wirtschaft. Dahinter steckt die Idee, eine neue Art des Wirtschaftens zu etablieren auf Basis dessen, was auf Feldern und in Wäldern wächst, anstatt auf die endlichen Ölquellen zu setzen – und das Ganze natürlich so schnell wie möglich.

„Biobased World steht für den Paradigmenwechsel in der Chemie: weg vom Erdöl, hin zu nachwachsenden Rohstoffen. Der Schiefergasboom mag das Tempo ein wenig bremsen, doch die Entwicklung der Chemie in Richtung biobasierte Prozesse schreitet stetig voran,“ sagt Marlene Etschmann, Projektleiterin für Biobased World bei der Dechema . In den Messehallen bietet die Biobased World Bioökonomie zum Anfassen. Wer das Foyer der Halle 4.1 den Stand A39 besucht, kann sehen, wo die Bioökonomie bereits in das tägliche Leben eingezogen ist.

Bioökonomie ist ein echtes Querschnittsthema

Der zentrale Messehighway – die Via Mobile – mutiert zum grünen Band der Bioökonomie: Weizen, Biomais, Rizinuspflanzen, Miscanthus: Musterpflanzungen zeigen, was als Rohstoff in Bioraffinerien hineingefüllt wird. Als echtes Querschnittsthema taucht Bioökonomie in allen Messehallen auf: Grüne Bodenaufkleber weisen den Weg zu den Ausstellern, die grüne Themen bearbeiten.

Dr. Marlene Etschmann prophezeit einen Paradigmenwechsel in der Chemie.
Dr. Marlene Etschmann prophezeit einen Paradigmenwechsel in der Chemie. (Bild: Dechema)

„Biobasierte Prozesse in der chemischen Industrie sind ein recht junges Thema, bei dem noch viel Forschungsbedarf besteht, deshalb findet man besonders viele Aussteller in der Ausstellungsgruppe Forschung und Innovation,“ erklärt Etschmann. Allein im Kongressprogramm sind über 90 Vorträge der Biobased World gewidmet und beleuchten technische, wirtschaftliche und politische Aspekte des Themas. Die Grundsatzfragen sind jetzt ausdiskutiert, und man kann sich endlich den technischen Fragestellungen widmen, z.B. der Lignocellulose-Hydrolyse.

Angelehnt an das Bild der Erdölindustrie werden Produktionsstätten für biobasierte Chemikalien oft „Bioraffinerien“ genannt. In einer Erdölraffinerie wird aus den Bestandteilen des Rohöls eine Vielzahl unterschiedlicher Produkte hergestellt, während die heutige „Bioraffinerie“ oft nur ein Produkt kennt: Alkohol. Ethanol ist derzeit der wichtigste biobasierte Stoff und macht 90 % aller Produkte aus, die durch Fermentation erzeugt werden.

Etwa 100 Milliarden Liter Ethanol wurden 2013 destilliert, wobei die USA mit 50 und Brasilien mit 25 Milliarden Litern führend sind. Europa spielt im Ethanolmarkt mit 5 Milliarden Litern eine untergeordnete Rolle; Deutschland trägt dazu 852 Millionen Liter bei. Die ersten Bioethanol-Anlagen gerieten in die öffentliche Diskussion, weil sie Mais als Rohstoff einsetzten – Mais, aus dem auch Tortillas hätten produziert werden können.

Die Teller-oder-Tank-Diskussion war der Anstoß, Bioraffinerien der zweiten Generation zu entwickeln, die Forstabfälle wie Äste und Zweige nutzten oder Stroh nach der Weizen- und Gerstenernte. Diese holzigen Reststoffe bergen eine technologische Herausforderung. Im Gegensatz zu Mais oder Weizen, die hauptsächlich aus Stärke bestehen, enthält Stroh sehr viel Zellulose. Für die Hefen, die den Ausgangsstoff zu Alkohol vergären, ist Zellulose sehr viel schwieriger zu verarbeiten als Stärke. Ein zusätzlicher Schritt ist nötig, um die Zellulose mithilfe von Enzymen in ihre Zuckerbausteine zu zerlegen.

Bioökonomie-Investitionen werden in den USA und Brasilien getätigt

Diese Verzuckerung im industriellen Maßstab darzustellen, war ein technologischer Durchbruch und geht nun in die großtechnische Anwendung. In Deutschland steckt die Herstellung von Zellulose-Ethanol noch in den Kinderschuhen. Clariant betreibt in Straubing eine Demonstrationsanlage mit einer Jahreskapazität von 1,2 Millionen Litern. Seit 2013 wurden weltweit mehrere Großanlagen in Betrieb genommen: Beta Renewables wird 75 Millionen Liter pro Jahr in Crescentino, Italien, produzieren und DSM die gleiche Menge in Emmetsburg, Iowa, USA.

Die großen Investoren in die Bioökonomie sitzen also in den USA und Brasilien. Europa spielt hier nicht in der obersten Liga mit. Die Akteure der Bioökonomie, egal ob Unternehmer, Finanzierungsexperten oder Förderinstitutionen, sind sich deshalb einig: um im Wettbewerb bestehen zu können, müssen europäische Politiker umdenken. Investoren suchen Planungssicherheit auf lange Sicht und genau das fehlt ihnen in Europa.

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