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Aus dem Leben eines Auditors

Nach der Toilette und vor dem Essen …

| Redakteur: Anke Geipel-Kern

Hände waschen nicht vergessen
Hände waschen nicht vergessen (Bild: ©dedMazay - stock.adobe.com, [M]-Sahlmüller)

Warnhinweis: Empfindliche Charaktere sollten diese Kolumne zur Händehygiene nicht direkt vor oder während einer Mahlzeit lesen – Hygiene wird in der Pharmaproduktion großgeschrieben – sollte man meinen. Unser Auditor macht da bei seinen Inspektionsbesuchen ganz andere Erfahrungen. Über ein brisantes Thema: Händewaschen.

Händehygiene – ein brisantes Thema. Gerade im Rahmen der jüngsten Grippewelle wurde wieder eindringlich erklärt, dass und wie man sich die Hände waschen sollte. Laut einer aktuellen Studie der SRH waschen sich etwa 50 % der Männer und knapp 20 % der Frauen im Rhein-Neckar-Dreieck die Hände nach dem Toilettengang nicht mit Wasser und Seife. Meine Erfahrungswerte weisen darauf hin, dass das Thema auch in der pharmazeutischen Industrie noch nicht richtig angekommen ist – weltweit. Angeblich werden über 90 % aller Krankheiten über die Hände übertragen – die etablierten Hygienemaßnahmen bzw. Korrekturmaßnahmen sind leider häufig nicht wirklich Teil der Problemlösung, sondern nur originell bis skurril.

Jüngst war ich in einem Betrieb, in dem sich ein Mitarbeiter in einer Rundmail darüber beklagte, in welchem Zustand die Kollegen die Toilette hinterlassen – als Korrekturmaßnahme wurde ein Raumspray auf der Ablage platziert. Bei einem etablierten iberischen Liquidahersteller konnte ich von der Straße durch mehrere Schleusen (in denen wir uns jeweils umziehen mussten) bis in die Reinraumklasse C gehen, ohne auch nur einmal die Hände waschen zu müssen – das Gleiche traf auch auf meinen Coauditor und unsere Eskorte zu. Das hatte bis dahin angeblich noch nie jemand bemerkt oder sich gar daran gestört.

Vor allem in Indien fühlt man sich in den Personalschleusen häufig an die Dokumentation von Benefiz­aktionen in Schnellrestaurants erinnert. An den ursprünglich mehr oder weniger weißen Wänden finden sich flächendeckend graubraune Handabdrücke. Dort wird Hygiene groß geschrieben und bei jeder sich bietenden Gelegenheit ist Händedesinfektion angesagt – Händewaschen allerdings nicht. Da die komplexe Reinraumkleidung oft nicht ganz einfach anzulegen ist und mich das Überwinden mancher ‚Sit-Over Bench‘ an Drill-Videos der indischen Armee erinnert, müssen sich die Mitarbeiter häufig an der Wand abstützen. Der angelöste Schmutz trocknet dann schön an der Wand.

Die folgende Geschichte habe ich nicht selbst erlebt, sondern einer meiner Vorgänger. Einer der Schichtarbeiter drehte sich am Pissoir zu ihm um und präsentierte ihm unter Fluchen und Wehklagen einen roten unförmigen Klumpen, der sich beim genaueren Hinsehen als sein wohl ziemlich schmerzender Penis entpuppte. In dem Betrieb wurde mit Verdauungsenzymen umgegangen und der Betroffene hatte es wohl mit den Hygiene- und Sicherheitsvorschriften nicht ganz so ernst genommen. Übrigens: Woran kann man Apotheker und Chemiker unterscheiden? Die einen waschen ihre Hände nach dem Toilettengang, die anderen auch davor – nachmachen.

Ihr Karl Metzger

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