Leitsystem-Migration Mobiles Datenmanagement zur Migration von Prozessleitsystemen

Autor / Redakteur: Frank Berger* / Anke Geipel-Kern

Das Leitsystem einer Bestandsanlage zu migrieren, bedeutet: viele tausend Seiten Planungsunterlagen sichten, erfassen und vor Ort aktualisieren. Ein Kraftakt, der in Antwerpen durch den Einsatz einer digitalen Datenmanagementlösung in Rekordzeit gelungen ist.

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Planungsunterlagen vor Ort aktualisieren, kein Problem mit Tablet und Co.
Planungsunterlagen vor Ort aktualisieren, kein Problem mit Tablet und Co.
(Bild: Actemium)

Leitsysteme in Bestandsanlagen auf den neuesten technischen Stand zu bringen, gleicht einem komplizierten Puzzlespiel. Mit den Jahren ist in den Anlagen viel umgebaut und verändert worden, deshalb sind Planungsunterlagen sowie Bestandsdokumente veraltet und müssen vor der Migration mühsam auf den neuesten Stand gebracht werden. Eine digitale Datenerfassung und mobile Endgeräte, mit denen das Migrationsteam vor Ort Planungsunterlagen sichten und aktualisieren kann, spart viel Zeit und erhöht die Qualität der Migration.

Der Betreiber dreier Chemieanlagen im belgischen Antwerpen stand genau vor dieser Herausforderung und holte Actemium, einen führenden Systemintegrator für Automation und Prozessleittechnik, mit ins Boot.

Papier, nichts als Papier

Der in den 1970er Jahren errichtete Industriestandort in Antwerpen bedeckt eine Fläche von mehr als 109 Hektar, den Löwenanteil davon nehmen Chemieanlagen ein. Da die Technik einiger Anlagen von einem der ansässigen Betreiber bereits in die Jahre gekommen war, plante dieser bei drei Anlagen die Migration deren Leitsysteme. Aufgabe der Actemiumspezialisten war u.a., die bestehenden Anlagenteile detailliert zu erfassen und sie mit den archivierten Planungsunterlagen abzugleichen, um die Grundlage für alle weiteren Planungsschritte zu schaffen.

Ein über viele Jahre gewachsener Standort, drei große Anlagen – da kommen schnell mehrere tausend Unterlagen zusammen, die das Team für eine Anlagenbegehung vorsortieren muss, um exakte Wegepläne machen zu können. Viele Ordnerstapel mit losen Blättern, das ruft geradezu nach einer digitalen Erfassung – in diesem Fall mit der mobilen Datenmanagementlösung „M2·iO“ (Mobile Main- tenance in One), eine Windows- und Andoid-basierte Eigenentwicklung von Actemium.

„Um bei einer solchen Größenordnung wesentlich effizienter arbeiten und unserem Kunden die Ergebnisse möglichst zeitnah zur Verfügung stellen zu können, war für uns die digitale Datenerfassung die erste Wahl“, erklärt Steven De Backer, Business Unit Manager Actemium Antwerpen. „M2·iO“ läuft sowohl auf industriellen als auch auf handelsüblichen mobilen Endgeräten und verfügt über eine intuitive Bedienoberfläche.

Mobil und digital verknüpfen

Über das mobile Endgerät kann der Planer vor Ort auf die digitalisierten Bestandsdokumente zugreifen, diese mit der aktuell vorgefundenen Situation direkt vergleichen und gegebenenfalls anpassen. Trotz eines Prüfungsumfangs von etwa 550 Feldverteilern und zirka 4000 Feldgeräten konnte das Projekt auf diese Weise in einer Rekordzeit von zwei Monaten abgeschlossen werden.

Und das, obwohl es an vielen Stellen eine eindeutige Diskrepanz zwischen archiviertem Dokumentationsstand und der Realität gab. Immerhin 300 Rotkorrekturen waren nötig und zusätzlich wurden 50 nicht dokumentierte Feldverteiler erfasst. Doch auch hier erwies sich der Lösungsweg von Actemium als richtige Entscheidung. De Backer: „Alle Rotkorrekturen wären zunächst auf dem Papier entstanden und wir hätten später hunderte Dokumente erneut einscannen dürfen, um sie daraufhin an den Kunden weiterzuleiten.“

Aber nicht nur die Planungsunterlagen konnten direkt am Tablet aktualisiert werden, auch der Zustand der Feldverteiler ist nun wieder up-to-date und ebenso weiß der Betreiber nun, an welche Verteiler er noch Feldgeräte anschließen kann. Erfasst wurden auch die Geopositionen aller Objekte über die „Teach-In-Funktionalität“ – was es später ermöglicht, Personal ohne Ortskenntnis mithilfe eines mobilen Endgerätes durch die Anlage zu navigieren.

Um den Zustand der Anlagenteile noch genauer zu dokumentieren und sie besser identifizieren sowie abgleichen zu können, wurden alle verbauten Geräte und zugehörigen Kennzeichnungen auch fotografiert. Am Ende des Projekts hatten die Mitarbeiter von Actemium ein digitales Archiv von rund 8000 Bilddateien erschaffen, das eine Verwechslung der Geräte in Zukunft verhindert.

Alles aktuell

Nach zweimonatiger Arbeit konnte das Team die Daten sowohl digitalisiert als auch strukturiert übergeben und das Projekt in Antwerpen erfolgreich abschließen. Eine Datenstruktur mit 3100 digitalen Ordnern und einem Datenvolumen von rund sieben Gigabyte waren in der Zwischenzeit entstanden. Nach einer manuellen Datenerfassung hätten, zu diesem Zeitpunkt, die Planungsunterlagen noch final bearbeitet werden müssen. Stattdessen musste das Team von Actemium die Daten zum Abschluss nur noch exportieren.

Actemium bietet ein Mietmodell an, das auch die Endgeräte beinhaltet. Für den Betreiber bleiben die Kosten überschaubar. Und für weitere Migrationsschritte wie Anlagenstillstand, Umbauarbeiten sowie der Wiederinbetriebnahme der drei Chemieanlagen könnte die mobile Lösung künftig erneut zum Einsatz kommen und die Arbeiten beschleunigen.

* * Der Autor ist Leiter der Business Unit Actemium Smart Solutions, Frankfurt/Main. Kontakt: Tel. +49-172-6525279

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