Suchen

Studie: Chemie 4.0 Mittelstand ist noch weit weg von Chemie 4.0

Autor / Redakteur: Anke Geipel-Kern* / Anke Geipel-Kern

Die neue VCI-Studie „Chemie 4.0 – Wachstum durch Innovation in einer Welt im Umbruch“, zeigt Chancen, aber auch, wo es noch hapert  – Die Digitalisierung bietet der Chemie jede Menge Chancen. Chemie 4.0 soll zu neuen Geschäftsmodellen und mehr Nachhaltigkeit führen. Doch der Mittelstand ist noch nicht soweit. Das zeigt eine neue Studie, die der Verband der chemischen Industrie vorgestellt hat.

Firmen zum Thema

Eine VCI-Studie zeigt, woran es bei der Digitalisierung in Deutschland noch hapert.
Eine VCI-Studie zeigt, woran es bei der Digitalisierung in Deutschland noch hapert.
(Bild: gemeinfrei / CC0 )

Schon oft hat die deutsche Chemieindustrie ihre Wandlungsfähigkeit bewiesen. Von der Kohlechemie in der Gründerzeit gelang der Sprung in die Petrochemie, momentan lernt die Branche mit der Globalisierung und den neuen Wettbewerbern umzugehen. Und jetzt macht sich erneut Aufbruchstimmung breit, denn es steht eine Veränderung an, die möglicherweise eine noch größere Tragweite hat als die bisherigen. Mit Chemie 4.0 beginne die vierte Entwicklungsstufe in der 150-jährigen Geschichte der Branche, prophezeit der Verband Chemie in seiner neuesten Studie zu den Chancen der Digitalisierung. „Chemie 4.0 – Wachstum durch Innovation in einer Welt im Umbruch“, heißt das über 100 Seiten starke Werk, das Chancen offenlegt, aber auch zeigt, wo es noch klemmt.

Daten sind das neue Gold

„Indem wir künftig digitale Massendaten nutzen, kann unsere Branche ihre Rolle in den Wertschöpfungsketten erweitern und neue Geschäftsmodelle entwickeln. Darüber hinaus verfügen wir über zukunftsorientierte Lösungen, um die zirkuläre Wirtschaft voranzutreiben“, so beschreibt VCI-Präsident und BASF-Vorstandsvorsitzender Kurt Bock das Potenzial von Chemie 4.0 für die Entwicklung der Unternehmen. Ohne zusätzliches Geld wird das nicht funktionieren, und so planen die Unternehmen nach Schätzungen des VCI in den nächsten drei bis fünf Jahren milliardenschwere Ausgaben, um Digitalisierungsprojekte und neue digitale Geschäftsmodelle zu stemmen.

Tipp der Redaktion In unserer Spezialausgabe Prozessindustrie 4.0 lernen Sie mehr über Strategien, Erfolgsfaktoren und Chancen für die Prozessindustrie auf ihrem Weg durch die Digitale Transformation. In der Ausgabe lesen Sie Best Practices, Meinungen und Strategien zum Thema Prozessindustrie 4.0.

Das klingt nach viel, ist aber auf die Gesamtzahl der Unternehmen umgerechnet nur ein Tropfen auf dem heißen Stein. Zumal bisher auch nur die Branchenführer Digitalstrategien aufgesetzt haben, allen voran BASF, Evonik und Merck.

Wo bleibt der Mittelstand?

Der Mittelstand hinkt hinterher, was durchaus dramatische Folgen haben könnte, denn immerhin beschäftigen 90 Prozent der deutschen Chemieunternehmen unter 500 Menschen, insgesamt sind das 2000 Unternehmen. Eine vom VCI bei Deloitte in Auftrag gegebene Studie belegt auch Nachholbedarf. 70 Prozent der Unternehmen, die geantwortet haben (insgesamt 124), gaben an, keine Digitalisierungsstrategie zu haben. Obwohl die Mehrheit der Unternehmenschefs starke Veränderungen durch die Digitalisierung erwartet und immerhin die Hälfte umfangreiche Investionen plant.

Der hohe Automatisierungsgrad der Chemiebranche verstellt leicht den Blick, dass Industrie 4.0 mehr ist als automatisierte Anlagensteuerung und digitale Feldgeräte. Es geht um Vernetzung und die Nutzung von Massendaten. Damit will die Branche nicht nur effizienter produzieren, beispielsweise durch vorausschauende Wartung mittels Sensoren. Sondern sie will auch innovativer werden, etwa durch virtuelle Realität und Simulationen für Forschung und Produktentwicklung.

Zum Teil gibt es bereits Erfolge. Beispiel ist die Präzisionslandwirtschaft („Digital Farming“): Bisher lieferte die Chemie Dünge- und Pflanzenschutzmittel; jetzt geht es um Apps, die helfen, Krankheiten und Schädlinge auf dem Feld zu identifizieren und die optimale Dosierung für die Behandlung der Kulturen zu finden. Weitere Module – etwa zur Analyse der Bodenbeschaffenheit und der Wettervorhersage – sollen das datenbasierte Modell ergänzen, mit dem der Landwirt seinen Betrieb steuern kann. Damit sollen sich betriebswirtschaftliche und die Umwelt beeinflussende Faktoren verbessern lassen.

Was muss noch kommen?

Trotzdem bleibt noch viel zu tun. Als material- und stoffbasierte Branche bleibt für die Chemie die Frage, wie sie aus dem Rohstoff Massendaten neue Geschäftsmodelle entwickeln soll. Digitale Geschäftsmodelle gehören (noch) nicht zum Kerngeschäft und verlangen eine neue Unternehmenskultur und hohe Flexibilität.

Weitere interessante Beitrage zum Thema Prozessindustrie 4.0 finden Sie auf unserer Landingpage.

(ID:44895890)