Erdgasspeicher Mit Modularisierung zu flexibler und sicherer Erdgasspeicherung

Redakteur: M.A. Manja Wühr

Bei den Erdgas-Untergrundspeicheranlagen RAG in Österreich gilt es Drücke von über 150 bar und Arbeitsgasvolumen von 2,4 Milliarden Normkubikmeter zu meistern. Solche Werte erlauben keine Kompromisse bei der Sicherheit. Für einen sicheren Betrieb setzt der Chemnitzer Chemieanlagenbauer CAC das Konzept mehrsträngiger Anlagenteile in Modulbauweise um.

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Für die Untergrundspeicheranlagen der RAG hat CAC vom Engineering bis zur Inbetriebnahme alle Leistungen übernommen.
Für die Untergrundspeicheranlagen der RAG hat CAC vom Engineering bis zur Inbetriebnahme alle Leistungen übernommen.
( Bild: CAC )

Für eine stabile Energieversorgung erfüllen Erdgasspeicher eine wichtige „Pufferfunktion“. Mit der Zwischenlagerung eines der wichtigsten Energieträger der Welt werden nicht allein saisonale Schwankungen ausgeglichen. Die Speicher tragen vielmehr zu einer sicheren Versorgung bei und gestatten eine größere Unabhängigkeit von Preis- und Lieferbedingungen der Gasanbieter.

Die RAG (Rohöl-Aufsuchungs AG) Wien intensiviert ihre Aktivitäten auf diesem Gebiet und wandelt ehemalige Erdgaslagerstätten in Österreich in Untergrundspeicher um, die an das europäische Ferngasleitungsnetz angeschlossen werden.

Für die Umsetzung setzen die Österreicher auf den Chemnitzer Chemieanlagenbauer CAC. Dieser arbeitet gegenwärtig an zwei Großprojekten für die RAG. Zum Leistungsumfang gehören das Basic- und Detailengineering, das Behördenengineering, die Beschaffung aller Lieferungen und Leistungen im Namen und auf Rechnung des Kunden, die Montageüberwachung sowie die Inbetriebnahme.

In Haidach baut der Anlagenbauer aus Sachsen den von ihm bereits im Juli 2007 in Betrieb genommenen Erdgasspeicher weiter aus. Im Endausbau wird dieser über ein Arbeitsgasvolumen von 2,4 Milliarden Nm3 verfügen. Das entspricht etwa 30% des österreichischen Gesamtjahresbedarfs an Erdgas. Zeitgleich mit der Realisierung des zweitgrößten Erdgasuntergrundspeichers in Mitteleuropa errichten die Chemnitzer Ingenieure neue Speicheranlagen in Zagling sowie in Nussdorf-Nord und Nussdorf-Süd.

Oberste Priorität sind hohe Verfügbarkeit und absolute Zuverlässigkeit. „Sicherheit ist oberstes Gebot bei diesen Anlagen. In ihnen wirken Drücke über 150 bar, wenn das Gas in den Speicher eingepresst wird. Die Steuerung erfolgt durch die zentrale Leitwarte, die z.B. in Haidach ständig 70 000 Messpunkte überwacht. Bei Unregelmäßigkeiten schalten sich die Anlagen selbsttätig ab. Aus diesem Grund müssen alle Prozesse absolut präzise und reibungslos funktionieren. Dafür ist ein hoher Automatisierungsaufwand erforderlich“, verdeutlicht der verantwortliche Verfahrenstechniker Stephan Canzler.

Alle Eventualitäten im Blick

Die Lösung auf diese Anforderungen heißt Modularisierung, die von der RAG entwickelt und gemeinsam mit CAC umgesetzt wurde. Mehrsträngige Anlagenteile und Modulbauweisen führen zu hoher Flexibilität und Verfügbarkeit der Technik. „Die Anlagen können so in einem breiten Fahrfeld bei mitunter deutlich schwankenden Gasdurchsätzen betrieben werden und gewährleisten auch beim Ausfall einzelner Komponenten die notwendige Sicherheit“, erklärt Dr. Mario Kuschel, Leiter Verfahrenstechnik.

Beim Auftrag Haidach wurden durch die Ingenieure bereits in der ersten Ausbaustufe die Belange der zweiten Stufe weitestgehend berücksichtigt, sodass jetzt parallel zum laufenden Betrieb die Anlage modular erweitert werden kann. Die besondere Herausforderung dabei: Wenn die zweite Ausbaustufe 2010 in die Gesamtanlage integriert wird, dann muss der reibungslose Betrieb gemeinsam mit den bereits bestehenden Anlagenteilen gewährleistet sein.

Gegenwärtig befinden sich beide Aufträge in der Engineering-Phase. Sie umfassen

  • die Technik für das Einspeichern des Gases aus dem Pipelinenetz in die Lagerstätte wie Ausrüstungen zur Gasverdichtung,
  • Anlagen, mit denen das Gas bei der Entnahme aus dem Speicher gereinigt und getrocknet werden kann, sowie
  • Hilfs- und Nebenaggregate für die Einspeicher- bzw. Entnahmeprozesse.

Parallel zur Ausführung des Basic- und Detail Engineering realisiert die CAC das Behördenengineering für beide Aufträge. Dazu gehören die genaue Beschreibung aller Anlagenparameter und deren Auswirkungen auf Mensch, Natur und Umwelt. Die RAG legt höchsten Wert darauf, dass bei den Anlagenkonzepten umweltrelevante Forderungen eingehalten und sogar übertroffen werden. Das Behördenengineering wird voraussichtlich im Frühjahr dieses Jahres abgeschlossen sein, die Planungs- und Projektierungsphase im Sommer. Ab Herbst 2009 erfolgt der Start für die Bauaktivitäten, mit dem Ziel, dass alle Anlagen im ersten Quartal 2011 in Betrieb gehen.

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