VDMA-Stellungnahme Hannover Mit Industrie 4.0 gegen die Investitionsmüdigkeit

Redakteur: Dominik Stephan

Die Deutschen Maschinenbauer wollen mit vernetzter Technologie kräftig wachsen: Plus zwei Prozent soll alleine die Produktion im laufenden Jahr zulegen, verkündete VDMA -Chef Festge in Hannover. Trotzdem könnte die die weiterhin geringe Investitionslaune der Branche einen Strich durch die Rechnung machen...

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Wir sind zugleich Anbieter und Anwender von Industrie-4.0-Technologien, gepaart mit der Innovations- und Marktführerschaft in vielen Bereichen und Segmenten“, sagte VDMA-Präsident Dr. Reinhold Festge anlässlich der Hannover messe.
Wir sind zugleich Anbieter und Anwender von Industrie-4.0-Technologien, gepaart mit der Innovations- und Marktführerschaft in vielen Bereichen und Segmenten“, sagte VDMA-Präsident Dr. Reinhold Festge anlässlich der Hannover messe.
(Bild: VDMA)

Hannover – Euro-Kursschwankungen, neue Technologien und sich verschiebende Exportmärkte: Deutschlands Maschinenbauer erlebten 2014 ein Jahr der Umbrüche. Geht es nach dem Branchenverband VDMA, soll die Branche 2015 vor allem mit Innovationen punkten. Wir bestätigen unsere Produktionsprognose für 2015 von plus zwei Prozent. Trotz aller Unsicherheiten und Belastungsfaktoren in Europa sind die Maschinenbauer positiv gestimmt nach Hannover gekommen“, erklärte der Präsident des Verbandes Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) Dr. Reinhold Festge auf der Pressekonferenz des Verbandes anlässlich der Hannover Messe 2015 am Montag in Hannover. Die Produktion in Deutschland stieg im Januar 2015 um 0,7 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

„Es fehlt nach wie vor an Investitionslaune, auch in Deutschland. Wir müssen weiterhin mit Störungen, vielleicht sogar mit Rückschlägen rechnen“, berichtete Festge. Der gesunkene Außenwert des Euro sorge derzeit aber weltweit für Rückenwind beim Verkauf von Maschinen. Auch die Exporte innerhalb Europas sollten in diesem Jahr auf Wachstumskurs bleiben. Gleiches gelte für die USA, zweitwichtigstes Abnehmerland des Maschinenbaus.

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Optimismus vs. Realismus –10.000 neue Arbeitsplätze bis 2018

Im Januar 2015 waren 1.003.000 Beschäftigte im Maschinenbau tätig. Im Vergleich zum Vorjahr ein Plus von 1,2 Prozent. „Wir wollen das hohe Beschäftigungsniveau halten und sogar noch erhöhen. Ich gebe zu: Das ist ehrgeizig! Aber mit der Fokussierung auf die Chancen von Industrie 4.0 können wir das schaffen“, bekräftigte der VDMA-Präsident. Der Maschinenbau brauche vermehrt Personal, das Freude daran habe, Produktionsprozesse neu zu gestalten.

Die aktuelle VDMA-Trendstudie zur IT und Automation im Maschinenbau kommt zum Ergebnis, dass die deutsche Maschinenbau-Industrie bis 2018 insgesamt zehntausend neue Arbeitsplätze in Zukunftsfeldern wie der Entwicklung von IT und Automatisierungstechnik schaffen will. „Aktuell gibt es hier etwa zweitausend unbesetzte Stellen“, berichtete Festge. Gesucht werden vor allem Ingenieure mit Vertiefung im Bereich der Informatik, Informatiker, Softwaredesginer und in zunehmendem Maße auch Mitarbeiter mit einer Qualifikation im Bereich der Ergonomie.

Industrie 4.0 –Ein starkes Signal für die deutsche Industrie?

Die Gründung der Plattform Industrie 4.0 – unter Beteiligung der Industrie, der Wissenschaft, der Verbände, der Politik und der Gewerkschaften - zeige die große Bedeutung des Themas. „Das ist ein starkes Signal für Industrie 4.0 made in Germany“, betonte Festge.

VDMA: Maschinenbau treibt Industrie 4.0 voran
VDMA: Maschinenbau treibt Industrie 4.0 voran
(Bild: VDMA)

Entscheidend für die Schlüsselrolle des Maschinenbaus bei der Weiterentwicklung von Industrie 4.0 sei, dass diese Industrie mit ihren Produkten Datenquelle für die intelligente Produktion sei. „Wir sind zugleich Anbieter und Anwender von Industrie-4.0-Technologien, gepaart mit der Innovations- und Marktführerschaft in vielen Bereichen und Segmenten“, sagte der VDMA-Präsident. Der Maschinenbau mache es möglich, Daten zu erfassen, sie auszuwerten und zu interpretieren und damit smarte Produktionsprozesse sowie neue Geschäftsmodelle zu entwickeln. Vor diesem Hintergrund habe der VDMA auch ein eigenes Forum Industrie 4.0 geschaffen, das die Themen Forschung, Standardisierung, IT-Sicherheit, Produktionsorganisation sowie die rechtlichen Rahmenbedingungen und die Qualifizierung der Mitarbeiter vorantreibe.

Der deutsche Maschinenbau durchlebte 2014 ein konjunkturelles Wechselbad. Nach einer Wachstumserwartung von plus drei Prozent sorgten die Russland/Ukraine-Krise und fehlende Inlands-Investitionen für Dämpfer. Die vom VDMA auf ein Prozent Wachstum korrigierte Produktionsprognose wurde mit 1,1 Prozent erreicht. Mit einem Produktionswert von 199 Milliarden Euro wurde erstmals das Rekordergebnis von 2008 übertroffen. „Doch die Freude über dieses kleine Plus hält sich in Grenzen, denn der konjunkturelle Durchbruch blieb aus“, erklärte Festge. Als Faktoren, die den Auftragseingang und damit zeitversetzt Umsatz und Produktion behindert haben, nannte der VDMA-Präsident die unzureichende Nachfrage aus vielen Entwicklungs- und Schwellenländern sowie den Russland/Ukraine-Konflikt mit seinen Sanktionen und Folgewirkungen.

Die Kapazitätsauslastung lag 2014 im Durchschnitt bei 84,7 Prozent. Fast jedes vierte Maschinenbauunternehmen berichtete von Produktionsbehinderungen durch Auftragsmangel, so der Ifo-Konjunkturtest. Der Bestelleingang nach Teilbranchen zeigte bei 14 Fachzweigen Zuwächse, zwölf mussten Rückgänge verkraften. Die Bandbreite lag zwischen plus 18 Prozent (Verfahrenstechnische Maschinen und Apparate) und minus 17 Prozent (Power Systems Turbinen). Der Auftragsbestand lag im Schnitt bei 5,7 Monaten.

Die Maschinenexporte stiegen 2014 um 1,7 Prozent auf 152 Milliarden Euro. Größter Abnehmer deutscher Maschinen waren die EU-28-Länder mit 65,3 Milliarden Euro (plus 7,3 Prozent). Nach Asien wurden Maschinen im Wert von 38,9 Milliarden Euro exportiert, nach Nord- und Lateinamerika zusammen 23,3 Milliarden Euro. Größter Einzel-Auslandsmarkt war China mit 17 Milliarden Euro, gefolgt von den USA mit 15,1 Milliarden Euro und Frankreich mit 9,8 Milliarden Euro. Rückläufig waren die deutschen Maschinenlieferungen nach Brasilien, Indien, Südkorea, die Türkei sowie Russland.

VDMA: Maschinenbau treibt Industrie 4.0 voran
VDMA: Maschinenbau treibt Industrie 4.0 voran
(Bild: VDMA)

China wird zum Importeur der Wahl

Die Importe aus den EU-28-Ländern stiegen um 5,7 Prozent auf 36,3 Milliarden Euro. China hat sich mit einer Steigerung von 14,1 Prozent (4,5 Milliarden Euro) zum drittstärksten Lieferanten von Maschinenbauprodukten auf dem deutschen Markt gemausert und damit Frankreich und die USA hinter sich gelassen. Stärkster Einzellieferant ist Italien mit 5,9 Milliarden Euro, gefolgt von der Schweiz mit 5,3 Milliarden Euro.

In der Breite der Fachzweige sind die deutschen Hersteller international gut aufgestellt. In 24 von 31 vergleichbaren Fachzweigen sind sie unter den TOP 3, davon stehen 16 auf Platz 1. Es folgen China mit 22 und die USA mit 18 Fachzweigen unter den ersten drei Rängen.

Investitionslaune ist Achillesferse der Inustrie

Bei allem Optimismus bliebt die mangelnde Investitionsbereitschaft im Inland ein Kernproblem der Branche: Es zeige sich immer klarer, dass die Auslandsnachfrage nach Maschinen den Bestellungen aus dem Inland davon laufe. Um die Investitionsbereitschaft im Inland zu erhöhen, forderte der VDMA-Präsident die Bundeskanzlerin zu größerem politischen Mut auf. Merkel sollte die beiden Vorschläge der Maschinenbau-Industrie zur Förderung der Investitionsbereitschaft in Deutschland, zum einen die dauerhafte Wiedereinführung der degressiven Abschreibung sowie die steuerliche Forschungsförderung, endlich in reale Politik umsetzen.

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