Newsticker September: Aktuelles aus der Prozessindustrie Viele Chemie-Unternehmen sehen ihre Existenz gefährdet

Von Wolfgang Ernhofer

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Im ständig aktuellen News-Ticker fasst die PROCESS-Redaktion das Geschehen in der Branche kompakt zusammen. Ob Chemie-, Pharma-, oder Lebensmittelindustrie, alle verfahrenstechnischen Themen werden – ebenso wie politische und wirtschaftliche Nachrichten zur Prozessindustrie – zusammengefasst.

(Bild: gemeinfrei / Pixabay)

28.09.2022

Frankfurt/Main (dpa) *17:41 Uhr – VCI-Präsident: 100 Milliarden Euro für Gaspreisbremse «realistisch»

Der Präsident des Verbands der Chemischen Industrie (VCI), Christian Kullmann, hält ein Volumen von mehr als 100 Milliarden Euro bei der diskutierten Gaspreisbremse für realistisch. «Wenn wir hier davon sprechen, dass wir große Industrien und vielen Tausend Unternehmen unter die Arme greifen müssen, dann sind die 100 Milliarden für die Bundeswehr ein wahrscheinlich deutlich zu kleiner Topf für diese Aufgabe», sagte er dem Nachrichtenportal «The Pioneer» (Donnerstag). Die Schuldenbremse sei nicht mehr einzuhalten.

Die Situation in der chemischen Industrie sei unglaublich schwierig, sagte Kullmann. Er schätze, dass mindestens ein Drittel der Unternehmen der Branche in ihrem Bestand akut gefährdet seien. Etwa 99 Prozent der Firmen bräuchten das Gas für ihre Produktionsprozesse, nicht zum Heizen von Lagerhallen oder Büros, betonte er: «Die chemische Industrie ist eine der energieintensivsten Industrien im Land.»

Kullmann sprach sich für die Abschaffung der Gas-Umlage aus: «Jetzt sind wir in einer anderen Situation. Jetzt brauchen wir neue Maßnahmen.»

Frankfurt/Main (dpa) *15:18 Uhr – Umfrage: Viele Chemie-Unternehmen sehen sich in Existenz gefährdet

In der Chemie- und Pharmabranche sind die Sorgen wegen der hohen Energiepreise weiter hoch. In einer Umfrage des Arbeitgeberverbands BAVC gab gut ein Fünftel (20,7 Prozent) der Unternehmen an, ihre wirtschaftliche Existenz sei absehbar gefährdet, wenn die Preise für Energie oder Rohstoffe auf dem jetzigen Niveau bleiben und nicht wieder sinken. Weitere 40 Prozent erklärten, ihre Existenz sei erst gefährdet, wenn die Preise für Energie und Rohstoffe weiter steigen. Gut 36 Prozent teilten dem BAVC mit, sie sähen ihre wirtschaftliche Existenz absehbar nicht gefährdet.

An der Umfrage des Arbeitgeberverbands hatten sich im September knapp 400 Unternehmen mit mehr als 230.000 Beschäftigten beteiligt. Der BAVC, der rund 1900 Betriebe mit 580.000 Beschäftigten vertritt, sieht die Situation der Branche in der Energiekrise als düster an. Kaum einem Unternehmen gelinge es noch, steigende Preise komplett an die Kunden weiterzugeben. Zudem rechneten sieben von zehn Firmen für die kommenden Monate mit einer weiteren Verschlechterung ihrer Lage.

Vor der anstehenden Tarifrunde forderte BAVC-Hauptgeschäftsführer Klaus-Peter Stiller, die Gewerkschaft IG BCE müsse ihre Erwartungen anpassen. «Zusätzliche dauerhafte Kostensteigerungen sind in der Breite der Branche derzeit nicht tragbar.» Die Wettbewerbsfähigkeit und die Geschäftserwartungen hätten sich seit der Brücken-Regelung vom April deutlich verschlechtert.

Im Frühjahr hatten sich der BAVC und die Gewerkschaft IG BCE auf einen Teilabschluss geeinigt und wegen der hohen Unsicherheit um den Krieg in der Ukraine eine Einmalzahlung von 1400 Euro pro Kopf als Übergangslösung beschlossen. Die IG BCE fordert eine nachhaltige Erhöhung der Entgelte wegen der hohen Inflation. Die Gespräche sollen am 17. und 18 Oktober in Wiesbaden weitergehen.

Halle (dpa/sa) *13:28 Uhr – Chemieproduktion in Leuna deutlich eingeschränkt – Ruf nach Hilfe

Die chemische Industrie in Leuna sieht sich angesichts der hohen Gaspreise zunehmend in Bedrängnis und fordert rasche Unterstützung von der Politik. «Wir haben über den Schnitt der Betriebe am Standort aktuell Produktionseinschränkungen von ungefähr 50 Prozent», sagte der Geschäftsführer der Infraleuna, Christof Günther, am Mittwoch in Halle. «Wir haben eine Situation, wo die chemische Industrie nicht mehr wirtschaftlich arbeiten kann und wo wir ganz dringend Unterstützung brauchen, denn es leuchtet jedem ein, dass ein defizitärer Anlagenbetrieb nur sehr begrenzte Zeit aufrecht erhalten werden kann.»

Im Chemiepark Leuna seien die verschiedenen Unternehmen und Anlagen miteinander verbunden. In diesem Verbund produziere die chemische Industrie sehr effizient und wettbewerbsfähig. «Jetzt kommt es darauf an zu verhindern, dass aus diesem Verbund wesentliche Elemente herausbrechen aus wirtschaftlichen Gründen», sagte Günther. Dies könnte dazu führen, dass andere Anlagen, die aktuell noch wirtschaftlich betrieben werden können, auch außer Betrieb gehen müssen.

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«Wenn eine solche Entwicklung einsetzt, ist das ein Dominoeffekt, der dazu führt, dass die chemische Industrie nicht nur in Leuna, sondern im gesamten mitteldeutschen Chemiedreieck in Mitleidenschaft gezogen wird», sagte Günther weiter. Unzweifelhaft hätte das auch Auswirkungen auf die ganze nachfolgende Industrie wie Elektrotechnik, Maschinenbau, Anlagenbau, Bauwirtschaft und Landwirtschaft. «Überall sind die nachfolgenden Wertschöpfungsstufen auf die Chemieprodukte angewiesen.» Es drohten Lieferkettenstörungen, «die sich niemand ausmalen kann im Moment».

An dem Industriestandort arbeiten für rund 100 Firmen etwa 12.000 Menschen, darunter 600 in der Erdöl-Raffinerie. Die Infraleuna bietet Dienstleistungen für die Firmen an. Dazu zählt die Energieversorgung aus eigenen Gaskraftwerken.

Der Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer Halle-Dessau, Thomas Brockmeier, sagte, das Knappheitsproblem bei der Energie müsse bekämpft werden. «Wir brauchen aus allen Quellen, derer wir Herr werden können, mehr Energie im Markt. Gas und Strom. Das ist die wichtigste politische Botschaft zunächst einmal.» Atomkraftwerke und Kohlekraftwerke dürften nicht vom Netz genommen werden. Man müsse auch auf Fracking setzen. «Wir müssen alles, alles was wir kriegen können, an den Markt bringen, damit die Preise fallen. Wenn die nicht fallen, ist es nicht zu bezahlen.»

Berlin (dpa) *10:31 Uhr – Umfrage: Führungskräfte sehen Bürokratie als größtes Hindernis

Nach Ansicht von Führungskräften in Deutschland hakt es bei der Transformation der Wirtschaft vor allem an langen Genehmigungsverfahren. Als größtes Hindernis für die «grüne Transformation», also den klimafreundlichen Umbau von Produktionsprozessen, wird Bürokratie wahrgenommen. Das ergab ein «Industrie 5.0»-Report, den das European Center for Digital Competitiveness der ESCP Business School Berlin sowie der Maschinenbauers Voith in Zusammenarbeit mit dem Institut für Demoskopie (IfD) Allensbach am Mittwoch vorlegten.

Der Abbau von Bürokratie und die Beschleunigung von Genehmigungsverfahren werden demnach als die wichtigsten Voraussetzungen für eine nachhaltige Transformation der Wirtschaft gesehen. Technischer Fortschritt könne ganz wesentlich dazu beitragen, die Klimabelastungen zu verringern, sagten 87 Prozent der Führungsspitzen aus Wirtschaft und Politik. Erneuerbare Energien und grüner Wasserstoff würden als bedeutender eingeschätzt als Elektromobilität. Der Report basiert auf den Ergebnissen einer Umfrage des IfD Allensbach unter rund 500 Top-Führungskräften aus Wirtschaft, Politik und Verwaltung in Deutschland.

27.09.2022

Stockholm (dpa) *16:06 Uhr – Schwedischer Experte: Explosionen bei Nord-Stream-Lecks

Messstationen in Schweden und Dänemark haben einem Medienbericht zufolge vor dem Entstehen der Nord-Stream-Gaslecks in der Ostsee kräftige Detonationen unter Wasser verzeichnet. Es bestehe kein Zweifel daran, dass es sich um Sprengungen oder Explosionen handele, sagte der Seismologe Björn Lund vom Schwedischen Seismologischen Netzwerk (SNSN) am Dienstag dem schwedischen Rundfunksender SVT.

Es habe am Montag zwei deutliche Detonationen in dem Gebiet gegeben, berichtete der Sender unter Berufung auf das Netzwerk – eines in der Nacht um 2.03 Uhr und ein zweites um 19.04 Uhr am Abend.

Insgesamt sind an den Gaspipelines Nord Stream 1 und 2 drei Lecks entdeckt worden. Sie traten in der Nähe der Ostsee-Insel Bornholm teils in dänischen, teils in schwedischen Gewässern auf. Die Ursache wurde noch nicht festgestellt. Sabotage wird nicht ausgeschlossen.

Düsseldorf (dpa/lnw) *15:49 Uhr – Henkel-Kraftwerk soll Wärme in Düsseldorfer Fernwärmenetz einspeisen

Der Konsumgüterkonzern Henkel will industrielle Abwärme aus seinem eigenen Kraftwerk in das Fernwärme-Netz der Stadtwerke Düsseldorf einspeisen. Henkel und die Stadtwerke besiegelten am Dienstag einen entsprechenden Vertrag.

Künftig sollen bis zu 40 Prozent der Fernwärme für zwei Stadtteile in Düsseldorf über Wärme aus der Kraft-Wärme-Kopplung des Henkel-Kraftwerks gedeckt werden. Das Kraftwerk verfügt laut Kraftwerksliste der Bundesnetzagentur über eine Bruttoleistung von knapp 83 Megawatt und wird mit Erdgas und Heizöl betrieben.

Im Gegenzug können die Stadtwerke den Erdgasverbrauch in ihrem Gaskraftwerk erheblich reduzieren. «Die CO2-Emissionen der Stadt Düsseldorf sinken um etwa 6500 Tonnen jährlich», teilte Henkel mit.

Der Leitungsbau beginnt voraussichtlich im November 2022, die Abwärme soll spätestens Ende 2024 eingespeist werden. Über das finanzielle Volumen der Vereinbarung wurde nichts bekannt. Zuvor hatte die «Westdeutsche Zeitung» darüber berichtet.

Nach Angaben des Verbandes der Industriellen Energie- und Kraftwirtschaft (VIK) würden sehr viele Unternehmen gern ihre Abwärme in Versorgungsnetze einspeisen und damit nutzen. «Allerdings ist dies je nach regionalen Gegebenheiten nur sehr unterschiedlich möglich», sagte ein Sprecher auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur dpa.

Ein ähnliches Projekt ist in Hamburg geplant. Dort will die Kupferhütte Aurubis ab der Heizperiode 2024/25 rund 20 000 Haushalte mit CO2-freier Industriewärme aus einem Nebenprozess der Kupferproduktion beliefern.

Leipzig (dpa) *08:37 Uhr – Biokraftstoffhersteller Verbio beendet Geschäftsjahr mit Rekordwerten

Der Biokraftstoffhersteller Verbio hat im abgelaufenen Geschäftsjahr Rekordwerte erzielt. In den zwölf Monaten bis Ende Juni sei der Umsatz gegenüber dem Vergleichszeitraum um 77 Prozent auf rund 1,8 Milliarden Euro gestiegen, teilte das im SDax notierte Unternehmen am Dienstag mit. Verbio profitierte dabei von höheren Preisen für Biodiesel und Bioethanol. Als Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) blieben davon 503,3 Millionen Euro übrig, was etwa dreimal so viel ist wie im Geschäftsjahr zuvor.

23.09.2022

Bad Ems (dpa/lrs) *14:14 Uhr – Wirtschaft wächst im Land dank Biontech-Effekt kräftig

Trotz des Ukraine-Kriegs und der explodierenden Energiepreise ist die rheinland-pfälzische Wirtschaft nach ihrem Rekordwachstum 2021 weiter auf Expansionskurs. Das Bruttoinlandsprodukt stieg nach Angaben des Statistischen Landesamtes in Bad Ems vom Freitag im ersten Halbjahr 2022 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum preisbereinigt um 6,4 Prozent. Diese Steigerung belegte im Ländervergleich den Spitzenplatz. Im Bundesdurchschnitt wuchs die Wirtschaftsleistung um 2,8 Prozent.

Der überdurchschnittliche Anstieg in Rheinland-Pfalz war laut Landesamt «zu einem beträchtlichen Teil auf einzelne Branchen zurückzuführen, die von der Entwicklung und der Produktion eines Impfstoffes gegen das Coronavirus profitieren». Damit war vor allem das Mainzer Pharmaunternehmen Biontech gemeint.

Die Pharmaindustrie sowie auch die Metallerzeugung und -bearbeitung im Land erzielten die mit Abstand größten Umsatzsteigerungen mit einem Plus von je 84 Prozent im ersten Halbjahr 2022 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Die Chemieindustrie verbuchte ein Plus von 30 Prozent und die Kfz-Industrie einen Zuwachs von 25 Prozent. Im Maschinenbau nahmen die Erlöse nur um 4,2 Prozent zu.

Auch der Dienstleistungssektor wuchs. Dazu trug unter anderem das Gastgewerbe bei, dessen Umsätze sich nach dem coronabedingten Einbruch preisbereinigt gleich um 124 Prozent zulegten. Im Groß- und Einzelhandel dagegen stiegen die Umsätze nur um 1,1 beziehungsweise 0,7 Prozent.

Rösrath (dpa) *04:50 Uhr – Salzsäure aus Lkw ausgetreten – A3 Richtung Frankfurt gesperrt

Aus einem Lkw ausgelaufene Salzsäure hat zu einer stundenlangen Sperrung der Autobahn 3 bei Köln in Richtung Frankfurt geführt. Der mit 24 Tonnen Salzsäure beladene Lastwagen habe eine undichte Schweißnaht, an der die stärk ätzende Chemikalie ausgetreten und verdampft sei, teilte die Feuerwehr am Freitagmorgen mit. Der Lkw stehe auf einer Raststätte bei Rösrath. Die eine Seite der Fahrbahn sei weiterhin gesperrt.

Eine Abdichtung des Lecks sei nicht möglich, hieß es. Daher werde die gesamte Ladung des Lastwagens in ein Tankfahrzeug umgepumpt. Das müsse die Salzsäure allerdings zwischendurch immer wieder zur Entsorgung abtransportieren, da nicht die gesamten 24 Tonnen in den Tankraum passten. Die Feuerwehr habe zudem eine Barriere aufgebaut, damit die Säure nicht ins Erdreich gelange. Wegen des Lecks waren rund 115 Einsatzkräfte ausgerückt.

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