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Biogasertrag Mehr Biogasertrag aus Biomasse mit einem Ultraschallreaktor

| Redakteur: Gabriele Ilg

Dem Ultraschallreaktor von Ultrawaves, einer Ausgründung der TU Hamburg, gelingt es, bei Biomasse, die vergoren wird, die Energieausbeute deutlich zu steigern.

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(Bild: Ultrawaves)
(Bild: Ultrawaves)

Hamburg – Manchmal riecht bereits die Post. Aber darüber wundern sich die Mitarbeiter bei Ultrawaves auf dem Campus der TU Hamburg schon lange nicht mehr. Drei- bis viermal pro Woche bekommt das Unternehmen Päckchen mit mehr oder weniger stark muffelndem Inhalt zugeschickt: Biomasse-Proben aus aller Welt.

Ob Klärschlamm, Maishäcksel oder Grasschnitt – im firmeneigenen Labor werden diese Proben auf ihre spezifische Konsistenz geprüft und im Testlauf mit einem von Ultrawaves patentierten Verfahren behandelt, das bereits rund um den Globus erfolgreich in Kläranlagen und Biogasanlagen angewendet wird. Mit dem Ultraschallreaktor gelingt es, bei Biomasse, die vergoren wird, die Energieausbeute erheblich zu steigern. „Durch den Einsatz von hochfrequentem Ultraschall werden die Biomassezellen für den biologischen Abbauprozess besser verfügbar gemacht, wodurch bis zu 30 Prozent mehr Biogas entsteht“, sagt Ultrawaves-Gründer und Geschäftsführer Dr. Klaus Nickel.

Das Hamburger Unternehmen, das 2001 als Ausgründung der TU Hamburg entstand, hat es mit seiner patentierten Ultraschall-Umwelttechnologie in kurzer Zeit zum Weltmarktführer gebracht. Für seinen Ultraschall-Reaktor wurde Ultrawaves 2006 mit dem Innovationspreis des Bundesverbandes der Deutschen Industrie ausgezeichnet und 2007 mit dem Innovationspreis des Landes Baden-Württemberg. Dort, in der Nähe von Karlsruhe, liegt auch der Sitz der Herstellerfirma des Ultraschall-Reaktors „Sonotronic".

Biogas spielt bei der Suche nach neuen regenativen Formen der Energiegewinnung eine wesentliche Rolle und Energie aus Biomasse zu gewinnen ist mittlerweile auch von großer wirtschaftlicher Bedeutung. Während in Deutschland der Ultraschall-Reaktor in landwirtschaftlichen Biogasanlagen zum Einsatz kommt, stehen auf dem internationalen Markt die Kläranlagen im Fokus. „Heute geht es darum, dass eine Kläranlage nicht mehr nur eine Entsorgungsstätte für Abwasser ist, sondern mindestens soviel Energie erzeugt, wie sie verbraucht, vielleicht sogar mehr. Dafür sorgt unsere Technologie", sagt Nickel. Weltweit sind 55 Kläranlagen in 20 Ländern damit ausgerüstet, zuletzt in Taiwan.

Der Reaktor selbst ist überraschend klein und kompakt, kaum koffergroß. „Die Entwicklung war echte Pionierarbeit, darin stecken fast 20 Jahre Forschung und Erfahrung von der TUHH“, sagt Nickel.

„Das wissenschaftliche Know-how ist heute unser großer Vorteil, dadurch wissen wir sehr genau, was diese Technik bringt", ergänzt Nickel. Im Laborversuch lässt sich bereits anhand einer Probe präzise prognostizieren, wie viel mehr Gas eine bestimmte Biomasse später mit der Ultraschall-Technologie in der Großanlage erbringen wird. Zudem öffne sich der Biogasmarkt derzeit sehr schnell und neue Biomassetypen seien von ihrer Konsistenz her nicht mehr so leicht zu vergären. „Künftig wird unsere Technik also noch mehr benötigt werden, um diese Stoffe aufzuschließen.“

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