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Abwasserbehandlung

Maßarbeit – Envirochemie erweitert Abwasserbehandlungsanlage im laufenden Betrieb

| Redakteur: Jörg Kempf

Rund 136.500 Kubikmeter Abwasser fallen beim Fruchtsafthersteller Fidel Dreher aus der Verarbeitung von Äpfeln an, das in einer komplexen biologischen Abwasserbehandlungsanlage gereinigt wird. Aufgrund von Produktionserweiterungen sollte die bestehende Anlage erweitert werden – und zwar im laufenden Betrieb. Ein Fall für Spezialisten ...

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Die Abwasserbehandlungsanlage mit Biogasgewinnung wurde in drei Bauphasen in einem Zeitraum von nur sieben Monaten errichtet und in Betrieb genommen.
Die Abwasserbehandlungsanlage mit Biogasgewinnung wurde in drei Bauphasen in einem Zeitraum von nur sieben Monaten errichtet und in Betrieb genommen.
(Bild: Envirochemie)

Die Firma Fidel Dreher mit Sitz in der Bodensee-Region verarbeitet Früchte zu Fruchtsäften, Konzentraten und Pürees. Das anfallende Abwasser wurde bisher über ein aerobes biologisches Reinigungsverfahren im Batch-Betrieb behandelt und indirekt über eine kommunale Kläranlage eingeleitet. Ziel der Anlagenerweiterung war es, neben der Gewinnung von Biogas aus dem zu behandelnden Abwasser, auf eine kontinuierlich betriebene Abwasserbehandlung umzustellen.

Die neue Anlage wurde von Envirochemie mit moderner Technologie und hohen Qualitätsstandards ausgestattet. Neben einem anaeroben Hochleistungsreaktor Biomar AHPx mit innovativem System zur Gasableitung wurde die gesamte Anlage mit Feldbustechnik ausgestattet und ein eigenes Fernzugriffssystem auf zwei getrennten Servern eingerichtet. Über das Fernzugriffssystem ist ein Fernbetrieb der Anlage sowie ein Informations- und Alarmmanagement via E-mail und SMS möglich. Die getrennten Server ermöglichen eine physische Trennung von Steuerung und Datenaufzeichnung und damit größtmögliche Anlagensicherheit, falls ein Server ausfällt.

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Herausforderung Platzmangel

Eine Herausforderung beim Bau der Anlage waren die eingeschränkten Platzverhältnisse. Der Um- bzw. Neubau sollte deshalb im laufenden Betrieb erfolgen. Alte Anlagenteile mussten zunächst demontiert werden, bevor an gleicher Stelle neue Anlagenteile errichtet werden konnten. Um gleichzeitig eine sichere Behandlung des Abwassers zu gewährleisten, wurde die Neuanlage in drei Bauphasen in einem Zeitraum von nur sieben Monaten errichtet und in Betrieb genommen. Die Anlagensteuerung wurde in diesem Zeitraum permanent an die sich ändernden Gegebenheiten angepasst.

Aus Zeitgründen musste auf eine hydraulische Inbetriebnahme mit Klarwasser verzichtet werden. Die Warminbetriebnahme erfolgte deshalb direkt mit Originalabwasser im laufenden Betrieb. Sie wurde erfolgreich und gemäß dem vorgegebenen Zeitplan abgeschlossen.

Seit Oktober 2016 ist die Gesamtanlage in Betrieb. Sie besteht aus einer Vorbehandlung des Abwassers über Trommelsieb und Flotation. Im Anschluss erfolgen die Biogasgewinnung sowie ein CSB-Abbau von ca. 90 % im anaeroben Biomar AHPx Hochleistungsreaktor.

Tagesleistung bis 1000 kW

Vor dem Einleiten in die Kanalisation wird das Abwasser über eine aerobe Belebungsstufe mit Schlammabtrennung bis auf die notwendige Indirekteinleiterqualität aufbereitet. Das gewonnene Biogas wird über eine Entschwefelung und Trocknung aufbereitet. Es wird im Betrieb zur Dampferzeugung sowie über ein BHKW zur Gewinnung von Energie und Wärme genutzt. Mit dem Bio-Reaktor können täglich bis zu 3600 m³ Biogas erzeugt werden, was einer Leistung bis 1000 kW entspricht.

Da die Abwasserbehandlungsanlage unmittelbar an ein Wohngebiet angrenzt, wurde bei der Planung ein besonderes Augenmerk auf die Geruchsvermeidung und den Schallschutz gelegt. So wird die gesamte abgesaugte Abluft über Biofilter behandelt. Beim Bau wurden geräuscharme Komponenten wie schallisolierte Ventilatoren und eine schallisolierte Gasfackel verwendet. Darüber hinaus ist das Zu- und Abluftsystem zum Technikgebäude schallisoliert ausgeführt.

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Über den Autor

Jörg Kempf

Jörg Kempf

Chefredakteur, PROCESS - Chemie | Pharma | Verfahrenstechnik