Wassertechnologien Marktchancen für weltweite Wasserprojekte

Autor / Redakteur: Dipl.-Ing. Hans-Jürgen Bittermann* / Dr. Jörg Kempf

Sauberes Wasser ist weltweit eine zentrale Ressource und Grundbedingung für die ökonomische Entwicklung eines Landes. Viele Länder investieren deshalb massiv in ihre Wasser-Infrastrukturen. Deutsche Anbieter können davon profitieren – wie interessante Projekte in Ägypten, Katar, Russland und Kuwait zeigen.

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Wasserprojekte wie hier in Senegal sind für deutsche Anbieter weltweit interessant.
Wasserprojekte wie hier in Senegal sind für deutsche Anbieter weltweit interessant.
(Bild: Bild: GTAI / Carsten Ehlers)

Sowohl in Entwicklungs- und Schwellenländern als auch in den meisten Industrieländern besteht ein hoher Investitions- und Erneuerungsbedarf im Bereich der Wasserver- und Abwasserentsorgung. Deutsche Anbieter von Wassertechnologien haben langfristig große Chancen auf dem Weltmarkt, wenn sie – außer auf technologische Einzelkomponenten – auch auf integrierte Systemlösungen setzen. Systemlösungen, die Trinkwasser-, Abwasser-, Abfall- und Energietechnologien kombinieren und optimieren, verfügen über ein beträchtliches Potenzial zur Bewältigung globaler Probleme: Sie tragen dazu bei, gleichzeitig Probleme der Wasserknappheit und -verschmutzung zu lösen, durch den geringeren Energie- und Ressourcenverbrauch Ressourcen zu schonen und Kosten einzusparen, sowie nachhaltige Infrastrukturen und Kapazitäten aufzubauen.

Projekte in Ägypten

Der Wasser- und Abwassersektor ist ein konstanter Investitionsschwerpunkt in Ägypten. Ausbau- und Erneuerungsinvestitionen bringen häufig Auftragschancen für ausländische Unternehmen mit sich. Diese sind in der Planung und beim Bau von Anlagen beteiligt oder liefern Pumpen, Filter, Turbinen, Armaturen, Steuerungen und andere Ausrüstung zu. Neue Ausbaupläne zur Meerwasserentsalzung in küstennahen Gebieten dürften diesem Bereich Auftrieb geben.

Die Landwirtschaft als Verbraucher von 82 % der ägyptischen Wasserressourcen kann in ihrer Bedeutung gar nicht hoch genug eingeschätzt werden. Viele Bewässerungskanäle und Pumpstationen befinden sich in einem schlechten Zustand. Dass der Wasserverbrauch noch immer nicht flächendeckend erfasst werden kann und zudem laufend neue Siedlungen entstehen, spricht überdies für einen Bedarf an Wasserzählern. Im bestehenden Leitungssystem gehen bis zu 58 % des knappen Wassers verloren. Um das zu ändern und die Versorgung längerfristig zu sichern, könnte Technik zur Suche nach Leckagen und deren Behebung entscheidend beitragen.

Der voranschreitende Bau des Staudammes Grand Ethiopian Renaissance Dam sorgt seit mehreren Jahren für Unruhe in Ägypten. Weil unklar ist, wie viel Wasser Ägypten zukünftig zur Verfügung stehen wird, setzt die ägyptische Regierung auf mehr Wiederverwendung von Wasser und die Meerwasserentsalzung in den Küstengebieten des Landes. Die Holding Company for Water and Wastewater (HCWW) strebt an, die Entsalzung bis 2037 auf 2,6 Millionen Kubikmeter deutlich zu erhöhen.

Projekte in Katar

Katar gewinnt sein Trinkwasser im Wesentlichen aus Meerwasserentsalzungsanlagen. Angesichts der zahlreichen Entwicklungsprojekte – viele in Vorbereitung auf die Fußballweltmeisterschaft 2022 – wird sich der Verbrauch deutlich erhöhen. Der Nachfragezuwachs erfordert unter Berücksichtigung der Differenz zwischen Wassererzeugung und Netzeinspeisung eine Produktion von mindestens 720 Millionen Kubikmeter Wasser (gegenüber 650 Millionen Kubikmeter im Jahr 2018).

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Der Energie- und Wasserversorger Qatar General Electricity & Water Corporation (Kahramaa) will für drei Milliarden Dollar im Industriegebiet Ras Abu Fontas ein neues Kraftwerks- und Meerwasserentsalzungsprojekt, „Facility E“ genannt, bauen lassen. Die Entsalzungsanlage soll 0,38 Millionen Kubikmeter/Tag leisten. Als Entwickler des BOOT-Projektes (Build Own Operate Transfer) haben sich Jera (Japan), die China Electric Power Construction Group, Mitsubishi, Mitsui & Co., Marubeni, Engie (Frankreich), Itochu und die Korea Electric Power Corporation präqualifiziert. Für den Bau des Kraftwerks sind Doosan Heavy Industries & Construction, General Electric, Siemens und Samsung C&T im Rennen. Als Projektberater ist Finnlands Pöyry tätig.

Kahramaa begann 2015 mit einem acht Milliarden Dollar Megaprogramm (Water Security Mega Reservoirs Programm) und baut ein vernetztes System an Wasserreservoirs. Es soll nach 20 Jahren abgeschlossen sein.

Die sechs großen und 17 kleinen Kläranlagen des Emirats können nahezu das gesamte Abwasseraufkommen verarbeiten. Das aufbereitete Abwasser wird zur Bewässerung und zum Auffüllen der Grundwasserbestände verwendet. Das wichtigste Projekt im Planungsstadium ist die Al Wakrah Kläranlage. Die für den Abwassersektor zuständige Qatar Public Works Authority (ASHGHAL) möchte einen DBOT-Vertrag (Design, Build, Operate, Transfer) mit einer Laufzeit von 25 Jahren abschließen. Die Kläranlage soll zunächst über eine Kapazität von 150 000 m3/d verfügen, die Infrastruktur soll aber für eine spätere Erweiterung auf 600 000 m3 ausgelegt werden. Das 200 Millionen Dollar-Projekt umfasst auch eine Abwasser-Pumpstation mit einer Kapazität von 600 000 m3/d sowie eine TSE-Infrastruktur (Treated Sewage Effluent) mit Speichern und einer Pumpstation. Danach will ASHGAL die Anlage übernehmen und künftig möglichst viele Projekte dem Privatsektor übergeben. Hierfür wurden Pricewaterhouse Coopers als Financial Advisor, Mott MacDonald als Technical Advisor und Eversheds Sutherland als Legal Advisor engagiert.

Wasserprojekte in Russland und Kuwait finden Sie auf der nächsten Seite.

Projekte in Russland

Etwa 70 % der 9000 Kläranlagen in Russland wurden vor 30 bis 50 Jahren gebaut. Rund 160 000 km Wasserleitungen sollen marode sein; die Trinkwasserqualität ist in vielen Orten gesundheitsgefährdend. Bis heute haben fast 15 Millionen Menschen in Russland überhaupt keinen Anschluss an die zentrale Trinkwasserversorgung. Im ländlichen Raum hat nur jeder Vierte Zugang zur zentralen Kanalisation.

Seit mehr als einem Jahrzehnt setzt sich GTAI für den deutschen Außenhandel ein – auch in schwierigen Zeiten.
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(Bild: Bild: GTAI)

Im Rahmen des nationalen Projekts „Ökologie“ gibt es mehrere Unterprogramme, die auf eine Verbesserung der Wasserversorgung und Abwasserreinigung zielen. Wichtigstes Vorhaben ist das föderale Projekt „Sauberes Wasser“. Mit ihm soll das System der Trinkwasseraufbereitung und -versorgung bis 2024 umfassend modernisiert werden. Insgesamt rechnet Russlands Regierung mit Investitionen von 245 Milliarden Rubel (3,4 Milliarden Euro) für die Umsetzung des Projekts. Knapp zwei Drittel davon kommen aus dem Staatshaushalt.

Außerdem will das Bauministerium im Rahmen der Smart-City-Strategie für Russlands Städte die kommunale Wasserwirtschaft digitalisieren. Dabei geht es um den Einbau von smarten Zählern, Messgeräten und Sensoren. Sie sollen helfen, Leitungsverluste zu verringern, die Betriebskosten zu senken und drohende Havarien schneller zu erkennen. Zu den Pilotregionen gehören Omsk und Sarow im Gebiet Nischni Nowgorod. Dort will der staatliche Atomenergiekonzern Rosatom den Betrieb der örtlichen Wasserwerke übernehmen und digitale Technologien installieren.

Projekte in Kuwait

Kuwaits Frischwasserverbrauch stieg von 2010 bis 2017 um 19 % auf 728 Millionen Kubikmeter. Mittelfristig wird mit jährlichen Steigerungsraten von 2 bis 3 % gerechnet. Meerwasserentsalzungsanlagen liefern 99 % des Frischwassers.

Die südkoreanische Doosan Heavy Industries & Construction Company erhielt den 422 Millionen Dollar EPC-Auftrag (Engineering, Procurement, Construction) der ersten Phase der Doha RO-Anlage (Kapazität: 0,27 Millionen m3/d). Auftraggeber ist das Ministerium für Elektrizität und Wasser (MEW). Mit der Ausschreibung der zweiten Phase mit gleicher Leistung ist 2020 zu rechnen. Die MEW sieht deren Inbetriebnahme bereits 2021 vor.

Private Investoren sollen den künftigen Kapazitätsausbau finanzieren. Dafür zuständig ist die Kuwait Authority for Partnership Projects (KAPP). Die erste und bislang einzige Entsalzungsanlage, die als PPP-Projekt (Private Public Partnership) realisiert wurde, ist die erste Phase von Az Zour North. Zu diesem Projekt gehört auch ein 1540 MW Kraftwerk. Die zusammengelegten Phasen 2 und 3 des Az Zour North-Projekts sollen aus einem 3200 MW Kraftwerk und einer 0,75 Millionen m3/d Entsalzungsanlage bestehen.

Zwei weitere kombinierte Kraftwerks- und Entsalzungsprojekte könnten 2020 zur Ausschreibung kommen: die erste Phase des Al Khairan Projekts (Kapazitäten: 1500 MW; 0,57 Millionen m3/d) und Nuwaiseeb (3600 MW; 0,34 Millionen Kubikmeter). Az Zour North und Al Khairan sollen als DBFOT-Projekte (Design, Build, Finance, Operate, Transfer) umgesetzt werden.

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* Der Autor ist freier Mitarbeiter bei PROCESS. Quelle: GTAI

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