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Nach geplatztem Merger mit Praxair Linde-Vorstandsvorsitzender und Finanzchef müssen gehen

Redakteur: Gerd Kielburger

Linde hat bestätigt, dass sowohl Linde-CEO Dr. Wolfgang Büchele als auch Finanzvorstand Georg Denoke das Unternehmen verlassen. Damit zieht der Aufsichtsrat unter Führung von Prof. Dr. Wolfgang Reitzle die Konsequenzen aus der geplatzten Fusion mit dem US-amerikanischen Gaseproduzenten Praxair.

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Nach der geplatzten Fusion mit Praxair verlässt Linde-Chef Dr. Wolfgang Büchele das Unternehmen im April nächsten Jahres.
Nach der geplatzten Fusion mit Praxair verlässt Linde-Chef Dr. Wolfgang Büchele das Unternehmen im April nächsten Jahres.
(Bild: Linde)

München – Linde wollte aus der Fusion mit Praxair wieder zum weltgrößten Gasehersteller aufsteigen. Den Fusionsgesprächen vorausgegangen war offenbar ein interner Machtkampf zwischen den beiden Linde-Vorstandsmitgliedern. Linde hatte am Montag gemeldet, dass die Gespräche mit Praxair abgebrochen wurden. Berichten unter Berufung auf Bloomberg und Chemweek zufolge sollen Denoke und Gewerkschaftsvertreter im Vorstand die Fusionsgespräche torpediert haben, nachdem das neue Headquarter des fusionierten Unternehmens in Europa ausserhalb Deutschlands und die operative Zentrale an den US-amerikanischen Praxair-Standort nach Danbury im US-Bundesstaat Connecticut hätten verlagert werden sollen.

Denoke verlässt Linde mit sofortiger Wirkung, Büchele mit Ablauf seines Vertrages im April nächsten Jahres. Die Nachfolge für Finanzchef Denoke soll interimsweise der derzeitige Leiter der Group Treasury, Dr. Sven Schneider, übernehmen.

In einem Brief an die Linde-Mitarbeiter begründet CEO Büchele sein angekündigtes Ausscheiden mit der eigenen Enttäuschung über den geplatzten Merger: „Meine Entscheidungen an der Spitze unseres Unternehmens treffe ich stets nach dem Credo, Linde auf Dauer als erfolgreiches, wettbewerbsfähiges und starkes Weltunternehmen weiterzuentwickeln. Da ich mich in meinem Berufsleben stets daran gemessen habe, die von mir gesetzten Ansprüche auch zu erfüllen, war ich persönlich sehr enttäuscht, dass ich mein Ziel, die Nummer 1 im globalen Industriegasebereich zu bilden, nicht erreichen konnte. Ich habe mir die Entscheidung nicht leicht gemacht.“

In einer offiziellen Presserklärung hieß es, der Aufsichtsrat des Unternehmens habe diese Entscheidung mit großem Bedauern zur Kenntnis genommen und Büchele gebeten, bis zum Ablauf seines Vertrags im Amt zu bleiben und zusätzlich das Amt des Arbeitsdirektors mit zu übernehmen. Linde-Aufsichtsratschef Reitzle sagte: „Ich will persönlich betonen, dass ich mit unserem Vorstandsvorsitzenden ein offenes und von Vertrauen und hoher Loyalität geprägtes Verhältnis pflege. Herr Dr. Büchele hat mit großem Verantwortungsbewusstsein einen potenziellen Zusammenschluss von Linde und Praxair verhandelt und kam zum Schluss, dass trotz aller potenziellen Vorteile die Interessen des deutschen Standorts sowie eines gleichgewichtigen Mergers nicht gewährleistet waren. Umso mehr werden wir uns jetzt auf unsere Kernstärken konzentrieren und die Wettbewerbsposition von Linde aus eigener Kraft weiter verbessern.“ Ein Suchprozess für die Büchele-Nachfolge werde umgehend eingeleitet.

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