Suchen

Neues Kompetenzzentrum Linde setzt auf Modularisierung im Großanlagenbau

Redakteur: Dipl.-Ing. (FH) Tobias Hüser

Mit einem eigens eingerichteten Kompetenzzentrum stärkt Linde seine Position als eines der weltweit führenden Unternehmen im Anlagenbau. Das Competence Centre Modularisation (CCM) soll die modulare Bauweise für industrielle Großanlagen etablieren.

Firma zum Thema

Linde montierte eine Stickstoffabtrennungseinheit (Nitrogen Rejection Unit, kurz NRU) komplett in Europa, bevor sie vergangenes Jahr als Ganzes zu dem Kunden in Westaustralien verschifft wurde.
Linde montierte eine Stickstoffabtrennungseinheit (Nitrogen Rejection Unit, kurz NRU) komplett in Europa, bevor sie vergangenes Jahr als Ganzes zu dem Kunden in Westaustralien verschifft wurde.
(Bild: The Linde Group)

Pullach – „Im ‚Competence Centre Modularisation‘ bündeln wir die Kompetenzen bei Linde, um unseren Kunden immer die besten Technologien und das richtige Konzept zu liefern“, sagt Ralf Bellaire, Leiter der zentralen Ingenieurtechnik bei Linde Engineering. „Unser modulares Design hat für den Kunden vier Vorteile: Es reduziert die Kosten, verkürzt die Zeit bis zur Fertigstellung, minimiert das Risiko und steigert die Qualität der Einheit.“ Neben den technischen Herausforderungen ist vor allem die Koordination aller Teilprozesse eine große Herausforderung.

Modularisierung bedeutet, dass Anlagen, Anlagenteile oder spezielle Prozesseinheiten in bewährten Fertigungsstätten, sogenannten Yards, gebaut und dann als Ganzes an den Zielort transportiert werden. „Der Kunde profitiert davon auf mehreren Ebenen“, erläutert Marcus Lang, Leiter Produktlinie Erdgasanlagen bei Linde Engineering. „Durch die modulare Konzeption lassen sich komplexe Projekte effizient realisieren.“ Das spart Zeit und Kosten. Dass sich die Linde-Ingenieure immer häufiger für eine modulare Bauweise entscheiden, hat aber noch weitere Gründe: Da Anlagen oft an entlegenen Orten entstehen, fehlt es dort an der entsprechenden Infrastruktur wie Straßen, Energieversorgung und nötigen Gerätschaften wie zum Beispiel Kränen. Mithilfe des Modularisierungskonzepts kann Linde zudem das Arbeiten unter extremen Klimabedingungen auf ein Minimum reduzieren – im Gegensatz zur klassischen „stick-built“-Bauweise, bei der eine Anlage komplett vor Ort errichtet wird. Das ermöglichte beispielsweise erst den Bau der großindustriellen LNG-Anlage im norwegischen Hammerfest.

Internationaler Großanlagenbau GROAB ist eine Datenbank für den internationalen Großanlagenbau und bietet detailierte Informationen zu weltweiten Projekten aus über 13 Kategorien (Raffinerien, Erdöl-/Erdgasförderung, Energie/Kraftwerke, ...). Mindestens 15 neue und aktualisierte Projekte werden von uns jede Woche eingepflegt. Jetzt mehr zu GROAB erfahren und kostenlosen Testaccount erstellen.

Aber auch hohe Lohnkosten oder eine unzureichende Anzahl an qualifiziertem Personal können ein Hindernis für den Bau einer Anlage am Einsatzort sein. Deshalb montierte Linde eine Stickstoffabtrennungseinheit (Nitrogen Rejection Unit, kurz NRU) komplett in Europa, bevor sie vergangenes Jahr als Ganzes zu dem Kunden auf der anderen Seite des Erdballs verschifft wurde. An der westaustralischen Küste soll die NRU den Brennwert des Gases für Privathaushalte erhöhen, indem sie dessen Stickstoffanteil verringert. Linde fertigte die Kernbauteile wie die kryogenen Wärmetauscher zunächst im deutschen Werk Schalchen und lieferte diese an den spanischen Hafenort Tarragona. Dort montierten Techniker schließlich das 35 Meter hohe und 900 Tonnen schwere Prozessmodul, das dann per Schiff nach Australien transportiert wurde. „Nur wenige Unternehmen auf der Welt bieten diesen Service aus einer Hand an“, sagt Lang. Bei dem aufwendigen Projekt, das für die Gegebenheiten am Einsatzort maßgeschneidert wurde, übernahm Linde Konzeption, Bau und Transport.

(ID:44617077)