Rekordjahr 2015 Life Science wird zum Wachstumsmotor für Merck

Redakteur: Wolfgang Ernhofer

Merck hat das Jahr 2015 mit Rekordzahlen abgeschlossen. Umsatz und Ebitda vor Sondereinflüssen liegen so hoch wie noch nie in der beinahe 350-jährigen Geschichte des Unternehmens. Haupttreiber des Erfolgs ist die Life-Science-Sparte.

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„Merck ist mit der Akquisition von Sigma-Aldrich, der größten Übernahme in unserer Firmengeschichte, zu einem der größten Life-Science-Anbieter der Welt aufgestiegen“, sagte der Vorsitzende der Geschäftsleitung Karl-Ludwig Kley.
„Merck ist mit der Akquisition von Sigma-Aldrich, der größten Übernahme in unserer Firmengeschichte, zu einem der größten Life-Science-Anbieter der Welt aufgestiegen“, sagte der Vorsitzende der Geschäftsleitung Karl-Ludwig Kley.
(Bild: Merck)

Darmstadt – „2015 war nicht nur ein ereignisreiches Jahr für Merck, sondern vor allem ein erfolgreiches. Wir sind erneut profitabel gewachsen. Mit der Akquisition von Sigma-Aldrich haben wir den Portfolio-Umbau der letzten Jahre erfolgreich abgeschlossen. In der Immunonkologie haben wir sechs zulassungsrelevante Studien gestartet. Forschungsfortschritte und richtungsweisende Investitionen in allen Unternehmensbereichen bilden das Fundament für zukünftige Erfolge. Und unser neuer Markenauftritt zeigt, was Merck ausmacht – denn er ist bunt und voller Energie“, sagte Karl-Ludwig Kley, Vorsitzender der Geschäftsleitung.

Die Umsatzerlöse des Konzerns wuchsen 2015 kräftig um 13 % auf 12,8 Milliarden Euro (2014: 11,4 Milliarden Euro). Dabei wirkten sich die Akquisitionen von AZ Electronic Materials (AZ) und Sigma-Aldrich mit 4,3 % auf das Umsatzwachstum aus. Auch organisch erzielte Merck 2,6 % mehr Umsatz als im Vorjahr. Günstige Währungseffekte, vor allem bedingt durch die Stärke des Dollar, trugen mit 6,2 % zum Umsatzwachstum bei.

Ebitda steigt deutlich um 7,1 %

Das operative Ergebnis (Ebit) stieg um 4,6 % auf 1,8 Milliarden Euro (2014: 1,8 Milliarden Euro). Das Ebitda vor Sondereinflüssen, die wichtigste Kennzahl zur Steuerung des operativen Geschäfts, wuchs um 7,1 % auf 3,6 Milliarden Euro und lag, getragen von den Unternehmensbereichen Life Science und Performance Materials, deutlich über dem Vorjahr (2014: 3,4 Milliarden Euro).

Das den Merck-Anteilseignern zustehende Konzernergebnis sank 2015 indes um 3,7 % und liegt bei 1,1 Milliarden Euro (2014: 1,2 Milliarden Euro). Hierzu trugen Einmalaufwendungen im Zuge der Sigma-Aldrich-Akquisition und -Integration sowie höhere Zinsaufwendungen zur Finanzierung der Übernahme bei.

Das Ergebnis je Aktie vor Sondereinflüssen stieg um 5,9 % auf 4,87 Euro (2014: 4,6 Euro). Der Hauptversammlung am 29. April 2016 wird vorgeschlagen, die Dividende um 5 Cent auf 1,05 Euro je Aktie zu erhöhen.

Somit konnte Merck seine Prognose für 2015 hinsichtlich Umsatz, Ebitda vor Sondereinflüssen und Ergebnis je Aktie vor Sondereinflüssen bestätigen oder übertreffen.

Obgleich Merck zur Jahresmitte zwischenzeitlich eine Netto-Cash-Position aufgebaut hatte, schnellten die Nettofinanzverbindlichkeiten zum Ende des Geschäftsjahrs 2015 durch die Kaufpreiszahlung für Sigma-Aldrich auf 12,7 Milliarden Euro in die Höhe (31.12.2014: 559 Millionen Euro). Wie bei den großen Übernahmen der Vergangenheit will Merck seine starke Innenfinanzierungskraft nutzen, um sich schnell zu entschulden. Zum Ende des Jahres 2015 beschäftigte Merck weltweit 49 613 Mitarbeiter (31.12.2014: 39 639). Dass Merck somit rund 10 000 Mitarbeiter mehr beschäftigte als ein Jahr zuvor, lag vor allem an der erfolgreich vollzogenen Übernahme von Sigma-Aldrich.

Viertes Quartal 2015: Life Science trägt Wachstum des Konzerns

Im vierten Quartal 2015 erzielte Merck Umsatzerlöse von 3,5 Milliarden Euro, was einer Steigerung von 15,5 % entspricht (Q4/2014: 3 Milliarden Euro). Dazu trug neben organischem Wachstum vor allem die starke, akquisitionsbedingte Umsatzsteigerung von Life Science bei. Auch der Anstieg des Ebitda vor Sondereinflüssen um 6,3 % auf 933 Millionen Euro (Q4/2014: 878 Millionen Euro) im vierten Quartal wurde von Life Science getragen. Das Ergebnis je Aktie vor Sondereinflüssen blieb im vierten Quartal mit 1,13 Euro stabil (Q4/2014: 1,14 Euro).

Healthcare mit robustem Geschäft und Investitionen in Wachstumsmärkte

Die Umsatzerlöse des Unternehmensbereichs Healthcare stiegen 2015 um 4,7 % auf 6,9 Milliarden Euro (2014: 6,6 Milliarden Euro). Neben organischem Wachstum von 1,6 % trugen hierzu auch Währungseffekte in Höhe von 3,1 % bei. Vor allem das Geschäft in der Region Asien-Pazifik wuchs organisch kräftig.

Das Medikament Rebif zur Behandlung schubförmiger Formen der Multiplen Sklerose verzeichnete 2015 aufgrund des anhaltenden Wettbewerbsdrucks durch oral zu verabreichende Medikamente einen organischen Umsatzrückgang von

10,7 %; zusammen mit positiven Währungseffekten in Höhe von 8,5 % ergaben sich Rebif-Umsätze von 1,8 Milliarden Euro (Vorjahr: 1,8 Milliarden Euro). Die konzernweiten Umsatzerlöse mit dem Krebsmedikament Erbitux blieben im Jahr 2015 mit 899 Millionen Euro stabil (Vorjahr: 904 Millionen Euro), wobei der leichte organische Umsatzrückgang von 1,5 % durch positive Währungseffekte von 0,9 % teils kompensiert wurde. Mit Gonal-f, dem führenden Medikament zur Kinderwunschbehandlung, erzielte Merck im Geschäftsjahr 2015 ein organisches Umsatzwachstum von 3,7 %. Unter Berücksichtigung der positiven Währungseffekte wuchsen die Umsätze auf 685 Millionen Euro (Vorjahr: 628 Millionen Euro).

Das Ebitda vor Sondereinflüssen des Unternehmensbereichs Healthcare blieb mit 2 Milliarden Euro im Jahr 2015 stabil (2014: 2 Milliarden Euro). Dabei kamen vor allem zur Vorjahresmitte weggefallene Lizenzerlöse sowie Aufwendungen für Marketing und Vertrieb zum Tragen, die aufgrund der anhaltenden Investitionen in Wachstumsmärkte sowie wechselkursbedingt deutlich über dem Niveau von 2014 lagen.

Wachstumsmotor Life Science

Der Unternehmensbereich Life Science verzeichnete 2015 bei steigender Profitabilität einen Umsatzsprung um 25,1 % auf 3,4 Milliarden Euro (2014: 2,7 Milliarden Euro). Neben kräftigem organischem Wachstum von 6,5 % und günstigen Währungseffekten in Höhe von 8,4 % trugen hierzu vor allem akquisitionsbedingte Steigerungen von 10,2 % bei, die aus dem Zukauf von Sigma-Aldrich resultieren.

Die Geschäftseinheit Process Solutions, die Produkte und Dienstleistungen für die gesamte Wertschöpfungskette der Arzneimittelherstellung anbietet, erzielte ein organisches Wachstum von 11,6 %. Haupttreiber war dabei die steigende Nachfrage aus der biopharmazeutischen Produktion in Europa und den USA.

Die Geschäftseinheit Lab Solutions mit ihrem breiten Spektrum an Produkten für Forscher und wissenschaftliche Labore erzielte ein organisches Umsatzwachstum von 3,1 %. Der organische Umsatz der Geschäftseinheit Bioscience, die Produkte und Dienstleistungen für akademische und pharmazeutische Forschungslabore anbietet, verzeichnete einen leichten organischen Umsatzanstieg von 0,7 %. Die Erstkonsolidierung von Sigma-Aldrich ab dem 18. November 2015 erhöhte die Umsatzerlöse des Life-Science-Geschäfts um 279 Millionen Euro, was einem Anteil von 8 % am Gesamtumsatz des Unternehmensbereichs im Jahr 2015 entspricht.

Der Unternehmensbereich Life Science erzielte 2015 ein mit 30 % signifikant höheres Ebitda vor Sondereinflüssen von 856 Millionen Euro (2014: 659 Millionen Euro), das von der guten operativen Entwicklung in allen Geschäften sowie dem Beitrag von Sigma-Aldrich getrieben wurde.

„Merck ist mit der Akquisition von Sigma-Aldrich, der größten Übernahme in unserer Firmengeschichte, zu einem der größten Life-Science-Anbieter der Welt aufgestiegen“, sagte Karl-Ludwig Kley. „Unseren Kunden können wir nun ein breiteres Portfolio bieten als jemals zuvor. Zudem betreiben wir jetzt die führende E-Commerce-Plattform der Branche.“

Performance Materials-Geschäft wächst stark

Die Umsatzerlöse des Unternehmensbereichs Performance Materials wuchsen 2015 sehr stark um 24,1 % auf 2,6 Milliarden Euro (2014: 2,1 Milliarden Euro). Neben einem signifikant positiven Währungseffekt von 13,1 % trugen die Erlöse akquirierter Geschäfte mit 10,4 % erheblich zu diesem Umsatzwachstum bei. Der überwiegende Teil dieser akquisitionsbedingten Umsatzeffekte ist auf die Integration der 2014 übernommenen AZ zurückzuführen. Auch die Erstkonsolidierung des SAFC-Hitech-Geschäfts von Sigma-Aldrich in Performance Materials Mitte November trug mit rund 10 Millionen Euro dazu bei. Organisch bewegten sich die Umsatzerlöse mit einem Wachstum von 0,6 % auf Vorjahresniveau.

Die zum Jahresbeginn 2015 geschaffene Geschäftseinheit Display Materials verzeichnete währungs- und akquisitionsgetrieben einen starken Umsatzanstieg und festigte ihre global marktführende Position. Die Volumensteigerung der innovativen Technologien konnte dabei den Volumenrückgang bei älteren Flüssigkristalltechnologien überkompensieren. Die Geschäftseinheit Pigments & Functional Materials wies 2015 ein stabiles Geschäftsjahr auf Vorjahresniveau aus. Die Geschäftseinheit Integrated Circuit Materials, in der das ehemalige AZ-Geschäft mit Materialien für die Produktion integrierter Schaltkreise sowie das im November 2015 übernommene SAFC-Hitech-Geschäft von Sigma-Aldrich gebündelt sind, wuchs organisch leicht.

Ebitda-Wachstum im zweistelligen Prozentbereich erwartet

Die höchsten Wachstumsraten innerhalb des Unternehmensbereichs Performance Materials verzeichnete die Geschäftseinheit Advanced Technologies, deren aufstrebendes Geschäft mit OLED-Materialien sich besonders dynamisch entwickelte. Im Juni 2015 hatte Merck die Grundsteinlegung einer neuen Produktionsanlage für OLED-Materialien in Darmstadt mit einem Investitionsvolumen von rund 30 Millionen Euro bekanntgegeben.

Das Ebitda vor Sondereinflüssen von Performance Materials stieg, getrieben von Währungseffekten, der Integration von AZ sowie der guten Volumenentwicklung, stark um 26,5 % auf 1,1 Milliarden Euro (2014: 0,9 Milliarden Euro).

Für 2016 rechnet Merck mit einem leichten organischen Umsatzwachstum und geht infolge der Akquisition von Sigma-Aldrich beim Umsatz zudem von einem positiven Portfolioeffekt im niedrigen zweistelligen Prozentbereich aus. Aufgrund der erwarteten operativen Entwicklung und dem Zukauf von Sigma-Aldrich rechnet Merck im Jahr 2016 mit einem Anstieg des Ebitda vor Sondereinflüssen im niedrigen zweistelligen Prozentbereich gegenüber dem Vorjahr.

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