Newsticker September: Aktuelles aus der Prozessindustrie Bayerisches Chemieunternehmen zahlt Mitarbeitern Impfprämie

Redakteur: Wolfgang Ernhofer

Im ständig aktuellen News-Ticker fasst die PROCESS-Redaktion das Geschehen in der Branche kompakt zusammen. Ob Chemie-, Pharma-, oder Lebensmittelindustrie, alle verfahrenstechnischen Themen werden – ebenso wie politische und wirtschaftliche Nachrichten zur Prozessindustrie – zusammengefasst.

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(Bild: gemeinfrei / Pixabay )

29.09.2021

Brüssel (dpa) *17:44 Uhr – Weniger schwere Industrieunfälle in der EU

Die Zahl der schweren Industrieunfälle in der Europäischen Union ist seit der Einführung strengerer Regeln gesunken. Dies geht aus einem am Mittwoch veröffentlichten Bericht der EU-Kommission hervor. Trotz der wachsenden Chemieindustrie sei die Zahl von Unfällen mit gefährlichen Substanzen gesunken, seit die sogenannte Seveso-III-Richtlinie 2015 in Kraft trat, befand die Brüsseler Behörde.

Die Richtlinie soll schwere Unfälle mit gefährlichen Stoffen und Chemikalien vermeiden und Schäden für Menschen und Umwelt gering halten. Rund 12.000 Einrichtungen fallen darunter, die solche Stoffe nutzen oder lagern, zum Beispiel in der Chemie und Petrochemie. Die Richtlinie schreibt ihnen zum Beispiel vor, regelmäßig Sicherheitsberichte zu erstellen und Notfallpläne zu entwickeln. Deutschland hat mit rund 3600 die meisten Industrieeinrichtungen, die unter die Seveso-Richtlinie fallen.

Das Gesetz geht auf einen Unfall bei einem Chemiekonzern nahe der italienischen Gemeinde Seveso 1976 zurück. Hochgiftiges Dioxin wurde mit schwerwiegenden Folgen für die Umwelt und die Gesundheit der Bewohner freigesetzt.

Waldstetten (dpa) *16:40 Uhr – Chemiefabrik zahlt Mitarbeitern 500 Euro für Corona-Impfung

Mitarbeiter einer Chemiefabrik in Bayern erhalten 500 Euro Prämie, wenn sie sich gegen das Coronavirus impfen lassen. Die Chemische Fabrik Karl Bucher in Waldstetten (Landkreis Günzburg) will mit der Aktion vor allem Beschäftigte zur Impfung motivieren, die bisher unentschlossen waren. Da sich die Politik bei einem so sensiblen Thema schwer tue, habe sich das Unternehmen zu dem Angebot entschieden, sagte Geschäftsführer Stefan Bucher am Mittwoch. Es reiche nicht, wenn sich die Wirtschaft mit Forderungen an die Politik bemerkbar mache. Zunächst hatte die «Augsburger Allgemeine» über die Prämie berichtet.

In Deutschland sind Impfprämien für Mitarbeiter eher unüblich, in anderen Staaten wie den USA werden solche Sonderzahlungen in Betrieben häufiger angeboten. Vereinzelt haben zwar auch Unternehmen in der Bundesrepublik Impfprämien angekündigt, die 500 Euro der Chemiefabrik sind allerdings ungewöhnlich hoch.

Durch den Betrag solle ein hoher Anreiz geschaffen werden, dass sich nicht geimpfte Beschäftigte mit dem Thema fachlich befassen oder auch ärztliche Beratung in Anspruch nehmen, erklärte der Chef des Familienunternehmens, das rund 130 Mitarbeiter hat. «Die Impfprämie sehen wir nicht nur als gute Investition in die Gesundheit unserer Mitarbeiter, sondern auch in eine Risikominimierung zur Aufrechterhaltung der Produktionsfähigkeit.» Eine Infektionsquelle innerhalb des Betriebs könne für Tage und Wochen zu stillstehenden Anlagen führen.

Houston und London (ots/PRNewswire) *12:33 Uhr – Lyondell Basell will bis 2050 Netto-Null-Emissionen erreichen

Lyondell Basell gab heute das Ziel bekannt, bis 2050 Netto-Null-Emissionen für alle Produktionsanlagen zu erreichen. Als Zwischenschritt in Richtung 2050 kündigte das Unternehmen zudem eine Strategie an, mit der bis 2030 eine absolute Reduzierung der Scope 1- und Scope 2-Emissionen um 30 Prozent bezogen auf 2020 erreicht werden soll. Dieses Vorhaben steht im Einklang mit den Bemühungen, die Ziele des Pariser Abkommens zu unterstützen, den Klimawandel zu begrenzen, indem die weltweiten Treibhausgasemissionen bis zur Mitte des Jahrhunderts auf Netto-Null reduziert werden.

Der Ansatz umfasst:

- Verbessertes Energiemanagement und emissionsarme Dampferzeugung;

- Minimierung des Fackeltätigkeit;

- Verwendung emissionsärmerer Brennstoffe;

- Elektrifizierung der Produktionsprozesse und Verbesserung der Ofentechnologie; und

- Mindestens 50 Prozent Strombedarfs aus erneuerbaren Energien.

München (ots) *10:53 Uhr – Die Pharma-Oscars sind vergeben / Kuhstallpille Immunobon zum innovativsten Produkt 2021 gewählt

Schnupfen, Husten, tränende Augen – bei einer Allergie ist Handeln gefragt. Mit der Kuhstallpille steht dafür seit Anfang des Jahres Unterstützung aus der Apotheke zur Verfügung: Immunobon wurde kürzlich im Rahmen des Pharma Trend Image & Innovation Awards, einer repräsentativen und unabhängigen Befragung von Ärzten, Apothekern und Patienten, zum innovativsten Produkt 2021 gewählt.

Im Deutschen Museum in München, dem größten Wissenschafts- und Technikmuseum der Welt, kamen die führenden Vertreter aus Entwicklung und Forschung zusammen, um die Vergabe der Pharma Awards 2021 live mitzuerleben. Im Rahmen dieser Veranstaltung wurden – unter der Schirmherrschaft des Bayerischen Gesundheitsministers Klaus Holetschek – Preise für die herausragendsten Innovationen im Gesundheits- und Healthcare-Sektor verliehen. Neben namhaften Firmen wie Biontech oder Janssen-Cilag zählt in diesem Jahr auch Bencard Allergie, die Entwickler der Kuhstallpille, zu den Award-Gewinnern.

München (dpa) *08:23 Uhr – Wachsender Materialmangel wird zum Problem für die Industrie

Der erhebliche Teile- und Materialmangel in der deutschen Industrie hat nach Angaben des Ifo-Instituts nochmals deutlich zugenommen. In der monatlichen Konjunkturumfrage des Instituts klagte eine Rekordzahl von über drei Viertel der Unternehmen (77,4 Prozent) über Nachschubprobleme bei Vorprodukten und Rohstoffen, noch einmal mehr als im August (69,2 Prozent). Deswegen wollten immer mehr Unternehmen die Preise erhöhen.

Am meisten unter Lieferengpässen leidet demnach derzeit die deutsche Autoindustrie, in der nahezu alle Unternehmen (96,7 Prozent) über Probleme berichteten. Im Maschinenbau waren es fast neun von zehn Unternehmen (89 Prozent), in der chemischen Industrie gut zwei Drittel (67 Prozent). Sogar die Getränkehersteller sind betroffen, wenn auch in geringerem Umfang – in dieser Branche meldeten laut Umfrage 38 Prozent der Firmen Engpässe. Das Ifo-Institut hatte zuletzt wegen der Lieferprobleme seine Wachstumsprognose für dieses Jahr auf 2,5 Prozent gesenkt. Ursprünglich hatten die Münchner Ökonomen eine kräftige Erholung der deutschen Wirtschaft erwartet.

28.09.2021

Berlin/Leuna (dpa) *16:34 Uhr – Ost-Chemie für schnelle Regierungsbildung: Wandel wartet nicht

Die ostdeutsche Chemie- und Pharmaindustrie hat an die Politik appelliert, schnell eine neue Bundesregierung zu bilden. «Der Industriestandort Deutschland kann sich nicht schon wieder eine Regierungsbildung leisten, die sich über Wochen und Monate hinzieht», sagte Nora Schmidt-Kesseler, Hauptgeschäftsführerin des Landesverbandes Nordost im Verband der Chemischen Industrie (VCI), am Dienstag. Die Herausforderungen für die künftige Regierung wie Energiewende, Bürokratieabbau oder Digitalisierung warteten nicht. «Wir sind in Ostdeutschland zudem besonders stark vom Strukturwandel betroffen.»

Gefragt seien daher kluge Rahmensetzungen, Planungssicherheit und eine Rückbesinnung auf Eigenverantwortung und Sozialpartnerschaft, sagte Schmidt-Kesseler weiter. Die chemisch-pharmazeutische Industrie wolle sich künftig proaktiv einbringen - egal welche Koalition es am Ende wird. «Dafür brauchen wir aber auch eine Politik, die mit uns partnerschaftlich nach den besten Lösungen sucht.»

Wien (dpa) *16:17 Uhr – Weltweite Nachfrage nach Öl wird ab 2035 stagnieren

Wegen des Umstiegs auf effizientere und klimafreundlichere Technologien wird der globale Erdöl-Bedarf laut einer Analyse der Produzenten-Gruppe Opec nur noch bis 2035 steigen.

Danach rechnet das Ölkartell mit einer Stagnation, wie aus seiner jährlichen Langzeitprognose hervorging, die am Dienstag in Wien vorgestellt wurde. Kurzfristig sagten die Opec-Experten jedoch für die kommenden Jahre eine starken Anstieg der Nachfrage voraus.

Wegen der Auswirkungen der Corona-Pandemie auf die Weltwirtschaft sackte der durchschnittliche tägliche Ölbedarf voriges Jahr um gut neun Millionen Barrel auf rund 91 Millionen Barrel ab (ein Barrel = 159 Liter). Die Opec rechnet damit, dass sich der Konsum bis 2023 auf 101,6 Millionen Barrel pro Tag erholt und danach abflacht.

Der Trend zu Home Office und Videokonferenzen wird laut dem Bericht die Nachfrage nach Transport und Treibstoffen dämpfen. «Wir sehen auch einen beträchtlichen Anstieg bei elektrischen Fahrzeugen voraus», sagte Opec-Generalsekretär Mohammad Sanusi Barkindo. Das Ölkartell schätzt, dass der Anteil an elektrisch betriebenen Fahrzeugen vom derzeitigen niedrigen einstelligen Bereich bis 2025 auf fast 20 Prozent wachsen wird. Die Opec betonte, dass Erdöl langfristig mit fast 30 Prozent den größten Anteil im globalen Energiemix behalten werde. Wind- und Sonnenkraft werde nicht Öl, sondern Kohle verdrängen.

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