China Market Insider Laufen Chinesische EVA-Produzenten Deutschen Chemieunternehmen den Rang ab?

Autor / Redakteur: Henrik Bork / Wolfgang Ernhofer

Deutsche Chemiekonzerne bekommen immer mehr Konkurrenz von chinesischen Unternehmen. Ein aktuelles Beispiel ist die Produktion von Ethylen-Vinylacetat (EVA). Yangzi Petrochemical konnte Anfang dieses Monats erstmals hochwertiges EVA produzieren, berichtet PROCESS (China). Das Tochterunternehmen von Sinopec hat gerade eine Anlage nach dem Tank-Reaktor-Verfahren von Lyondell Basell mit einer Kapazität von 100.000 Jahrestonnen in Betrieb genommen.

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Mit dem Format „China Market Insider“ berichtet PROCESS regelmäßig über den chinesischen Chemie- und Pharmamarkt.
Mit dem Format „China Market Insider“ berichtet PROCESS regelmäßig über den chinesischen Chemie- und Pharmamarkt.
(Bild: ©sezerozger - stock.adobe.com)

Peking/China – Für deutsche Produzenten und ihre Gemeinschaftsunternehmen in China, etwa die von BASF und Sinopec gemeinsam gegründete BASF-YPC, ist der Wettbewerb damit gerade wieder schärfer geworden. Gleichzeitig aber wächst jedoch auch der EVA-Bedarf in China weiter stark. Bis mindestens 2024 werde der Bedarf in China das im Land produzierte Angebot noch übersteigen, schätzt PROCESS (China).

Besonders für die Herstellung von Einschweißfolien für Solarmodule ist EVA beliebt, und in diesem Segment wächst der Markt in China gerade besonders schnell. Im Vergleich zu Polyethylen-Produkten sorgen die zusätzlichen VA-Monomere in der Molekül-Kette des Copolymers EVA für besonders gute Wärmeeigenschaften und eine höhere Resistenz gegenüber Abnutzung.

Die neue Anlage von Yangzi Petrochemical ist eine von nur relativ wenigen Großanlagen weltweit, da das Verfahren wegen des hohen erforderlichen Drucks als anspruchsvoll gilt. Trotzdem ist unter chinesischen Petrochemie-Konzernen gerade so eine Art EVA-Wettrennen ausgebrochen. Noch in diesem Jahr werden voraussichtlich fünf weitere Anlagen in der Volksrepublik in Betrieb genommen werden, womit sich die Gesamtkapazität der EVA-Produktion in China von rund 900.000 auf 1,8 Millionen Jahrestonnen verdoppelt, sagt die PROCESS-Redaktion in Peking voraus.

Beim Tank-Reaktor-Verfahren von Lydonell Basell kommt ein Hochdruck-Rührkessel zum Einsatz. Dieser Prozess der Polymerisation erlaubt die Herstellung von EVA mit hohem Vinylacetat-Gehalt, wie es für das wasserdichte Versiegeln von Solarmodulen und auch für eine wachsende Zahl anderer High-Tech-Produkte – zum Beispiel halogenfreie, schwer entflammbare Kabel – benötigt wird.

„In der Zukunft werden Projekte für erneuerbare Energien, darunter die Erzeugung von Solarstrom, stark von der chinesischen Regierung gefördert werden”, schreibt PROCESS (China). Besonders in diesem Bereich werde daher die Nachfrage nach EVA weiterhin rasch wachsen. Bis im Jahr 2022 werde der jährliche Bedarf in China bis auf mindestens 2,3 Millionen Tonnen steigen, glauben Marktbeobachter.

Derzeit werden in der Volksrepublik rund 67,8 Prozent der globalen Produktion von EVA hergestellt, berichtet das chinesische Energie-Portal Quanguo Nengyuan Xinxi Pingtai. Südkorea, Japan, Taiwan und die USA sind ebenfalls große EVA-Produzenten.

China sei nun stark bemüht, seine Importe von EVA zu reduzieren und bei der Produktion des Materials so schnell wie möglich autark zu werden, berichten chinesische Fachmedien. Im vergangenen Jahr habe die Volksrepublik noch 1,18 Millionen Tonnen oder umgerechnet 63,1 Prozent seines EVA-Bedarfs, besonders im Bereich hochwertige EVA-Produkte, aus dem Ausland einführen müssen, heißt es in einem Bericht von Guosen Securities. Da dies nicht schnell zu ändern sei, werde der Verkaufspreis für das Material vorerst weiter steigen, heißt es in dem Bericht.

Die größten Hersteller von EVA in China sind zur Zeit Jiangsu Sierbang Petrochemical mit einer Jahreskapazität von 300.000 Tonnen, gefolgt von Sinopec Yanshan Petrochemical und BASF-YPC mit jeweils 200.000 Tonnen. Auch Levima New Materials, Formosa Ningbo, Bayer und Dupont zählen zu den führenden Herstellern des Materials.

* Henrik Bork, langjähriger China-Korrespondent der Süddeutschen Zeitung und der Frankfurter Rundschau, ist Managing Director bei Asia Waypoint, einer auf China spezialisierten Beratungsagentur mit Sitz in Peking. „China Market Insider“ ist ein Gemeinschaftsprojekt der Vogel Communications Group, Würzburg, und der Jigong Vogel Media Advertising in Beijing.

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