Neuausrichtung bei Lanxess Lanxess besinnt sich auf alte Tugenden

Redakteur: Anke Geipel-Kern

In drei Stufen will Lanxess wieder zur alten Stärke zurückfinden. Der neue Chef Matthias Zachert hat die neue Strategie vorgestellt. Wir informieren Sie über die wichtigsten Maßnahmen.

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Lanxesschef Matthias Zachert steht vor großen Herausforderungen.
Lanxesschef Matthias Zachert steht vor großen Herausforderungen.
(Bild: Lanxess)

Köln – Mehr als eine Stunde nimmt sich Lanxess-Chef Matthias Zachert Zeit, den Medien die neue Strategie zu vermitteln und seinem Vorgänger Axel Heitmann mögen angesichts der ernüchternden Analysen das ein oder andere Mal die Ohren geklingelt haben. Man merkt Zachert die Anspannung an, nach seinen einleitenden Worten greift er erst einmal zum Wasserglas, erst später wird er merklich sicherer. Umso klarer und eindeutiger fällt seine Bilanz der wirtschaftlichen Situation aus, gute Nachrichten hat er wirklich keine zu verkünden. Lanxess schreibt im 4. Quartal rote Zahlen und auch das Ergebnis im Gesamtjahr „werde Spitz auf Knopf sein“.

Darum steht Lanxess unter Druck

Lanxess hat viel Speck angesetzt in den fetten Börsenjahren, den Verwaltungsapparat aufgebläht, Doppelfunktionen geschaffen und Überkapazitäten vor allem bei den Kautschuken aufgebaut, die nun wieder abgebaut werden müssen. Aber auch das wirtschaftliche Umfeld hat sich im letzten Jahrzehnt dramatisch verändert. Wettbewerber aus den Schwellenländern setzen Europa stark zu, ebenso wie die Energie- und Rohstoffkosten. 2004 habe der Anteil der Energiekosten drei bis fünf Prozent an den Gesamtkosten betragen und der Lohnkostenanteil sei deutlich höher gewesen, erklärt Zachert.

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Zehn Jahre später haben die Lohnkosten mit den Energiekosten gleichgezogen. „Die Lohnkosten waren in Europa schon immer höhere, aber durch Innovationen und eine höhere Produktivität konnten wir das kompensieren,“ sagt Zachert. Jetzt werde das schwierig. Schlecht für den Export sind auch die Autarkiebestrebungen der Chinesen. Eigene Kunststoffkapazitäten führen dazu, dass die Einfuhrmenge sinkt. Auch technologisch holen die Schwellenländer auf. Und der Schiefergasboom in Amerika sei auch nicht gerade förderlich.

Kautschuk macht Kummer

Größtes Sorgenkind ist momentan das Kautschukgeschäft. Herausforderung werde es sein, diesen Bereich wieder schlagkräftig zu machen, betont Zachert. Hauptproblem sind die Überkapazitäten, an denen Lanxess selbst kräftig mitgewirkt hat. Immerhin decken Lanxess-Anlagen 15 Prozent der Weltmarktkapazitäten. Das überdimensionierte Investitionsprogramm seines Vorgängers macht dem neuen Chef so schwer zu schaffen, dass er auch Leerkosten in Kauf nimmt, in dem er zwei World-Scale-Anlagen in China nur „moderat“ anfährt, um nicht noch mehr Überkapazitäten zu provozieren.

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