Marktreport Lanxess Lanxess auf der Überholspur

Autor / Redakteur: Anke Geipel-Kern / Anke Geipel-Kern

Explodierende Energie- und Rohstoffpreise? Kein Problem für Lanxess, Konzernchef Axel Heitmann scheint alles im Griff zu haben. Mit welchen Strategien der Spezialchemiekonzern Marktposition und Marge verbessern will, lesen Sie in unserem Marktreport.

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Die Botschaft von Lanxess war eindeutig: Zwei Tage nach Bekanntgabe der Übernahme von Ciba durch BASF präsentierte Konzernchef Axel Heitmann das Spezialchemie-Unternehmen auf dem dritten Medientag in Köln strotzend vor Kraft und von den gegenwärtigen Rahmenbedingungen, welche die Chemie belasten, unbeeindruckt. „Wir haben das Dach repariert, als die Sonne noch geschienen hat“, betonte er. Die bohrenden Fragen der Journalisten, ob Lanxess ein weiterer Übernahmekandidat sei, parierte er selbstbewusst: „Wir haben ein starkes Management und eine gute Geschäftsentwicklung, ich glaube nicht, dass andere es besser können.“

Tatsächlich steht Lanxess, in dem Bayer seine zum Schluss renditeschwache Chemie-sparte bündelte, vier Jahre nach der Abspaltung gut da. Das vor einem Jahr gesetzte Ziel eines Gewinns von 700 000 Millionen Euro vor Abschreibungen und Steuern werde sicher erreicht, bekräftigt Heitmann. Und dank verbesserter Kostenstrukturen hinsichtlich der Profitabilität sei Lanxess mittlerweile in die Spitzengruppe der Spezialchemieunternehmen vorgedrungen und belege nach BASF und DSM den dritten Platz.

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„Wir sind ganz fokussiert auf das, was wir am besten beherrschen“, erklärte Heitmann. Nach einer Umstrukturierung, bei der sich der Konzern von allen Bereichen trennte deren Marge unter zehn Prozent lag, konzentriert sich das Unternehmen jetzt auf Polymere, Zwischenprodukte und Performance Chemicals, also die gesamte Palette des klassischen Feinchemikaliengeschäfts. Die Kunden rekrutieren sich aus der Reifenproduktion, der Chemie und Agrochemie, der Automobilproduktion sowie der Bauwirtschaft, und hier setzt Heitmann vor allem auf Diversifizierung um von Konjunkturschwankungen der Einzelbranchen unabhängiger zu sein. „Unsere zehn größten Kunden machen nicht einmal 25 Prozent des Gesamtumsatzes aus“, erklärte der Konzernchef.

Wachstum muss sein

Wachsen will Heitmann auf zwei Wegen: organisch und durch Zukäufe, wobei er größere Akquisitionen ausschloss. Vor allem kleinere und mittlere Unternehmen hat er im Visier, ähnlich strukturiert wie Petroflex, der größte brasilianische Synthesekautschukproduzent, dessen 500 Millionen Euro schwerer Kauf in diesem Jahr die wachsende Bedeutung der brasilianischen Reifenindustrie für den Konzern unterstreicht. „Kautschuk ist für Performance Polymers ein Kerngeschäft und Kautschuk bedeutet im Großen und Ganzen Autoreifen“, betonte Dr. Werner Breuers, im Vorstand zuständig für Performance Polymers. Mit 41 Prozent trägt der wichtigste Geschäftsbereich von Lanxess zum Jahresumsatz bei, innerhalb des Bereichs entfallen 42 Prozent des Gesamtumsatzes auf Geschäfte mit der Reifenindustrie, und vor allem vom Wachstum im Segment der Hochleistungsreifen will der Konzern profitieren. Immerhin neun Prozent sagen die Experten voraus, getrieben von EU-Regularien, den neuen Anforderungen an geringeren Rollwiderstand der Reifen und aufstrebenden Staaten wie Russland, Brasilien, China und Indien. Zwar kränkelt der US-Automobilmarkt, der auch für die Leverkusener wichtig ist, doch Autos kaufen die Amerikaner immer noch, gute Aussichten deshalb für den Verkauf von Ersatzreifen, meinte Breuers.

Ohnehin haben sich die Wachstumsmärkte in den letzten Jahren deutlich verlagert. Auch deshalb hat Heitmann die BRIC-Staaten, also Brasilien, Russland, Indien und China als Ziel für seine Wachstumsstrategie identifiziert. Eine neue Ionenaustauscheranlage in Indien lässt sich der Konzern 50 Millionen Euro kosten. Die hier hergestellten Harze sollen vor allem in Anlagen zur Wasseraufbereitung eingesetzt werden. Ionentauscher sind übrigens ein kleines, aber feines Feld des Bereichs Performance Chemicals in dem Lanxess Lederchemikalien, anorganische Pigmente, Funktionschemikalien, Ionentauscherharze u.a. bündelt.

Am meisten Geld ist seit Gründung des Konzerns jedoch nach China geflossen, und das wird auch noch eine Weile so bleiben, denn die mit 400 Millionen Euro höchste Investition seit Bestehen wird der Bau einer Butylkautschukfabrik mit 100 000 Tonnen Jahreskapazität in Singapur sein. Geht die Anlage wie geplant im Jahr 2011 ans Netz, steigt der jährliche Gesamtausstoß an Butylkautschuk von 280 000 auf 380 000 Tonnen jährlich. Größte Herausforderung zurzeit sind die steigenden Energie- und Rohstoffpreise, welche die Margen drücken und nur zum Teil weitergeben werden können. Mit 400 000 Euro schlugen die daraus entstehenden Kosten in den vergangenen zwölf Monaten zu Buche, rechnete Finanzvorstand Matthias Zachert vor. Ein Problem, das Heitmann und Zachert mit einer Strategie in den Griff bekommen wollen, die sie „Preis-vor-Menge“ getauft haben, und heißen soll, dass Lanxess auch einmal auf ein Geschäft verzichtet, wenn sich der geforderte Preis nicht durchsetzen lässt. Das gilt, so Zachert, allerdings nur für ohnehin nicht ganz so rentable Geschäfte. Das scheint offenbar zu klappen, denn Lanxess konnte die Verkaufmenge im gleichen Zeitraum noch steigern. n

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Die Autorin ist Redakteurin bei PROCESS.E-Mail: anke_geipel-kern@process.de

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