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Kunststoffmesse K 2010

Kunststoffmesse K 2010 öffnet ihre Tore

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Forschung wandert aus

Mittlerweile entstehen in ganz Asien allerdings nicht mehr nur Produktionsstätten, sondern zunehmend auch Forschungs- und Entwicklungszentren, denn längst ist nicht nur China dem Markt der Standardkunststoffe entwachsen und ein wichtiger Abnehmer für die erklärungsbedürftigen Spezialitäten geworden. Die Folge: Deutsche und europäische Kunststoffverarbeiter bauen chinesische Dependancen auf, und die Chemie zieht hinterher. Und wer chinesischen Verarbeitern PUR-Spezialitäten oder technische Kunststoffe für die Elektronikindustrie verkaufen will, braucht ohnehin die lokale Präsenz, und so wächst die Zahl der Systemhäuser, welche den Kontakt zum Verarbeiter und Endkunden ermöglichen, Jahr für Jahr.

Einer der Vorreiter ist hier Evonik (damals noch Degussa), die bereits 2004 ein Forschungs- und Entwicklungszentrum eröffneten, gemäß der Devise des damaligen Forschungschefs Dr. Alfred Oberholz: „Wir müssen zu den Kunden gehen“. Nachgezogen ist auch Lanxess. Die in Hongkong und Wuxi stationierten Entwicklungszentren für Hochleistungskunststoffe entwickeln für chinesische und koreanische Autobauer Kfz-Frontends auf Polyamid- und Polybutylenterephthalat-Basis. Früher sei dies bei vergleichbaren Projekten ausschließlich aus Deutschland heraus geschehen, sagt Dr. Hubert Fink, Leiter der Business Unit Semi-Crystalline Products bei Lanxess.

Und auch eine Greenfield-Investition von Bayer MaterialScience in Indien, wo unter dem Brand BaySystems India ein weiteres Netzwerk an Systemhäusern entsteht, unterstreicht die Bedeutung der ortsnahen Betreuung. Das Gleiche gilt für die BASF, die den Ausbau der Polyurethansystemhäuser in China vorantreibt. Neben den bereits bestehenden Systemhäusern in Nansha und Shanghai will der Konzern ab 2012 von Tianjin aus die prosperienden nordchinesischen Zentren Peking, Chenyang und Changchun versorgen. Außerdem ist auch noch ein Systemhaus in Chongqing geplant, das eng mit der geplanten TDI-Anlage verzahnt werden soll.

Mit System zum Kunden

Die Systemhäuser sind für alle Spezialitätenhersteller das Instrument der Wahl, um im Wettbewerb die Nase vorn zu haben. Denn nur in diesem Segment lässt sich für die Rohstoffhersteller noch richtig Geld verdienen. Die Verkaufspreise für PUR-Spezialitäten oder technische Kunststoffe richten sich nämlich nach dem Grad der Wertschöpfung für den Endkunden und nicht wie bei den Commodities nach dem Preis für Naphta oder Benzol. Allerdings wird auch hier die Luft dünner, die Zahl der Unternehmen, die sich von ihren Commodities trennen und ihr Heil im Spezialitätengeschäft suchen, wird stetig größer.

BASF, einst klassischer Lieferant von Massekunststoffen, macht mittlerweile mehr als die Hälfte seines Umsatzes mit Spezialitäten und hat damit einmal mehr Gespür für die Marktentwicklung bewiesen. Schon seit 2003 trennt sich die Konzernspitze von ihren Commodities, und im letzten Jahr sind Styrol- und Polystyrolanlagen in Korea bzw. Brasilien verkauft worden. „In diesem Segment haben Wettbewerber mit niedrigen Herstellkosten und Zugang zu günstigen Rohstoffen einen deutlichen Vorteil und werden andere Anbieter verdrängen“, analysiert BASF-Vorstand Brudermüller die Situation. Aus den gleichen Gründen forciert auch Dow-Chef Andrew Liveris seit Dezember 2007 den Umbau in Richtung Kunststoffspezialitäten.

Momentan ist der Verdrängungswettbewerb bei den Commodities in vollem Gang. Im Nahen Osten, wo halbstaatliche oder staatliche Chemieunternehmen wie die saudi-arabische Sabic oder Qapco aus Katar die Erdölquellen ihrer Länder anzapfen und dadurch kostengünstig produzieren können, schießen in rascher Folge Chemiekomplexe aus dem Boden, die Polyethylen und Polypropylen produzieren sollen.

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