K 2019 Kunststoff- und Kautschukindustrie im Wandel – ein Blick nach Südostasien

Redakteur: Kristin Breunig

Vom 16. bis 23. Oktober findet in Düsseldorf die Kunststoffmesse K 2019 statt. Ein Schwerpunktthema umfasst die nachhaltige Entwicklung. Die boomenden Kunststoff- und Verpackungsbranchen in Südostasien haben zu einem immer größer werdenden Abfallproblem geführt. Laut Forschungsergebnissen soll über die Hälfte des Plastikmülls, der in den Weltmeeren landet, aus fünf Ländern – China, Indonesien, den Philippinen, Thailand und Vietnam – stammen. Ein Grund, um einen Blick nach Südostasien zu werfen und auf die asiatische Wirtschaft und die Kunststoffbranche zu schauen.

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Die K 2019 findet vom 16. bis 23. Oktober in Düsseldorf statt.
Die K 2019 findet vom 16. bis 23. Oktober in Düsseldorf statt.
(Bild: Messe Düsseldorf/ctillmann)

Es ist davon auszugehen, dass das schleppende weltweite Handelswachstum mit weiteren Handelsbeschränkungen und Unsicherheiten auf politischer Ebene rechnen muss. Laut Aussagen der OECD (Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung) wird das Wachstum der Weltwirtschaft voraussichtlich von 3,3 % in 2019 auf 3,4 % in 2020 steigen, wobei die im letzten Jahr für beide Jahre vorhergesagten 3,5 % nicht erreicht werden würden. In China, wo neue politische Maßnahmen die schwachen Entwicklungen im Handel kompensiert haben, bleibt die Vorhersage der OECD mit einer Wachstumssteigung von 6,2 % auf 6,3 % in 2019 fast unverändert zu 2018. In Indien wird das Wachstum laut Berechnungen der Weltbank im Wirtschaftsjahr 2018-2019 wahrscheinlich auf 7,3 % und in den Folgejahren auf 7,5 % steigen.

Der Fokus richtet sich gen Asien

Die Bank of America Merrill Lynch prognostiziert einen Rückgang in fünf Ländern – Indonesien, Malaysia, den Philippinen, Singapur und Thailand – in denen das Wachstum von 5 % in 2018 auf 4,8 % in 2019 leicht sinken soll. Trotz dieser Vorhersage richten sich große Volkswirtschaften in Richtung südostasiatischer Länder aus. Als Einzelmarkt besitzt Südostasien hohe Attraktivität für Schlüsselindustrien, zu denen die Automobilbranche, die Verpackungsbranche, die Baubranche und die Branche für medizinische Geräte gehören. Die Region befasst sich außerdem mit herausragenden Problemen in Zusammenhang mit Kraftstoffeffizienz durch die Entwicklungen ihrer Elektrofahrzeugbranche, mit der Reduzierung von Kunststoffmüll durch eine Recycling-Infrastruktur und mit der Anpassung der intelligenten Fertigung im Rahmen von Industrie 4.0 Initiativen.

Der südostasiatische Kunststoffmarkt wird laut eines Berichts von Mordor Intelligence von 2018 bis 2023 eine durchschnittliche jährliche Wachstumsrate in Höhe von 5,5 % vorweisen können. Die Bau- und Verpackungsbranche sind die größten Kunststoff-Konsumenten in der Region. Gleiches gilt für Folien- und Blattanwendungen. Mordor Intelligence meldet außerdem, dass der Markt für technische Kunststoffe in der Asien-Pazifik-Region über den Vorhersagezeitraum 2018 bis 2023 voraussichtlich eine Wachstumsrate abbilden und ein durchschnittliches jährliches Wachstum von 5,7 % vorweisen wird. Im Jahr 2017 umfasste der Markt 25,37 Millionen Tonnen. PET-Harze (Polyethylenterephthalat) werden in Zukunft wahrscheinlich die Sparte dominieren und bei den technischen Kunststoffprodukten einen Anteil von 51 % ausmachen sowie in den kommenden fünf Jahren ein Wachstum von 6,6 % vorweisen.

Elektrofahrzeuge werden immer beliebter

Um weiterhin wettbewerbsfähig zu bleiben, muss Südostasien dem weltweiten Automotive-Bedarf nachkommen. Thailand gilt als der größte Automobilhersteller der Region. Die Federation of Thai Industries (FTI) prognostiziert jedoch, dass die Fahrzeugproduktion im Jahr 2019 voraussichtlich auf 2,15 Millionen Einheiten sinken wird. An zweiter Stelle auf der Liste der Produktionswettstreiter steht Indonesien, mit 1,24 Millionen produzierten Fahrzeugen und einer Steigerung von 9,9 % im Vergleich zum Vorjahr, in dem das Land laut Angaben der Asean Automotive Federation (AAF) 1,13 Millionen Fahrzeuge produziert hat.

Der Verkauf von Elektrofahrzeugen nimmt auf der ganzen Welt zu und überschritt im Jahr 2018 zum ersten Mal den Schwellenwert von 1,2 Millionen. Laut Schätzungen der Frost & Sullivan Prognose 2018 sollen für den weltweiten Elektrofahrzeugmarkt bis Ende des Jahres weltweit über 1,6 Millionen Elektrofahrzeuge verkauft werden. Während China, die USA und Europa für rund 90 % aller Elektrofahrzeugverkäufe weltweit verantwortlich sind, gehören auch Japan und Südkorea zu den Hauptakteuren.

Die Region Südostasien, in der die industrielle und Biomasse-Verbrennung zu den Hauptgründen für die immer schlechter werdende Luftqualität zählen, orientiert sich mittlerweile an einem kohlenstoffarmen Transport. Eine Studie, die im Jahr 2018 von Frost & Sullivan und Nissan in den Ländern Singapur, Indonesien, Thailand, Malaysia, Vietnam und den Philippinen durchgeführt wurde, besagt, dass obwohl die Zunahme von Elektrofahrzeugen verhältnismäßig niedrig ausfällt, Verbraucher sich der Unterschiede hinsichtlich verschiedener Elektrofahrzeugtechnologien wie Batterie-Elektrofahrzeuge, Plug-in-Hybridfahrzeuge und Voll-Hybridfahrzeuge durchaus bewusst sind. Die Studie besagt außerdem, dass Elektrofahrzeuge besonders bei jungen Verbrauchern unter 40 Jahren immer beliebter werden.

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Das britische Technologieunternehmen Dyson erkannte Südostasien als Markt und wählte Singapur für sein Multi-Milliarden-Dollar-Elektrofahrzeugprojekt aus, um seine ersten Elektrofahrzeuge bis 2021 auf den Markt zu bringen. Obwohl fast 90 % der in Singapur gefahrenen Fahrzeuge mit Benzin betrieben werden, gehört das Land zu den wenigen Ländern, die sowohl ein Car-Sharing-System für Elektrofahrzeuge als auch eine Taxiflotte mit Elektrofahrzeugen vorweisen können. Des Weiteren geht die Land Transport Authority (LTA) davon aus, dass bis 2020 rund 60 Elektrobusse auf öffentlichen Strecken eingesetzt werden.

Anderweitig haben die „Großen 3“ – Thailand, Malaysia und Indonesien – entsprechende Roadmaps für den Einsatz von Elektrofahrzeugen entwickelt, um ein integriertes Elektrofahrzeug-Ökosystem zu errichten, das Privatinvestitionen über die Wertschöpfungskette unterstützt. Unter seinem „Electric Vehicle Promotion Plan“, ein Teil des „Thailand Alternative Energy Development Plan 2012-2021“, konnte Thailand große Fortschritte erzielen und entwickelte sich laut dem Ministerium für Landverkehr von 60.000 Hybrid-PKWs und 8000 Batterie-Elektromotorrädern im Jahr 2014 zu 102.000 Hybridfahrzeugen und 1400 Batterie-Elektrofahrzeugen im Jahr 2018.

Indonesien hat sich noch intensiver mit dem Thema Einführung von Elektrofahrzeugen befasst und sich das Ziel gesetzt, dass 20 % aller lokal produzierten Fahrzeuge bis 2025 elektrisch sein sollen. Zu den neusten Entwicklungen zählt der Bau eines Elektrofahrzeugwerks des südkoreanischen Herstellers Hyundai im Industriegebiet von Cikarang (Indonesien), in dem pro Jahr 250.000 Einheiten produziert werden sollen. Des Weiteren plant ein Konsortium aus Investoren aus Südkorea, Japan und China, den Bau eines vier Milliarden Dollar teuren Werks für Batterie-Elektrofahrzeuge in Morowali (Indonesien). Hierdurch sollen die reichlich vorhandenen Nickel-Laterit-Ressourcen des Landes als Schlüssel-Bestandteil von Lithium-Batterien erschlossen werden.

Auch Malaysia und die Philippinen investieren in Elektrofahrzeuge. Das philippinische Energieministerium ist beispielsweise eine Kollaboration mit der Asian Development Bank (ADB) eingegangen, um E-Tricycles (E-Trikes) einzuführen, die mit einer Lithium-Ionen-Batterie betrieben werden. Im vor allem von Zweirädern befahrenen Vietnam rechnet der größte Fahrzeughersteller Vinfast damit, pro Jahr 250.000 E-Motorräder herzustellen und in naher Zukunft sein eigenes Elektroauto auf den Markt zu bringen.

Jedoch sprechen die noch immer langsam steigenden Nutzungsraten von Elektrofahrzeugen, die durch unattraktive Anreize, hohe Preise und die nicht vorhandenen Ladeinfrastruktur verursacht werden, in diesen Regionen nur schwerlich für diesen Trend.

Die Verpackungsindustrie wächst

Laut einer Branchen-Prognose von Transparency Market Research kann der asiatische Markt für flexible Verpackungen von 2016 bis 2024 ein durchschnittliches jährliches Wachstum von 5,7 % erreichen und somit auf 6,7 Milliarden Dollar steigen. Verursacht wird das durch eine positive Entwicklung und ein steigendes verfügbares Einkommen.

Die thailändische Verpackungsindustrie wird im Jahr 2020 voraussichtlich 63,1 Billionen Einheiten vorweisen und somit im Vergleich zu 2017 (51,3 Billionen Einheiten), ein durchschnittliches jährliches Wachstum von 4,2 % aufweisen. Verpackungen, die eine hohe Funktionalität aufweisen, wie On-the-go-Verpackungen, nachhaltige Verpackungen oder personalisierte Päckchen, werden langfristig eine höhere Nachfrage erzielen, ebenso wie Hartkunststoffe, die von 2017 bis 2022 die größten Marktanteile verzeichnen und ein Wachstum von 4,5 % vorweisen werden.

Indonesien wird in der Region zugleich die führende Position im Markt für flexible Verpackungen einnehmen, wobei laut Transparency Market Research die Lebensmittelverpackungen in diesem Land 70 % des Plastikkonsums ausmachen. Die Umsätze im Bereich Lebensmittel und Getränke zählen hier zu den treibenden Kräften für den starken Anstieg im Einzelhandelsumsatz. Dadurch ist auch der indonesische Kunststoffmarkt gewachsen, der laut einem Bericht von Mordor Intelligence von 2018 bis 2023 ein durchschnittliches jährliches Wachstum von 6,23 % vorweisen wird. In Indonesien ist eine steigende Nachfrage nach kleineren, praktischen, On-the-go-Verpackungen und anderen Verpackungsarten zu beobachten. Die flexiblen Verpackungen wiesen im Jahr 2016 einen Marktanteil von 42 % auf und zählten 42 Milliarden Einheiten. Im Jahr 2021 wird diese Zahl voraussichtlich auf 52 Milliarden steigen, wodurch von 2016 bis 2021 ein durchschnittliches jährliches Wachstum von 4,3 % erreicht werden wird. Nichtsdestotrotz konnten auch die Hartkunststoffverpackungen im Jahr 2016 in Indonesien einen beträchtlichen Marktanteil für sich beanspruchen und sollen weiter steigen.

Wohin mit dem ganzen Plastikmüll?

Die boomenden Kunststoff- und Verpackungsbranchen in Südostasien haben zu einem immer größer werdenden Abfallproblem geführt. Laut der Umweltschutzorganisation Ocean Conservancy und basierend auf den Forschungsergebnissen des Magazins Science stammt über die Hälfte des Plastikmülls, der in den Weltmeeren landet, aus fünf Ländern – China, Indonesien, den Philippinen, Thailand und Vietnam.

Unterdessen ist Südostasien, aufgrund des im letzten Jahr in China verhängten Plastik-Einfuhrstopps, zu einer Mülldeponie für Plastikabfall aus anderen Ländern geworden. Und während Thailand, Vietnam und Malaysia die Einfuhrverbote auf Plastikabfall vorantreiben, sind nach wie vor weitere Gesetze notwendig, um den Lauf der Dinge aufzuhalten, denn die Zahl der illegalen Plastik-Recycling-Fabriken nimmt auch trotz der Einführung der Verbote zu.

Als zweitgrößter Verursacher von Plastikmüll, der in den Weltmeeren endet, hat Indonesien direkt hinter China eine enorme Aufgabe zu bewältigen. Das Land, das eine Bevölkerung von 250 Millionen Menschen aufweist, verwendete laut des Ministeriums für Umwelt und Forstwirtschaft allein im Jahr 2016 rund 9,8 Milliarden Plastiktüten. Nachdem eine Steuer auf Einwegplastiktüten gescheitert ist, hat das Land nun eine Milliarde Dollar hinterlegt, einschließlich eines Kredits von der Weltbank in Höhe von 100 Millionen Dollar. Laut dem Ministerium für Meeresangelegenheiten geht das Land davon aus, dass die Menge an Plastik, die es in die Weltmeere leitet, bis 2025 um 70 % reduziert werden kann. Maßnahmen hierfür sind die Überarbeitung von Produktverpackungen, die Verwendung recycelbarer Materialien und die Einführung einer entsprechenden Abfallwirtschaft.

Thailand produziert pro Jahr ca. drei Millionen Tonnen Plastikmüll und hat nun eine 20-Jahres-Strategie veröffentlicht, die laut den Plänen des Ministeriums für Umweltschutz bis 2022 ein Nutzungsverbot für dünne Einwegplastiktüten vorsieht und bis 2025 ein Verbot für Einwegplastikbecher und Plastiktrinkhalme. Das Nachbarland Malaysia hat hingegen einen Zero-Waste-Plan erstellt, der die Abschaffung von Einwegplastik bis 2030 anvisiert. Auch Kambotscha und die Philippinen haben verschiedene Steuern und Verbote eingeführt. Singapur hinkt mit Gesetzen bzgl. Einwegplastikbesteuerung oder -verbot noch hinterher.

Die Kreislaufwirtschaft soll helfen

Ob Steuern oder Verbote noch so eine wirkungsvolle Waffe im Kampf gegen den Plastikmüll sind wie im Vorfeld angenommen, steht mittlerweile infrage. Heutzutage bedarf es eines umfassenden Ansatzes, um die Planung zu berücksichtigen und Technologien zu entwickeln, die den Wert der Materialien steigern. Ein Kreislaufmodell, das die Müllproduktion durch Wiederverwendung und Wiederverwertbarkeit von Materialien in den Mittelpunkt stellt, könnte helfen.

Im neu gegründeten Nachhaltigkeitssystem, das von der in Malaysia ansässigen Nichtregierungsorganisation Circular Economy Asia (CEA) angeführt wird, wurden mittlerweile Ziele festgelegt, mit denen Asien durch gemeinsame Bemühungen sein Müllproblem in den Griff bekommen und gleichzeitig eine Kreislaufwirtschaft anstreben soll. Das Modell der CEA sieht vor, einen regelmäßigen, praktischen und effizienten Sammelservice anzubieten, informelle Recycling-Sammler zu unterstützen und die Ebenen zu nutzen, in denen sie tätig sind. Des Weiteren sollen informelle Recycling-Sammler für technologieverbundene geografische Gebiete lizenziert werden, wodurch Informationen und Daten für viele Schlüssellösungen erfasst werden können. CEA lobt außerdem das Asian Plastics & Packaging Agreement (Appa), ein Programm, das darauf abzielt, ein einheitliches Recycling-Label-System und eine zertifizierbare Lieferkette einzuführen, und dass jedes Land in Asien dazu auffordert, eine nachhaltige, kreislaufartige Kunststoff- und Verpackungsindustrie zu etablieren. Laut CEA könne Asien im Jahr 2050 voraussichtlich einen geschlossenen Müllkreislauf vorweisen. Dafür müssten Politiker die Kreislaufwirtschaft jetzt unterstützen und die Abschaffung von Deponierungen mit der Abzweigung von recycelbaren Ressourcen für die Wiederverwertung und der Produktion von zu 100 % recycelbaren Kunststoffen einführen.

Austausch auf der K 2019

Sowohl Rohstoffproduzenten als auch Maschinenbauer treffen auf der K 2019 zusammen, um Erfahrungen und Wissen über Recycling, nachhaltige Entwicklung und Kreislaufwirtschaft auszutauschen. Vor diesem Hintergrund wird die „Circular Economy“ im Mittelpunkt der K 2019 stehen, die als globale Leitmesse der Branche gute Voraussetzungen bietet, um mit Fachleuten aus vielen Ländern der Welt die Gespräche zu diesem Thema zu vertiefen und eine Zusammenarbeit zu intensivieren.

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